Ölplattform Mittelplate. Quelle: Wintershall Dea
Die Ölförderung auf der Bohrinsel Mittelplate im Wattenmeer ist vom Verwaltungsgericht Schleswig-Holstein gestoppt worden.
Die Bohrinsel habe derzeit keine vollziehbare Fördererlaubnis, sagte eine Sprecherin des Gerichts zur Deutschen Presseagentur. In einem Eilverfahren hatte zuvor die Deutsche Umwelthilfe (DUH) geklagt. Diese feiert die Entscheidung als „historischen Sieg“.
Wie es in einer Pressemitteilung der DUH heißt, habe man einen bedeutenden juristischen Erfolg zum Schutz der Natur und des Klimas erzielt. Eine Wiederaufnahme des Betriebs sei erst zulässig, wenn nachgewiesen ist, dass keine erheblichen Beeinträchtigungen für das Wattenmeer zu erwarten sind. Eine Beschwerde gegen den Beschluss habe keine aufschiebende Wirkung. Der Beschluss sei sofort vollziehbar.
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Das Wattenmeer ist eines der empfindlichsten und wertvollsten Ökosysteme Europas und darf nicht weiter durch Ölförderung gefährdet werden. Die Ölförderung durch die veraltete Plattform Mittelplate bedeutet ein enormes Risiko für alles Leben im Wattenmeer. Mit jedem Tag steigt die Gefahr eines Unfalls.“ Die Folgen einer Ölpest wären für das Wattenmeer und seine Funktion katastrophal. Millionen von Wattwürmern, aber auch Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale könnten ihre Nahrungsquelle und Lebensgrundlage im Watt verlieren.
Ein Sprecher des Betreibers Wintershall Dea Deutschland sagte, das Unternehmen wolle die Entscheidung sorgfältig prüfen. Man sei überzeugt, dass die Zulassung des Hauptbetriebsplans unter Einhaltung aller Vorschriften erfolgte.
Mittelplate – Deutschlands bedeutendstes Erdölfeld
Die Förderinsel Mittelplate gilt als das bedeutendste Erdölfeld Deutschlands und ist zugleich eines der technisch und politisch außergewöhnlichsten Förderprojekte Europas. Das Feld liegt rund sieben Kilometer vor der schleswig-holsteinischen Küste in der Nordsee, am südlichen Rand des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Die Entdeckung erfolgte 1981, die Produktion begann 1987. Die zentrale Förderinsel wurde als künstliche Insel auf einer Sandbank errichtet.
Die technische Infrastruktur wurde mehrfach modernisiert. Seit 2005 kommt eine leistungsfähige Bohranlage zum Einsatz, die Reichweiten von bis zu sechs Kilometern ermöglicht. Das geförderte Rohöl wird über eine Pipeline an Land transportiert und dort aufbereitet. Betreiber ist heute Wintershall Dea. Schätzungen gehen davon aus, dass noch rund 10 bis 15 Millionen Tonnen förderbar sind. Bisher wurden 40 Millionen Tonnen gefördert.
Donnerstag, 26.02.2026, 17:30 Uhr
Günter Drewnitzky
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