Umspannwerke und andere Energieanlagen haben es zunehmend mit Drohnenaktivitäten zu tun. Quelle: N-Ergie
Drohnenaktivitäten und Sabotageversuche gegen Energieanlagen häufen sich. Die Forderungen nach mehr politischer Unterstützung und klaren Befugnissen ebenso.
Deutschland, die EU und der Westen befinden sich nach Einschätzung von Branchenexperten in einem unerklärten hybriden Krieg. Seit Jahren stehen liberale Gesellschaften unter ständigen Angriffen im Cyberraum, zuletzt nahmen auch physische Attacken, etwa gegen Umspannwerke und Flughäfen, zu. Die Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (ASEW) hatte kürzlich einen Erfahrungsaustausch für kommunale Versorger organisiert, der auf breites Interesse gestoßen war.
An dem Austausch nahmen rund 120 Personen teil, mehr als 80 Unternehmen der Energiewirtschaft waren vertreten. Im Fokus stand der Schutz sensibler Anlagen, insbesondere die Drohnenabwehr. Laut Umfrage haben 13 Prozent der Teilnehmenden bereits nachweislich Drohnenaktivitäten über der eigenen Infrastruktur registriert. „Die Dunkelziffer dürfte hoch sein, bedenkt man die Verbreitung von Drohnen aller Größenklassen sowie das Faktum, dass nicht jede Anlage rund um die Uhr überwacht wird“, sagte dazu Lucas Wiermann, Senior-Projektmanager Netz & Digitalisierung bei der ASEW. Gut 70 Prozent der Unternehmen seien mit unterschiedlicher Intensität mit dem Thema befasst, drei von zehn stünden jedoch noch ganz am Anfang.
Reaktionsmöglichkeiten eng begrenzt
Eine zentrale Herausforderung ist laut Wiermann die eingeschränkte rechtliche Handlungsfähigkeit: Die Überwachung von Anlagen samt Luftraum sei zwar möglich, eine direkte Intervention gegen Überflüge − etwa das Stören der Funkverbindung oder das Abfangen einer Drohne − sei rechtlich allerdings nicht vorgesehen. Zuständig wären allein Polizeidienststellen, die aufgrund langer Reaktionszeiten und fehlender Mittel kaum handlungsfähig seien.
Hinzu komme eine „Ungleichheit der Waffen“: Anlagen der kritischen Infrastruktur ließen sich mit wenig Aufwand über offene Quellen identifizieren, während Angreifer bis zuletzt verdeckt agierten. Stadtwerke seien als Kritis-Betreiber zu aktiven Maßnahmen bereit, der Rechtsrahmen bremse dies jedoch oft aus.
Ähnlich äußert sich Vattenfall-Deutschlandchef Robert Zurawski mit Blick auf Drohnenzwischenfälle. Der Deutschen Presse-Agentur sagte er, die Bedrohungslage habe sich spürbar verändert, weshalb Unternehmen eigene Vorkehrungen treffen müssten – etwa bei IT-Sicherheit und dem Schutz von Standorten, auch Offshore. Vattenfall entwickelt derzeit rund 85 Kilometer vor Borkum das Windprojekt Nordlicht mit einer geplanten Leistung von mehr als 1.600 MW.
Zugleich mahnt Zurawski klare Zuständigkeiten an: Unternehmen übernähmen Verantwortung für ihre Standorte, doch das Problem ende nicht am Zaun. Hier sei auch der Staat gefragt, um gemeinsam mit den Akteuren Regeln festzulegen. (gd)
Donnerstag, 17.09.2026, 12:48 Uhr
Günter Drewnitzky
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