Azubis bei EVM. Quelle: Lunnebach Media
Die Energieversorgung Mittelrhein hat gute Erfahrungen mit der Integration ausländischer Fachkräfte gemacht. Diese haben den Weg für ein Pilotprojekt geebnet.
Die Energieversorgung Mittelrhein hat ihr Netzgebiet um 50.000 Zählpunkte im Zuge neuer Konzessionen erweitert. Den daraus resultierenden zusätzlichen Bedarf an Fachkräften und den sich aus verschiedenen Energiewende-Projekten ergebenden Bedarf an neuen Mitarbeitern, konnte der regionale Energieversorger 2024 mit Bewerbern aus dem Inland decken. Insgesamt 90 Vollzeitäquivalente – dies entspricht etwa 100 neuen Beschäftigten – umfasste der Bedarf.
Mittel- und langfristig hält es Mithun Basu allerdings für erforderlich, den Blick auch ins Ausland zu richten. „Die strukturelle Rezession in der Automobil- und Chemieindustrie spielt uns derzeit in die Karten“, sagt der EVM-Vorstand. Der allgemeine demografische Wandel, ein allgemein geringes Interesse für die MINT-Berufe, also Berufe mit technischen und naturwissenschaftlichen Inhalten, sowie die Tendenz junger Abiturienten, eher ein Studium als eine Berufsausbildung zu beginnen, seien drei Makrotrends, die den Unternehmen in der Energiewirtschaft jedoch weiter zusetzen werden.
„In vielen Ländern gibt es einen Fachkräftepool mit Menschen, die bereit sind, nach Deutschland zu kommen“, sagt Basu. Dieses Potenzial wolle man erschließen, wenn in der Region oder bundesweit nicht die passenden Kandidaten zu finden, zu haben oder zu halten sind.
Maßgeblich dafür seien die Erfahrungen mit einem Mitarbeiter, der vor rund zehn Jahren als Flüchtling aus dem Iran nach Deutschland gekommen war. In Koblenz wurde er dann zum Elektroniker für Betriebstechnik in der Wasserversorgung ausgebildet und machte anschließend seinen Meister.
Fachkräfte-Suche über spezialisierte Agenturen
„Die guten Erfahrungen, die wir mit ihm gemacht haben, und der Nachweis einer erfolgreichen Integration in ein bestehendes Team und ins Unternehmen, haben uns dann bestärkt, im Rahmen eines Pilotprojekts das Recruiting im Ausland anzugehen“, so Basu.
Über die beiden Agenturen „4EIGN Talents“ und „GloreSoft“ kam es auch zu erfolgreichen Abschlüssen. So arbeitet sich nun ein 33-jähriger Mann aus Marokko, der in seiner Heimat eine Ausbildung zum Industrieelektriker absolviert hat, als Stromnetzmonteur ein. Und zwei 21-jährige Männer aus Indien, die beide einen dem Abitur vergleichbaren Schulabschluss haben, haben ihre Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Rohrsystemtechnik begonnen. Sie sollen später einmal als Monteure im Bereich Rohrnetze tätig sein.
Gerade für die Gassparte sei es hierzulande relativ schwierig, junge Leute zu begeistern. Erfahrungsgemäß sei in deren Augen das Gasnetz meist kein zukunftsfähiges Betätigungsfeld, selbst wenn man die Umwidmung der Leitungen für den Wasserstofftransport in Betracht ziehe. Vor diesem Hintergrund sei es sehr hilfreich, den Blick ins Ausland zu richten. Basu betont allerdings: „Wir gehen Schritt für Schritt vor: Wir suchen erst hierzulande und erst, wenn wir nicht fündig werden, geben wir einen Suchauftrag an die Agenturen.“
Grundvoraussetzung für den Einstieg bei der EVM ist die Sprache. Alle neuen Mitarbeiter müssen mindestens das Sprachniveau B1 mitbringen, am besten B2, wie die drei neuen Mitarbeiter aus Marokko und Indien. Die zweite Grundvoraussetzung ist die Bereitschaft, sich in Deutschland zu integrieren − ins Unternehmen und in die Gesellschaft. „Bei Menschen, die in ihrem Heimatland schon mit Erfolg Deutsch gelernt haben und sich für eine qualifizierte Ausbildung in Deutschland interessieren, kann man sicherlich von einer Offenheit gegenüber der deutschen Kultur und einer gewissen Integrationsbereitschaft ausgehen“, meint der EVM-Vorstand und weist darauf hin, dass das Unternehmen natürlich auch dabei hilft, in Deutschland „anzukommen“. Schließlich ist den Verantwortlichen der EVM durchaus bewusst, dass Integration keine Einbahnstraße ist. Deshalb werden Kollegen und Führungskräfte auch interkulturell sensibilisiert und geschult.
Aktuell läuft das Recruiting-Pilotprojekt noch. Mitte des laufenden Jahres soll dann über neue Suchaufträge entschieden werden.
Einen ausführlichen Beitrag zum Recruiting bei EVM lesen Sie in der Printausgabe von Energie & Management vom 1. Februar.
Mittwoch, 28.01.2026, 16:40 Uhr
Fritz Wilhelm
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