DIHK-Energiewendebarometer 2026. Quelle: DIHK
Laut einer DIHK-Umfrage belasten hohe Energiekosten Unternehmen in Deutschland zunehmend. Investitionen würden verschoben und Produktionskapazitäten ins Ausland verlagert.
Die hohen Energiekosten verschärfen nach Einschätzung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) den Druck auf den Wirtschaftsstandort Deutschland. Das geht aus dem Energiewende-Barometer 2026 hervor, für das die DIHK im Juni rund 3.100 Unternehmen aus Industrie, Handel, Dienstleistungen und Bauwirtschaft befragt hat.
Der Umfrage zufolge sind die Energiekosten für viele Unternehmen innerhalb der vergangenen zwölf Monate erneut gestiegen. Knapp die Hälfte der Betriebe berichtet von höheren Stromkosten, bei Gas und Öl geben rund zwei Drittel steigende Belastungen an. Das Energiewende-Barometer fällt damit nach einer zwischenzeitlichen Erholung wieder auf minus elf Punkte auf einer Skala von minus 100 bis plus 100.
Mehr als 40
Prozent der befragten Unternehmen sehen ihre Wettbewerbsfähigkeit durch die Energiewende beziehungsweise die damit verbundenen Energiekosten beeinträchtigt. In der Industrie trifft dies laut DIHK auf rund zwei Drittel der Unternehmen zu, im Handel auf 40
Prozent. In den nördlichen Bundesländern mit mehr erneuerbarer Energie fällt die Beurteilung besser aus als im Süden, so das Barometer.
Klimaschutzmaßnahmen aufgeschobenDie wirtschaftlichen Folgen zeigen sich nach Angaben der DIHK zunehmend bei den Investitionen. Rund ein Drittel der Unternehmen verschiebt Investitionen in seine Kernprozesse. Jeder vierte Betrieb stellt Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen zurück, weil die finanziellen Spielräume fehlen. Zudem verschieben 16
Prozent der Unternehmen Investitionen in Forschung und Innovation.
DIHK-Präsident Peter Adrian erklärte, die hohen Energiekosten belasteten inzwischen nicht mehr nur das Tagesgeschäft, sondern verhinderten auch Zukunftsinvestitionen. Wer heute nicht investiere, verliere künftig an Innovationskraft, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit. „Wenn Energie dauerhaft teurer und die Regulierung enger ist als bei unseren internationalen Wettbewerbern, verlieren wir schrittweise Wertschöpfung und industrielle Substanz“, warnte Adrian.
Unternehmen wollen abwandernBesonders deutlich wird die Entwicklung laut Barometer bei der Verlagerung wirtschaftlicher Aktivitäten. Rund 20
Prozent aller Unternehmen beschäftigen sich nach eigenen Angaben mit einer Verlagerung ins Ausland, haben entsprechende Maßnahmen bereits umgesetzt oder befinden sich in der Umsetzung. In der Industrie liegt dieser Anteil bei rund 40
Prozent, bei großen Industrieunternehmen bei etwa 60
Prozent. Rund ein Drittel dieser großen Industrieunternehmen setzt Verlagerungsmaßnahmen nach eigenen Angaben bereits um.
Die Unternehmen stünden grundsätzlich hinter dem Ziel der Klimaneutralität, sagte Adrian. Gleichzeitig seien die Energiekosten im internationalen Wettbewerb zu einem zunehmenden Nachteil geworden. „Nur wenn Dekarbonisierung und Wettbewerbsfähigkeit gemeinsam gedacht werden, kann die Transformation erfolgreich sein“, mahnte der DIHK-Präsident.
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Bewertung der Energiewende nach Branchen 2026 (Für Vollbild auf die Grafik klicken) Quelle: DIHK |
Energieinfrastruktur verbessernBei den energiepolitischen Prioritäten steht für die Unternehmen der Ausbau der Energieinfrastruktur im Vordergrund. Vier von fünf Befragten wünschen sich laut DIHK mehr Tempo und Verlässlichkeit beim Ausbau der Infrastruktur. Knapp drei Viertel sprechen sich für ein stärkeres finanzielles Engagement des Staates beim Aufbau der Energieinfrastruktur aus.
Eine Senkung der Steuern und Abgaben auf den Strompreis befürworten 78
Prozent der Unternehmen. Ebenfalls rund drei Viertel sehen Wirtschaftlichkeit, Freiwilligkeit und Technologieoffenheit als zentrale Leitprinzipien der Energieeffizienzpolitik.
Adrian fordert deshalb verlässliche Rahmenbedingungen, eine leistungsfähige Infrastruktur und international wettbewerbsfähige Energiepreise. Außerdem spricht sich die DIHK für eine sofortige Senkung der Stromsteuer für alle Unternehmen, schnellere Netzanschlüsse, einen beschleunigten Infrastrukturausbau sowie weniger Regulierung aus.
Weniger Zuschuss zu Stromnetzentgelten 2027Unterdessen zeichnet sich nach dem Entwurf des Wirtschaftsplans des Klima- und Transformationsfonds (KTF) für 2027 eine geringere Entlastung bei den Netzentgelten ab. Der Bund plant einen Zuschuss zu den Übertragungsnetzkosten von rund 5,5
Milliarden Euro. Im laufenden Jahr beträgt dieser noch 6,5
Milliarden Euro.
Nach Einschätzung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) dürfte die Entlastung bei den Netzentgelten deshalb 2027 geringer ausfallen als 2026. Wie sich die Strompreise tatsächlich entwickeln, hänge jedoch erst von den konkreten Netzentgelten und den weiteren Preisbestandteilen ab. Die Netzentgelte machen nach Angaben des BDEW etwa ein Viertel des Strompreises aus.
Das
DIHK-Energiewende-Barometer 2026 steht im Internet bereit.
(sh)
Montag, 27.07.2026, 10:55 Uhr
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