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Energie & Management > Gas - Niedrige Gasspeicherstände sorgen für Sicherheitsdebatte
Quelle: Shutterstock / sdf_qwe
Gas

Niedrige Gasspeicherstände sorgen für Sicherheitsdebatte

Unternehmen, Bundesbehörden und Verbände bewerten die niedrigen Gasspeicherstände unterschiedlich. Einige Marktakteure sehen Entspannung, andere fordern zusätzliche Vorsorgeinstrumente.
Mit Sorge blickt Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender der EWE AG, auf die aktuellen Füllstände der deutschen Gasspeicher. „Ich möchte keinen Alarm schlagen, aber trotzdem darauf hinweisen, dass die Füllstandssituation heute so schlecht ist, wie sie es Anfang 2022 war“, sagt Dohler in einem Presseinterview. Der Chef des Oldenburger Energieversorgers bewertet dies als Hinweis darauf, dass die politischen Mechanismen zur Speicherbefüllung nicht wie vorgesehen wirkten. 

Nach Angaben des EWE-Chefs liegen die Füllstände der deutschen Gasspeicher derzeit deutlich unter dem Niveau zu Beginn des Jahres 2025. Grund sei, dass im vergangenen Sommer keine ausreichenden Preissignale für die stärkere Einspeicherung von Gas aus dem Markt kamen. Staatliche Vorgaben wie in der Krise 2022 bis 2024 seien dagegen weggefallen. Aktuell liege der Speicherstand nur bei knapp 50 Prozent.

Heizperiode abgesichert?

Würden sich die Speicher in den kommenden drei Monaten mit dem gleichen Tempo leeren wie vor einem Jahr, könnten sie Ende März nur noch zu rund fünf Prozent gefüllt sein, rechnet Dohler vor. Ein solches Szenario hält er jedoch für wenig realistisch, da sich die Preise auf dem Gasmarkt derzeit entspannt zeigten und Händler dort Gas beschaffen könnten.

Gasspeicher dienen als Puffer bei Unterbrechungen der Gasversorgung. Gleichzeitig hat die Bedeutung der Importinfrastruktur für Flüssigerdgas zugenommen. Über Terminals an der Nord- und Ostsee gelangt LNG nach Deutschland. Laut einer Sprecherin von Bundeswirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche (CDU) ermögliche die inzwischen gut ausgebaute LNG-Infrastruktur in Deutschland und Europa neben der Hauptversorgung durch norwegisches Pipelinegas die notwendigen Importe.

Die Terminals hätten Gasspeicher unwirtschaftlicher gemacht, wenn es um die Sicherstellung der Versorgung gehe. Deshalb liegen bei der Bundesnetzagentur Anträge auf Stilllegung von zwei Gasspeichern in Bayern vor, darunter einer von Uniper, mit Wirkung ab dem Frühjahr 2027.

Der Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe (THE) habe anders als während der Energiepreiskrise 2022 nicht eingreifen müssen, um Speicher zu befüllen, teilte er mit. Dies hätte zusätzliche Kosten für Gaskunden oder Steuerzahler vermieden. Zu Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine war Deutschland noch stark von russischem Gas abhängig, vor diesem Hintergrund war eine Gasspeicherumlage erhoben worden. Diese wird aktuell aus dem Bundeshaushalt gezahlt.
 
Verlauf der Gasspeicherfüllstände im Vergleich Heizperiode 2024 bis 2026
(zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)
Quelle: Bundesnetzagentur

Auch die Bundesnetzagentur ordnet die Lage zurückhaltend ein. Der Gasspeicherfüllstand sei ein wichtiger Indikator für zusätzliche Versorgungsabsicherungen, jedoch nicht allein ausschlaggebend, teilt die Behörde mit. Deutschland verfüge über ausreichende Import- und Speichermöglichkeiten.

Die Gaspreise bewegten sich in einem stabilen, leicht ansteigenden Korridor, was für Jahreszeit und Witterung nicht ungewöhnlich sei. Diese Stabilität führe die Bundesnetzagentur unter anderem auf ein ausreichendes Angebot am Weltmarkt zurück, das auch über LNG-Terminals importiert werde. Aktuell gehe man von einer gesicherten Gasversorgung aus.

Mehr Vorsorge gefordert

Dohler fordert dennoch mehr Vorsorge. Es sei sinnvoll, bereits jetzt über Instrumente zu sprechen, die den Marktmechanismus erhalten und zugleich zusätzliche Sicherheit für besondere Ereignisse schaffen. Als Beispiel nennt er eine nationale, strategische Gasreserve nach dem Vorbild der Erdölreserve. Österreich verfüge bereits über ein solches Modell. Dort werde bewusst Gas als Puffer eingespeichert, das nur für Notfälle vorgesehen sei. Eine staatliche Stelle regle die Befüllung bestimmter Volumina über Ausschreibungen.

Unterstützung für eine stärkere politische Steuerung kommt auch vom Branchenverband Initiative Energien Speichern (Ines). Die Vertretung der Betreiber von Gas- und Energiespeichern mahnte schon Mitte November 2025, dass die Speicherbefüllung für den Winter 2025/26 im Fall eines extrem kalten Winters trotz neuer LNG-Importkapazitäten nicht ausreiche. Ines-Geschäftsführer Sebastian Heinermann kritisierte gegenüber E&M, dass die bestehenden politischen Rahmenbedingungen nicht genutzt worden seien, um höhere Füllstände sicherzustellen.

Heinermann verweist auf den Koalitionsvertrag der Bundesregierung aus SPD und Union. Darin kündigt die Bundesregierung an, Instrumente auf den Weg zu bringen, um eine versorgungssichere und kostengünstigere Befüllung der Gasspeicher sicherzustellen. Ein Vergleich mit anderen EU-Mitgliedstaaten zeige, dass politische Rahmenbedingungen die Wintervorsorge spürbar verbessern könnten, so Heinermann.

Der Füllstand der Gasspeicher im Jahresvergleich steht auf der Internetseite der Bundesnetzagentur zur Einsicht bereit.

Freitag, 9.01.2026, 15:35 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Gas - Niedrige Gasspeicherstände sorgen für Sicherheitsdebatte
Quelle: Shutterstock / sdf_qwe
Gas
Niedrige Gasspeicherstände sorgen für Sicherheitsdebatte
Unternehmen, Bundesbehörden und Verbände bewerten die niedrigen Gasspeicherstände unterschiedlich. Einige Marktakteure sehen Entspannung, andere fordern zusätzliche Vorsorgeinstrumente.
Mit Sorge blickt Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender der EWE AG, auf die aktuellen Füllstände der deutschen Gasspeicher. „Ich möchte keinen Alarm schlagen, aber trotzdem darauf hinweisen, dass die Füllstandssituation heute so schlecht ist, wie sie es Anfang 2022 war“, sagt Dohler in einem Presseinterview. Der Chef des Oldenburger Energieversorgers bewertet dies als Hinweis darauf, dass die politischen Mechanismen zur Speicherbefüllung nicht wie vorgesehen wirkten. 

Nach Angaben des EWE-Chefs liegen die Füllstände der deutschen Gasspeicher derzeit deutlich unter dem Niveau zu Beginn des Jahres 2025. Grund sei, dass im vergangenen Sommer keine ausreichenden Preissignale für die stärkere Einspeicherung von Gas aus dem Markt kamen. Staatliche Vorgaben wie in der Krise 2022 bis 2024 seien dagegen weggefallen. Aktuell liege der Speicherstand nur bei knapp 50 Prozent.

Heizperiode abgesichert?

Würden sich die Speicher in den kommenden drei Monaten mit dem gleichen Tempo leeren wie vor einem Jahr, könnten sie Ende März nur noch zu rund fünf Prozent gefüllt sein, rechnet Dohler vor. Ein solches Szenario hält er jedoch für wenig realistisch, da sich die Preise auf dem Gasmarkt derzeit entspannt zeigten und Händler dort Gas beschaffen könnten.

Gasspeicher dienen als Puffer bei Unterbrechungen der Gasversorgung. Gleichzeitig hat die Bedeutung der Importinfrastruktur für Flüssigerdgas zugenommen. Über Terminals an der Nord- und Ostsee gelangt LNG nach Deutschland. Laut einer Sprecherin von Bundeswirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche (CDU) ermögliche die inzwischen gut ausgebaute LNG-Infrastruktur in Deutschland und Europa neben der Hauptversorgung durch norwegisches Pipelinegas die notwendigen Importe.

Die Terminals hätten Gasspeicher unwirtschaftlicher gemacht, wenn es um die Sicherstellung der Versorgung gehe. Deshalb liegen bei der Bundesnetzagentur Anträge auf Stilllegung von zwei Gasspeichern in Bayern vor, darunter einer von Uniper, mit Wirkung ab dem Frühjahr 2027.

Der Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe (THE) habe anders als während der Energiepreiskrise 2022 nicht eingreifen müssen, um Speicher zu befüllen, teilte er mit. Dies hätte zusätzliche Kosten für Gaskunden oder Steuerzahler vermieden. Zu Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine war Deutschland noch stark von russischem Gas abhängig, vor diesem Hintergrund war eine Gasspeicherumlage erhoben worden. Diese wird aktuell aus dem Bundeshaushalt gezahlt.
 
Verlauf der Gasspeicherfüllstände im Vergleich Heizperiode 2024 bis 2026
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Quelle: Bundesnetzagentur

Auch die Bundesnetzagentur ordnet die Lage zurückhaltend ein. Der Gasspeicherfüllstand sei ein wichtiger Indikator für zusätzliche Versorgungsabsicherungen, jedoch nicht allein ausschlaggebend, teilt die Behörde mit. Deutschland verfüge über ausreichende Import- und Speichermöglichkeiten.

Die Gaspreise bewegten sich in einem stabilen, leicht ansteigenden Korridor, was für Jahreszeit und Witterung nicht ungewöhnlich sei. Diese Stabilität führe die Bundesnetzagentur unter anderem auf ein ausreichendes Angebot am Weltmarkt zurück, das auch über LNG-Terminals importiert werde. Aktuell gehe man von einer gesicherten Gasversorgung aus.

Mehr Vorsorge gefordert

Dohler fordert dennoch mehr Vorsorge. Es sei sinnvoll, bereits jetzt über Instrumente zu sprechen, die den Marktmechanismus erhalten und zugleich zusätzliche Sicherheit für besondere Ereignisse schaffen. Als Beispiel nennt er eine nationale, strategische Gasreserve nach dem Vorbild der Erdölreserve. Österreich verfüge bereits über ein solches Modell. Dort werde bewusst Gas als Puffer eingespeichert, das nur für Notfälle vorgesehen sei. Eine staatliche Stelle regle die Befüllung bestimmter Volumina über Ausschreibungen.

Unterstützung für eine stärkere politische Steuerung kommt auch vom Branchenverband Initiative Energien Speichern (Ines). Die Vertretung der Betreiber von Gas- und Energiespeichern mahnte schon Mitte November 2025, dass die Speicherbefüllung für den Winter 2025/26 im Fall eines extrem kalten Winters trotz neuer LNG-Importkapazitäten nicht ausreiche. Ines-Geschäftsführer Sebastian Heinermann kritisierte gegenüber E&M, dass die bestehenden politischen Rahmenbedingungen nicht genutzt worden seien, um höhere Füllstände sicherzustellen.

Heinermann verweist auf den Koalitionsvertrag der Bundesregierung aus SPD und Union. Darin kündigt die Bundesregierung an, Instrumente auf den Weg zu bringen, um eine versorgungssichere und kostengünstigere Befüllung der Gasspeicher sicherzustellen. Ein Vergleich mit anderen EU-Mitgliedstaaten zeige, dass politische Rahmenbedingungen die Wintervorsorge spürbar verbessern könnten, so Heinermann.

Der Füllstand der Gasspeicher im Jahresvergleich steht auf der Internetseite der Bundesnetzagentur zur Einsicht bereit.

Freitag, 9.01.2026, 15:35 Uhr
Susanne Harmsen

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