Quelle: Katia Meyer-Tien
Schneider Electric und Kraken wollen als Partner die Stromnachfrage flexibler steuern, um Netzkapazitäten besser zu nutzen und Anschlüsse schneller bereitzustellen.
Schneider Electric und Kraken haben eine strategische Partnerschaft zur Förderung der Stromnachfrageflexibilität angekündigt. Ziel ist es, Netzkapazitäten effizienter zu nutzen und die Anbindung von Rechenzentren sowie großen Industrieverbrauchern zu beschleunigen. Das teilten beide Unternehmen am 9. Juni mit.
Schneider Electric bringt nach eigenen Angaben seine Plattformen zur Netzüberwachung und Prognose von Engpässen in die Zusammenarbeit ein. Das Unternehmen mit Hauptsitz im französischen Rueil-Malmaison ist auf Energie- und Automatisierungslösungen spezialisiert. Das Londoner KI-Unternehmen Kraken ergänzt dies durch Software zur Steuerung flexibler Stromverbraucher und dezentraler Energieressourcen.
Kapazitätsmanagement für bessere Netzauslastung
Die Partner wollen Verteilnetzbetreibern und Energieversorgern ermöglichen, Netzengpässe in Echtzeit zu erkennen und den Stromverbrauch gezielt zu verschieben. Dadurch sollen vorhandene Netzkapazitäten besser ausgelastet werden. Laut den Unternehmen könnte dies den Anschluss neuer Lasten beschleunigen und den Bedarf an umfangreichen Netzausbauten hinauszögern.
Hintergrund der Kooperation ist der steigende Strombedarf. Nach Angaben der Unternehmen lag der Stromverbrauch von Rechenzentren weltweit im Jahr 2024 bei rund 415 Milliarden kWh. Bis 2030 dürfte sich dieser Wert wohl verdoppeln. Gleichzeitig wachsen in vielen Ländern die Warteschlangen für Netzanschlüsse, während Netzbetreiber häufig nur begrenzte Transparenz über die aktuelle Auslastung ihrer Netze haben.
Kombiniertes Know-how
Die neue Lösung kombiniert die Netztransparenz der One Digital Grid Platform und des EcoStruxure Distributed Energy Resource Management Systems (DERMS) von Schneider Electric mit der Flexibilitätsplattform von Kraken. Diese vernetzt unter anderem Elektrofahrzeuge, Heimbatterien, Wärmepumpen sowie industrielle Lasten und koordiniert deren Stromverbrauch. Auf diese Weise soll die Nachfrage zeitlich verschoben und das Netz in Echtzeit entlastet werden.
Laut Schneider Electric können neben Industrieanlagen auch Elektrofahrzeuge, Batteriespeicher und Photovoltaikanlagen zur Flexibilität beitragen. Dies soll helfen, Netzüberlastungen zu vermeiden und das Stromsystem effizienter zu betreiben.
Kraken verweist auf das wirtschaftliche Potenzial der Nachfrageflexibilität. Analystenschätzungen zufolge könnte der globale Marktwert flexibler Stromnachfrage im Industrie- und Gewerbesektor bis zu einer Billion US-Dollar pro Jahr erreichen.
KI als Problemlöser
Amir Orad, CEO von Kraken, erklärte: „Künstliche Intelligenz kann nicht nur zusätzlichen Strombedarf verursachen, sondern auch dazu beitragen, bestehende Netzinfrastrukturen effizienter zu nutzen.“ Die Partnerschaft mit Schneider Electric solle dazu beitragen, Netzanschlüsse zu beschleunigen und das Wachstum der Stromversorgung zu unterstützen.
Frederic Godemel, Executive Vice President Energy Management bei Schneider Electric, erklärte, Netzbetreiber stünden vor der Herausforderung, Versorgungssicherheit zu gewährleisten, auf veränderte Lastprofile zu reagieren und gleichzeitig mit einer alternden Infrastruktur zu arbeiten. „Durch die Kombination der eigenen Plattformen mit spezialisierten Partnerlösungen unterstützen wir unsere Kunden bei diesen Aufgaben“, so Godemel.
Nach Angaben der Unternehmen soll die Zusammenarbeit weltweit ausgerollt werden. Weitere Einzelheiten zu Projekten oder einem Zeitplan nannten die Partner zunächst nicht.
Dienstag, 9.06.2026, 11:15 Uhr
Susanne Harmsen
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