Halvor Jahre sprach bei der Frühjahrstagung von DGMK und ÖGEW über die CCS-Pläne der Harbour Energy. Quelle Volker Stephan
Mit Müll Geld zu verdienen – das ist keinesfalls ein Privileg von Abfallentsorgern. Auch Harbour Energy will mit einem Reststoff energieintensiver Prozesse Geschäfte machen – mit CO2.
Wenn Kohlendioxid als Gas keine Verwendung findet, „dann ist es Müll. Und wir sind nicht gewohnt, für das Entsorgen dieses Mülls zu bezahlen.“ Halvor Jahre beschreibt damit zunächst ein Problem im Umgang mit klimaschädlichem Treibhausgas – und für seinen Arbeitgeber Harbour Energy zugleich ein interessantes Geschäftsfeld: das Einlagern von CO2.
Jahres Rolle beim Hamburger Unternehmen, das aus Wintershall Dea hervorgegangen ist, ist die des Senior Vice President für das CCS Portfolio Development. Er ist für die Entwicklung von CO2-Speichern verantwortlich und treibt dieses Geschäft aktuell vor allem in Norwegen und Dänemark, Großbritannien und Deutschland voran. Der Öl und Gas fördernde Konzern spricht davon, über Speicher mit einer Nettokapazität von 650 Millionen Tonnen CO2 zu verfügen.
CO2 abzuscheiden, einzufangen und zu lagern (CCS) – in diesem Bereich des Klimaschutzes gibt es große Anstrengungen und ein stetiges Ringen um funktionierende regulatorische Rahmenbedingungen. „Wir müssen es schaffen, eine Wertschöpfungskette aufzubauen“, fordert Jahre. Er bekräftigte dies vor gut 600 Teilnehmenden auf der Frühjahrstagung der Deutschen Wissenschaftlichen Gesellschaft für nachhaltige Energieträger, Mobilität und Kohlenstoffkreisläufe (DGMK) und der Schwesterorganisation Österreichische Gesellschaft für Energiewissenschaften (ÖGEW) am 6. Mai in Münster.
Stabile Geldflüsse im CCS-Prozess seien grundlegend, nicht zuletzt für die Investitionsentscheidung aller Beteiligten. Die Bedingungen des europäischen Emissionshandels (ETS) kritisierte er als nicht ausreichenden Ansatz für die Branche. Harbour Energy kennt sich hier aus. Aus wirtschaftlichen Gründen habe das Unternehmen in den Niederlanden und England Projekte aufgegeben, einige andere dagegen seien in einer vielversprechenden Phase.
Blick nach Dänemark
So lenkte Jahre den Blick auf das große Projekt „Greenstore“ im Norden Dänemarks, auf dem Festland beziehungsweise in dessen Tiefen. Mit 3D-Seismik hat Harbour Energy im ersten Quartal des laufenden Jahres eine riesige Fläche von 527 Quadratkilometern im Untergrund auf die Tauglichkeit für CO2-Speicherung untersuchen lassen. Konkrete Bohrungen bis in Tiefen von mehr als 3.000 Metern sollen im zweiten oder dritten Quartal erfolgen.
Mit dem gleichberechtigten Partner Ineos Energy (jeweils 40 Prozent) und dem Nordseefonds (Nordsöfonden) des dänischen Staates (20 Prozent) hat Harbour Energy 2024 für fünf Jahre die Lizenz erhalten, den Untergrund auf CO2-Lagerstätten erkunden zu dürfen. Die Nutzungsrechte der jeweiligen Flächen über Tage haben sie sich in Verträgen mit Dutzenden Landeigentümern gesichert.
Im Unterschied zu Greenstore gibt es bei dem norwegischen Vorhaben Havstjerne eine andere Herausforderung. Hier handelt es sich um ein Offshore-Projekt, dessen Reservoire in den Tiefen des Meeresgrundes zu finden sind. Harbour Energy ist dabei auch im Geschäftsbereich Transport von abgeschiedenem CO2 involviert. Die technische Tücke liegt darin, von Schiffen CO2 direkt in die unterirdischen Kavernen zu injizieren. 2030 wollen die Partner mit dem Einbringen starten.
Weit fortgeschritten ist ein anderes Speichervorhaben auf dem Meer, das in der dänischen Nordsee laufende „Greensands Future“. In den nächsten Monaten soll das Einlagern von CO2 beginnen, es gilt als das erste kommerzielle Offshore-Projekt, das innerhalb der EU verwirklicht würde. 400.000 Tonnen CO2 pro Jahr sollen hier in die Speicher strömen, ein Spezialschiff für den Transport ist dafür nötig. Harbour Energy ist auch daran mit 40 Prozent beteiligt, Hauptpartner neben dem dänischen Staat ist wiederum das weltweit tätige Petrochemie-Unternehmen Ineos aus London.
Montag, 11.05.2026, 15:58 Uhr
Volker Stephan
© 2026 Energie & Management GmbH