Kleinere von Bilfinger entwickelte H2Dry-Testanlage. In Huntorf soll die Technologie im kommerziellen Maßstab zum Einsatz kommen. Quelle: Bilfinger
EWE hat Bilfinger mit der Gasaufbereitung für seinen Wasserstoffspeicher in Huntorf beauftragt. Die Anlage soll den ausgespeicherten Wasserstoff trocknen.
Der Oldenburger Energiekonzern EWE treibt die Umrüstung einer Erdgaskaverne im niedersächsischen Huntorf zum Wasserstoffspeicher voran. Die EWE Gasspeicher GmbH hat den Mannheimer Industriedienstleister Bilfinger mit einer Anlage zur Aufbereitung des gespeicherten Wasserstoffs beauftragt. Bilfinger soll, wie beide Unternehmen in einer gemeinsamen Mitteilung vom 21. September bekannt geben, das Engineering sowie Installation und Inbetriebnahme übernehmen.
In Huntorf betreibt EWE sieben unterirdische Erdgaskavernen. Eine davon soll künftig Wasserstoff aufnehmen (wir berichteten). Nach der Umrüstung stehen dort rund 16 Millionen Normkubikmeter Arbeitsgasvolumen zur Verfügung. Die Ein- und Ausspeicherleistung soll insgesamt 35.000 Normkubikmeter pro Stunde betragen. Die Inbetriebnahme und den Anschluss des Wasserstoffspeichers an das Wasserstoff-Kernnetz plant EWE im Jahr 2028.
Die Gasaufbereitung übernimmt dabei eine wichtige Funktion: Wasserstoff muss für Transport und Nutzung bestimmte Qualitätsanforderungen erfüllen. Insbesondere Wasser und andere Verunreinigungen müssen begrenzt werden. Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) sieht die Sicherstellung der Gasqualität als Voraussetzung für die Integration von Wasserstoff in bestehende und neue Gasnetze.
Die von Bilfinger gelieferte Anlage soll den Wasserstoff deshalb nach der Ausspeicherung trocknen. Damit soll die für den Weitertransport erforderliche Gasqualität hergestellt werden. Die Aufbereitung ist somit ein Bindeglied zwischen der unterirdischen Speicherung und der Einspeisung in das Wasserstoffnetz.
„H2Dry“ erstmals kommerziell eingesetzt
Bilfinger setzt in Huntorf erstmals seine selbst entwickelte „H2Dry“-Technologie im kommerziellen Maßstab ein. Zuvor erprobte das Unternehmen das Verfahren unter anderem am EWE-Gasspeicherstandort Rüdersdorf bei Berlin. Dort sammelten beide Unternehmen bereits Erfahrungen mit der Wasserstoffspeicherung.
„Die Speicherung von Wasserstoff erfordert effiziente und wirtschaftliche Aufbereitungslösungen“, erklärt Ulrich Trebbe, Product Manager Wasserstoff bei Bilfinger. Mit „H2Dry“ wolle das Unternehmen EWE dabei unterstützen, grünen Wasserstoff in den Markt zu bringen.
EWE-Gasspeicher-Geschäftsführer Peter Schmidt sieht Kavernenspeicher vor allem als Puffer zwischen Erzeugung, Import und Verbrauch. Wasserstoff werde nicht zwangsläufig zu dem Zeitpunkt erzeugt oder importiert, zu dem Industrie, Kraftwerke oder andere Verbraucher ihn benötigten. Speicher könnten diese zeitliche Lücke überbrücken. Schmidt fordert zugleich verlässliche regulatorische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen sowie einen termingerechten Ausbau des Wasserstoff-Kernnetzes.
Teil der „Clean Hydrogen Coastline“
Der Speicher in Huntorf gehört zum EWE-Projekt „Clean Hydrogen Coastline“. Das Vorhaben soll im Nordwesten Deutschlands Erzeugung, Speicherung, Transport und Nutzung von grünem Wasserstoff miteinander verbinden. Es umfasst vier Teilprojekte und wird als Important Project of Common European Interest (IPCEI) von Bund und Land Niedersachsen gefördert. Die Förderbescheide erhielt EWE im Sommer 2024.
In Rüdersdorf bei Berlin betreibt das Unternehmen eine Testkaverne mit einem Volumen von 500 Kubikmetern. Nach Angaben von EWE habe das Forschungsprojekt gezeigt, dass sich Wasserstoff sicher in Salzkavernen speichern lasse (wir berichteten). Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen nun in Huntorf auf eine deutlich größere Kaverne übertragen werden.
Insgesamt verfügt EWE über 37 Salzkavernen. Der Konzern will einen Teil seiner bestehenden Speicherinfrastruktur künftig für Wasserstoff nutzen. Solche Speicher sollen größere Mengen über längere Zeit aufnehmen und damit Schwankungen zwischen Wasserstoffangebot und -nachfrage ausgleichen. (ds)
Montag, 21.09.2026, 15:49 Uhr
Davina Spohn
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