Quelle: Pixabay / Edgar Oliver
Das Forschungsprojekt AISOP hat seinen Abschlussbericht vorgelegt. Die Partner präsentieren KI-Ansätze für Netzplanung, Anomalie-Erkennung und Erkenntnisse zu dynamischen Tarifen.
Das Forschungsprojekt „AI-assisted Grid Situational Awareness and Operational Planning“ (AISOP) ist offiziell beendet worden. Das Konsortium, an dem auch die Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (Asew) beteiligt war, legte den Abschlussbericht vor. Ziel des Vorhabens war es, ein KI-gestütztes Entscheidungsfindungssystem zur Dekarbonisierung von Stromnetzen zu entwickeln.
Bereits zu Beginn des Projekts hatten die Partner erläutert, AISOP solle ein neues „Operational-Planning“-Konzept für Verteilnetzbetreiber entwickeln, angelehnt an Planungsprozesse in Übertragungsnetzen. Während dort Engpässe und Spannungsprobleme mithilfe langfristiger Prognosen und schrittweiser Verfeinerung bis nahe Echtzeit gesteuert würden, fehle ein solches System bislang auf Verteilnetzebene.
Angesichts zunehmender dezentraler Erzeugung und wachsender Lasten etwa durch Elektromobilität seien vergleichbare Ansätze jedoch sinnvoll. Vorgesehen gewesen seien unter anderem digitale Prozesszwillinge, KI-gestützte Netzzustandsanalysen, risikobasierte Bewertungen sowie die Erprobung dynamischer Tarife in Deutschland und der Schweiz.
Im Verlauf des Projekts analysierten die Partner umfangreiche Betriebsdaten, um Muster zu identifizieren und Anomalien frühzeitig zu erkennen. Richard Orth, stellvertretender Leiter Forschungsprojekte bei der Asew, erklärte, man habe in großen Datenmengen gezielt nach Auffälligkeiten gesucht, um den Netzbetrieb transparenter zu machen und fundierte Entscheidungen im Netzmanagement zu ermöglichen.
Web-basierte Anwendung zur Beobachtung von Betriebszuständen
Laut einer Mitteilung der Asew konnten die Beteiligten Ansätze zur Anomalieerkennung in Niederspannungsnetzen erfolgreich entwickeln. Darüber hinaus entstand eine webbasierte Anwendung, die Netzbetreibern praxisnahe Einblicke in Betriebszustände und Planungsoptionen bieten soll.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Bewertung dynamischer Tarifsysteme. Gemeinsam mit den Projektpartnern untersuchte die Asew, wie sich flexible Stromtarife auf das Verhalten von Verbrauchern und Prosumern auswirken könnten. Eigene Expertenforen dienten nach Angaben der Beteiligten als Testumgebung für die entwickelten Anwendungen und Szenarien.
Die Asew übernahm im Projekt eine Schnittstellenfunktion zu kommunalen Versorgungsunternehmen. Als Leiterin des Arbeitspakets „Communication“ bereitete sie die Ergebnisse für die Praxis auf und brachte sie in Fachveranstaltungen und Arbeitskreise ein. Über das Netzwerk der Asew sei Rückmeldung aus der Stadtwerke-Praxis in das Projekt zurückgespielt worden, um die entwickelten Ansätze zu überprüfen und weiterzuentwickeln.
Die im Projekt gewonnenen Erfahrungen sollen über das Vorhaben hinaus genutzt werden. Im Asew-Netzwerk wurde dazu ein Arbeitskreis Stromnetze gegründet, der an die Ergebnisse von AISOP anknüpfen und sie weiterführen soll.
Gefördert wurde AISOP im Rahmen des Smart Energy Systems Era-Net. Neben der Asew beteiligten sich die Netzbetreiber Westfalen Weser Netz und Romande Energie aus der Schweiz, die Softwareunternehmen Logarithmo und Hive Power, das Zentrum für Beratungssysteme in der Technik, Dortmund e.V. (ZEDO), die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Luzern sowie die ETH Zürich.
Auf der Projektseite stehen die abschließenden Ergebnisse aktuell noch nicht zur Verfügung.
Mittwoch, 18.02.2026, 16:29 Uhr
Fritz Wilhelm
© 2026 Energie & Management GmbH