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Enerige & Management > Windkraft Onshore - Wundersame Prognosen der Regierung
Bild: psdesign1 / Fotolia
WINDKRAFT ONSHORE:
Wundersame Prognosen der Regierung
Da die Bundesregierung von einem sinkenden Stromverbrauch bis 2030 ausgeht, hat sie die Ausbauziele für die Windenergie an Land deutlich zurückgestutzt. Unverständlich für Fachleute.
 
Verwunderung hat eine Antwort von Energiestaatssekretär Andreas Feicht an Oliver Krischer ausgelöst: Der Energieexperte der grünen Bundestagsfraktion wollte wissen, wie die Bundesregierung mit einem deutlich reduzierten Windkraftausbau an Land ihr eigenes Ziel von einem 65-prozentigen Ökostromanteil bis sie die Bundesregierung allenfalls eine installierte Kapazität zwischen 67 000 und 71 000 MW.

In ersten Entwürfen für das Klimaschutzprogramm war noch von 80 000 MW die Rede gewesen, einer Gesamtleistung, die auch die Bundesnetzagentur vorgeschlagen hatte. Gemessen an den derzeit bereits installierten 53 000 MW bedeutet der neue „Zielkorridor“ für die kommenden elf Jahre einen jährlichen Nettozubau zwischen 1 275 und 1 635 MW, sprich, die Große Koalition drosselt den Bau neuer Windturbinen an Land.

Die von der heimischen Windbranche als drastischer Einschnitt empfundene Absenkung begründet Feicht in seinem Schreiben an Krischer nun so: „Die Bundesregierung geht gegenwärtig davon aus, dass sich der Bruttostromverbrauch für das Jahr 2030 geringfügig unterhalb des heutigen Niveaus bewegen dürfte. Dafür sind erhebliche Anstrengungen im Bereich Effizienz erforderlich.“

"Bewusstes Niedrigrechnen des künftigen Windkraftbedarfs"

Als „bewusstes Niedrigrechnen des künftigen Windkraftbedarfs“ bewertet dagegen Wolfram Axthelm, Geschäftsführer des Bundesverbands Windenergie (BWE), die Feicht-Antwort. Durch den Ausbau der Sektorkopplung beispielsweise auf Grundlage der Power-to-X-Technologien oder durch die von der Bundesregierung geförderte Elektromobilität werde in den nächsten Jahren deutlich mehr Strom benötigt und verbraucht. Axthelm verweist auf ein vom Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) beauftragtes Gutachten, das von einem Strombedarf in Höhe von 740 Mrd. kWh für das Jahr 2030 ausgeht. Die Modellrechnungen der Bundesregierung erwarten dagegen einen deutlich niedrigeren Bedarf zwischen 572 und 587 Mrd. kWh.

Diese Zahl scheint im Bundeswirtschaftsministerium nicht in Stein gemeißelt zu sein, betont BWE-Geschäftsführer Axthelm: „Auf unserer Power-to-X-Konferenz in der vergangenen Woche hat Ministerialdirigent Ulrich Benterbusch, ohne exakte Zahlen zu nennen, frei bekannt, dass das Bundeswirtschaftsministerium für die kommenden Jahre schon von einem wachsenden Strombedarf ausgeht.“

Agora sieht wachsenden Stromverbrauch

Nicht nur beim BWE-Mann hat Feichts Aussage von einem sinkenden Stromverbrauch bis 2030 Kopfschütteln ausgelöst, sondern auch bei Frank Peter. Gegenüber E&M betonte der stellvertretende Direktor von Agora Energiewende: „Mehr Effizienz ist in jedem Fall nötig. Denn wir brauchen die dadurch frei werdenden Strommengen für den Aufwuchs von Wärmepumpen im Gebäudebereich, für die Elektromobilität und die Industrie.“

Auch die Berliner Denkfabrik geht von einem künftig steigenden Strombedarf aus: „Unseren Berechnungen nach wird der Stromverbrauch durch die Dekarbonisierung des Wärme- und Verkehrssektors und der Industrie noch steigen. Der Ausbau der Windkraft an Land muss daher auf mindestens 4 000 Megawatt Zubau pro Jahr wieder deutlich anziehen.“ Diese Zubaukapazität sei „bitter nötig“, ansonsten werde das grüne 65-Prozent-Ziel bei der Stromerzeugung im Jahr 2030 verfehlt.
 

Ralf Köpke
© 2019 Energie & Management GmbH
Montag, 28.10.2019, 14:52 Uhr

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