Quelle: GETEC / Andreas Lander
Ethylacetat steckt in vielen Alltagsprodukten, fast immer auf fossiler Basis. Nun baut CropEnergies die erste Anlage Europas für erneuerbares Ethylacetat − mit der Hilfe von GETEC.
Am CropEnergies-Standort, dem Chemie- und Industriepark Zeitz, arbeiten bereits rund 1.000 Menschen in mehr als 50 Unternehmen. Es ist ein Beispiel für eine Entwicklung, die sich in der gesamten Branche beschleunigt: die Defossilisierung von Grundstoffen, Hilfsstoffen und Prozessenergie. 50.000 Tonnen Ethylacetat sollen künftig pro Jahr in Elsteraue hergestellt werden und in Verpackungen, Beschichtungen, Farben, Klebstoffen, Kosmetik, Lebensmitteln, Getränken und Arzneimitteln zum Einsatz kommen. Ethylacetat ist kein Randprodukt, sondern ein Grundstoff, der sich durch weite Teile der Industrie zieht. Produziert wird es zu 100 Prozent biobasiert und über eine europäische Lieferkette aus regionalen Rohstoffen − ein Aspekt, der angesichts volatiler globaler Lieferketten zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Nachhaltige Grundstoffe sind jedoch nur ein Aspekt für Unternehmen, die ihre Produktion defossilisieren möchten. Gefragt sind Konzepte, die Energie- und Stoffströme mitdenken – und die am Ende trotzdem wirtschaftlich funktionieren: mit planbaren Kosten, verlässlicher Versorgung und regulatorischer Klarheit. Für ein Vorhaben dieser Größenordnung brauchte CropEnergies also einen Partner mit Erfahrung – und fand ihn in der
GETEC.
„CropEnergies zeigt, was möglich ist, wenn Energieversorgung und Defossilisierung von Anfang an mitgedacht werden, statt sie nachträglich zu lösen“, sagt Dr. Guido Zimmermann, CEO GETEC Deutschland. „Für uns ist das Projekt ein Beleg dafür, dass sich Klimaschutz und industrielle Wettbewerbsfähigkeit nicht ausschließen, sondern gegenseitig stärken – wenn man sie von Anfang an gemeinsam plant.“
Strom und Wärme aus der eigenen ProduktionFür die
Anlage entwickelte die GETEC ein integriertes Energiekonzept: ein Biomassekesselsystem, ergänzt um einen Dampferzeuger, der auch Rückstände aus der Ethylacetatproduktion nutzt. Eine Dampfturbine erzeugt den benötigten Strom für die Anlage.
Dabei setzt die GETEC bewusst auf mehrere Energiequellen zugleich: Altholz und Reststoffe aus der Landschaftspflege, Produktionsrückstände sowie Biomethan. Auf fossiles Erdgas als Regelbrennstoff verzichtet die Anlage. Ein H2-ready-Gaskessel sowie die Bereitstellung von Druckluft und Stickstoff sind zusätzliche Teile des Versorgungskonzepts. Konkret liefert der Biomassekessel bis zu 30 Tonnen Dampf pro Stunde, der H2-ready-Gaskessel bis zu 40 Tonnen; die Dampfturbine erzeugt daraus bis zu 2,7 MW elektrische Leistung direkt vor Ort. Damit wird zum einen Wärme geliefert und zum anderen die komplexe Medienversorgung für den chemischen Produktionsprozess sichergestellt.
Neben der technischen Projektierung war auch die wirtschaftliche Strukturierung anspruchsvoll. Umgesetzt wird das Projekt im Contracting: Die GETEC investiert selbst mehr als 50 Millionen Euro in die Energieanlage und verpachtet sie anschließend an CropEnergies. Als weitere Dienstleistung übernimmt die GETEC auch die technische Betriebsführung der Anlage. Den übergeordneten Genehmigungsprozess für die gesamte Anlage verantwortete CEBC; GETEC hat mit eigenem Know-how eigenständig für die Energie- und Medienversorgungsanlage (EMVA) zugearbeitet – von der Planung über die zugehörigen Genehmigungen bis zum Fördermittelmanagement. Auch nach der Inbetriebnahme bleibt die GETEC im Boot: Das Unternehmen betreibt und wartet die Anlage im laufenden Betrieb und übernimmt zudem die Beschaffung der Biomasse-Brennstoffe.
„Wir bringen in Elsteraue unsere gesamte technische, regulatorische und betriebliche Expertise zusammen, die für ein solches Projekt erforderlich ist“, sagt Hajo Hoops, Geschäftsführer GETEC heat & power. „Für industrielle Kunden ist Defossilisierung nur dann wirtschaftlich umsetzbar, wenn Versorgungssicherheit, Investitionsrahmen und regulatorische Anforderungen zusammen gedacht werden.“
Gefördert wurde das Projekt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und ist Teil industriepolitischer Programme, die Investitionen in klimafreundlichere Produktionsstrukturen ermöglichen sollen. „Nachhaltige, erneuerbare Produkte aus Biomasse herzustellen ist das Ziel von CropEnergies. Mit dem Bau der Anlage für erneuerbares Ethylacetat im Chemie- und Industriepark Zeitz gehen wir den nächsten Schritt in der Umsetzung unserer Strategie“, so Dr. Fritz Georg von Graevenitz, CEO CropEnergies AG.
35.000 Tonnen CO2 weniger − bei gleicher VerlässlichkeitFür Kunden aus Chemie-, Verpackungs- und Pharmaindustrie steht und fällt der Umstieg auf erneuerbare Chemikalien mit einer einfachen Frage: Läuft die Produktion danach genauso zuverlässig weiter wie vorher? Entscheidend sind Produktionssicherheit, planbare Kosten, stabile Lieferketten und regulatorische Klarheit. Der Ausbau des CropEnergies-Standorts setzt genau an diesem Punkt an: Statt neu zu bauen, nutzt CropEnergies die bestehende Industrieinfrastruktur, um erneuerbares Ethylacetat im industriellen Maßstab verfügbar zu machen – und die eigene Abhängigkeit von volatilen fossilen Märkten zu verringern.
„Mit jährlichen CO2-Einsparungen von mehr als 35.000 Tonnen leistet das Projekt einen messbaren Beitrag zur Dekarbonisierung industrieller Prozesse. Gleichzeitig bleibt die Produktivität der Anlage ein zentraler Maßstab“, erklärt Hoops. „CropEnergies zeigt beispielhaft, wie bestehende Industriestandorte für neue biobasierte Produktionsprozesse genutzt werden können. Die vorhandene Infrastruktur wird mit einer modernen Energieversorgung verbunden, die auf Klimaschutz und industrielle Leistungsfähigkeit ausgerichtet ist.“
Mit zielgenauen Lösungen und Services hilft die GETEC Unternehmen dabei, Emissionen zu reduzieren, die Effizienz zu steigern und ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern. Wer fossile Prozesse ablösen will, braucht belastbare Annahmen zu Energiepreisen, Verfügbarkeit, Investitionshöhe und Amortisationszeit, und genau das liefert die GETEC seit mehr als 30 Jahren − von kleineren Innovationsprojekten bis zu Anlagen mit Pioniercharakter für ganz Europa. Wie jetzt in Elsteraue.
Freitag, 14.08.2026, 09:08 Uhr
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