Quelle: Trianel
Von null bis 90 Prozent: Bei den Füllständen der deutschen Erdgasspeicher zeigt sich ein stark differenziertes Bild.
Das Gesamtbild bietet Anlass zur Sorge: „Der aktuelle Gasspeicherfüllstand ist mit Abstand der tiefste Füllstand zu dieser Zeit, der seit Aufzeichnung der Speicherfüllstände in Deutschland aufgetreten ist“, so meldete sich der Verband der Gasspeicher-Betreiber öffentlich zu Wort. Und der Druck auf das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) steigt.
„Deutschland darf nicht auf einen milden Winter, fallende Preise oder störungsfreie internationale Gaslieferungen hoffen. Versorgungssicherheit ist keine Frage des guten Wetters und kein Spiel auf Zeit“, wird Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) von der Deutschen Presseagentur (DPA) zitiert. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) solle darlegen, wie sie die Versorgung von Haushalten und Wirtschaft sicherstellen will. BSW-Gründerin Sarah Wagenknecht forderte gar den Rücktritt der Ministerin. „Die leeren Gasspeicher sind Staatsversagen“, sagte sie der DPA.
Das BMWE sieht die Gashändler der Pflicht, betont aber seine eigene Handlungsfähigkeit. „Die Bundesregierung ist jederzeit in der Lage zu reagieren – oberste Priorität hat für das BMWE die Versorgungssicherheit“, teilte eine Ministeriumssprecherin am 19. August auf Anfrage dieser Redaktion mit. Und das bundeseigene Gasunternehmen Securing Energy for Europe (Sefe) bewertet die Versorgungslage für den kommenden Winter grundsätzlich als stabil.
So vergleichsweise niedrig der Gesamtfüllstand der Erdgasspeicher ist – aktuell rund 50 Prozent – für die einzelnen Speicher zeigt die Datenbank von Gas Infrastructure Europe (GIE) ein buntes Bild. Von dunkel- über hellgrün bis zu leuchtend rot reicht das Farbspektrum. Und optisch überwiegen Grüntone.
Uniper: 70-Prozent-Marke noch erreichbar
Den höchsten Füllstand weist aktuell Enercity aus Hannover aus. Zu 90,77 Prozent ist der Speicher Ronneberg-Empelde gefüllt. Dahinter folgen im Vergleich der Energiespeicher Kraak (Mecklenburg-Vorpommern) von Hansewerk (89,73 Prozent) und der Speicher Gronau-Epe (Niedersachsen) der Stadtwerke-Kooperation Trianel (89,49 Prozent). Die Speicher des Energieriesen RWE haben Füllstände zwischen 61 und 85 Prozent.
Nicht ganz so weit ist der Uniper-Speicherbetreiber, doch auch von dort kommt Entwarnung. „Die von Uniper Energy Storage betriebenen Anlagen, die allen Händlern offenstehen, sind zu knapp 58 Prozent gefüllt“, teilt der Konzern auf Anfrage mit. „Deutschland kann das durchschnittliche Speicherziel von 70 Prozent zum 1. November weiterhin erreichen, sofern sich die Marktbedingungen entsprechend positiv entwickeln“, so eine Sprecherin. Tempo und Umfang der Einspeicherung hingen maßgeblich von verbesserten Marktbedingungen und stärkeren wirtschaftlichen Anreizen ab.
Uniper Energy Storage habe alle verfügbaren Maßnahmen genutzt, um freie Kapazitäten kontinuierlich am Markt anzubieten und Anreize zur Einspeicherung zu schaffen, heißt es weiter. Nicht befüllte Kapazitäten, die den kritischen Füllstandspfad erreicht hatten, seien zusätzlich gemäß den gesetzlichen Vorgaben dem Gasmarktgebiets-Betreiber THE zur Ersatzbefüllung angeboten worden. Trotzdem: „Die aktuellen Entwicklungen zeigen aus unserer Sicht, dass die bestehenden Marktbedingungen und Anreizstrukturen für die Speicherbefüllung nicht immer ausreichend sind“, resümiert die Uniper-Sprecherin.
Bundesnetzagentur hält Speichervorgaben für überholt
Der Düsseldorfer Uniper-Konzern fordert von der Politik „einen verlässlichen, marktorientierten Rahmen, der eine rechtzeitige und wirtschaftlich tragfähige Speicherbefüllung ermöglicht“. Die Botschaft liegt in Berlin: „Hierzu haben wir im Frühjahr Vorschläge erarbeitet, nach dem Vorbild unserer Nachbarländer. Dort wurden unterschiedliche Instrumente frühzeitig eingeführt, um die Versorgungssicherheit zu stärken und die Speicherbefüllung abzusichern. Dies spiegelt sich auch in höheren Füllständen als in Deutschland wider“, so die Unternehmenssprecherin.
Die Bundesnetzagentur zweifelt unterdessen an den Füllstandsvorgaben. Die strengen gesetzlichen Vorgaben hätten sich in der Krise nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine bewährt, aber inzwischen drohten die Fehlanreize zu überwiegen, erklärte Behördenchef Klaus Müller jetzt gegenüber der Wochenzeitung Die Zeit. „Einen Mehrwert sehe ich nicht mehr“, zitiert das Blatt Müller.
Die Speicher der bundeseigenen Sefe sind aktuell zu 28,82 Prozent gefüllt. 0 Prozent weist die Datenbank von Gas Infrastructure Europe für den Enovos-Speicher Frankenthal in Rheinland-Pfalz aus. Auch hier: ungünstige Marktverhältnisse für die Einspeicherung, sagt Enovos. Am 1. November müsste Frankenthal gesetzlich zu 45 Prozent gefüllt sein. (mf)
Freitag, 21.08.2026, 17:54 Uhr
Manfred Fischer
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