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Energie & Management > Veranstaltung - Die Wärmewende beginnt mit Kommunikation
VKU Stadtwerke-Kongress zur Wärmewende. Quelle: Susanne Harmsen
Veranstaltung

Die Wärmewende beginnt mit Kommunikation

Best-Practice-Beispiele in der kommunalen Wärmeplanung waren Thema auf dem VKU-Stadtwerkekongress in Berlin. Wichtig seien Kommunikation und Erfahrungsaustausch so ein Fazit.
Aus der Umsetzung der Wärmeplanung berichteten drei Stadtwerkvertreter auf dem Kongress des Verbandes der Kommunalen Unternehmen (VKU) am 16. September in Berlin. Die Kommunale Wärmeplanung ist mitten in der Umsetzung. Die Großstädte sind bereits in der Umsetzung, kleine Gemeinden haben noch etwas mehr Zeit für den Abschluss. Aus der Sicht verschiedener großer Unternehmen wurde vom Stand der Wärmewende berichtet.

Steinfurt setzt auf Kommunikation

Dennis Schenk, Geschäftsführer der Stadtwerke Steinfurt aus dem Münsterland sorgt für 34.000 Einwohner. Das Unternehmen ist zu 52 Prozent kommunal, weitere Inhaber sind Westenergie und eine Bürgerenergiegesellschaft. Die Kommunale Wärmeplanung suchte zuerst nach Potenzialen in den zwei Ortsteilen. „Letztlich können wir darüber nur fünf Prozent des Wärmebedarfs damit dekarbonisieren“, so Schenk. Nicht die Technik entschied über die Auswahl, sondern die Kommunikation. Im ländlichen Raum erwiesen sich die meisten Potenziale als zu teuer in der Erschließung.

60 Prozent der Haushalte könnten an ein Wärmenetz angeschlossen werden, aber wichtige Ankerkunden, die durchgängig hohe Wärmemengen abnehmen sagten ab oder wollten eher Wärme liefern als beziehen. „Wir haben sehr offen die Alternativen gerechnet mit dem Endpreis für die Verbraucher und so am Ende eine tragfähige Entscheidung treffen können“, erläuterte Schenk. Große Hilfe war es, den neutralen Fachplaner als Moderator zu nutzen. „Wärmeplanung ist ein Vertrauensprojekt“, fasste er zusammen. Als Rezept riet er seinen Kolleginnen und Kollegen: „Reden sie erst, planen sie dann und setzen sie als Drittes um.“

Darmstadt erweitert das Wärmenetz


Julia Klinger, die Infrastrukturvorständin der Entega Darmstadt berichtete aus ihrem vollkommunalen Unternehmen. Es verfügt über Strom-, Gas-, Wärme- und Wassernetz sowie Glasfaser aus einer Hand, was für Synergien genutzt werde. „In enger Zusammenarbeit mit der Politik wurde ein Konzept entwickelt, um allen Bürgern eine bezahlbare dekarbonisierte Wärmeversorgung zu ermöglichen“, sagte Klinger. Mit Bundesförderung wurde bis Ende 2025 eine Wärmeplanung erarbeitet. Damit wurde die rechtliche Verpflichtung erfüllt und mit allen politischen Gremien eine Entscheidung gefunden, die die Planung Anfang 2026 beschlossen haben.

Das Unternehmen muss die wirtschaftliche und technische Umsetzung im Blick haben, die Politik die gesellschaftliche Akzeptanz. Beides muss zusammengebracht werden, erläuterte Klinger. So wurde eine Dekarbonisierung für die Fernwärme und eine eventuelle Ausweitung der Netze entworfen. Aus aktuell 25 Prozent sollen 40 Prozent angeschlossener Abnehmer werden. Für die restlichen Gebiete der Stadt müssen dezentrale Lösungen gefunden werden, die zumeist aus Wärmepumpen und Elektromobilität bestehen werden sowie einigen Quartierslösungen. „Dafür muss besonders das Stromnetz ausgebaut und digitalisiert werden, was hohe Investitionen erfordert“, umriss sie.

Von der Planung bis zur Inbetriebnahme

Für die Berliner Energie und Wärme (BEW) sprach Geschäftsführer Christian Feuerherd über die Herausforderung, aus Projekten Realität zu machen. Sein Unternehmen verfügt über eines der größten Wärmenetze in Westeuropa mit 2. 000 Kilometer Länge. Für dessen Dekarbonisierung sind 3,5 Milliarden Euro bis 2030 veranschlagt. „Ausschreibungen und Vergaben laufen, aber losweise, um Risiken abzufedern“, sagte Feuerherd.

Das mache viele einzelne Partner nötig und die Koordinierung schwierig. Als Beispiel nannte er den Standort Reuter West, wo statt eines großen Steinkohleheizkraftwerkes auf ein Bündel erneuerbarer Technologien umgestellt wird. „Das alles im bestehenden und weiterlaufenden Betrieb“, sagte er. Abwärmenutzung mit Großwärmepumpen, Power-to-Heat, Wärmespeicher und KWK mit Biomasse sind dort derzeit nach und nach im Entstehen.

„Wir sind eigentlich Betreiber, keine Anlagenbauer und Projektentwickler und müssen viel dazulernen“, beschrieb Feuerherd die Situation. Auch Fehler seien möglich. So habe der große Wärmespeicher mit 56 Millionen Liter Wasser Probleme mit Wasserqualität, Korrosionsschutz und Hydraulik gemacht. Entscheidend seien auch die Fachkräfte, die ihn bedienen und erst Erfahrungen sammeln mussten. Die Integration neuer Bausteine in ein bestehendes System ist herausfordernd und bedarf des Erfahrungsaustausches, den Feuerherd anbietet. „Die erfolgreiche Wärmeplanung beginnt mit Projekten und endet erst nach ihrer Inbetriebnahme“, sagte Feuerherd. (sh)

Mittwoch, 16.09.2026, 14:22 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Veranstaltung - Die Wärmewende beginnt mit Kommunikation
VKU Stadtwerke-Kongress zur Wärmewende. Quelle: Susanne Harmsen
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Die Wärmewende beginnt mit Kommunikation
Best-Practice-Beispiele in der kommunalen Wärmeplanung waren Thema auf dem VKU-Stadtwerkekongress in Berlin. Wichtig seien Kommunikation und Erfahrungsaustausch so ein Fazit.
Aus der Umsetzung der Wärmeplanung berichteten drei Stadtwerkvertreter auf dem Kongress des Verbandes der Kommunalen Unternehmen (VKU) am 16. September in Berlin. Die Kommunale Wärmeplanung ist mitten in der Umsetzung. Die Großstädte sind bereits in der Umsetzung, kleine Gemeinden haben noch etwas mehr Zeit für den Abschluss. Aus der Sicht verschiedener großer Unternehmen wurde vom Stand der Wärmewende berichtet.

Steinfurt setzt auf Kommunikation

Dennis Schenk, Geschäftsführer der Stadtwerke Steinfurt aus dem Münsterland sorgt für 34.000 Einwohner. Das Unternehmen ist zu 52 Prozent kommunal, weitere Inhaber sind Westenergie und eine Bürgerenergiegesellschaft. Die Kommunale Wärmeplanung suchte zuerst nach Potenzialen in den zwei Ortsteilen. „Letztlich können wir darüber nur fünf Prozent des Wärmebedarfs damit dekarbonisieren“, so Schenk. Nicht die Technik entschied über die Auswahl, sondern die Kommunikation. Im ländlichen Raum erwiesen sich die meisten Potenziale als zu teuer in der Erschließung.

60 Prozent der Haushalte könnten an ein Wärmenetz angeschlossen werden, aber wichtige Ankerkunden, die durchgängig hohe Wärmemengen abnehmen sagten ab oder wollten eher Wärme liefern als beziehen. „Wir haben sehr offen die Alternativen gerechnet mit dem Endpreis für die Verbraucher und so am Ende eine tragfähige Entscheidung treffen können“, erläuterte Schenk. Große Hilfe war es, den neutralen Fachplaner als Moderator zu nutzen. „Wärmeplanung ist ein Vertrauensprojekt“, fasste er zusammen. Als Rezept riet er seinen Kolleginnen und Kollegen: „Reden sie erst, planen sie dann und setzen sie als Drittes um.“

Darmstadt erweitert das Wärmenetz


Julia Klinger, die Infrastrukturvorständin der Entega Darmstadt berichtete aus ihrem vollkommunalen Unternehmen. Es verfügt über Strom-, Gas-, Wärme- und Wassernetz sowie Glasfaser aus einer Hand, was für Synergien genutzt werde. „In enger Zusammenarbeit mit der Politik wurde ein Konzept entwickelt, um allen Bürgern eine bezahlbare dekarbonisierte Wärmeversorgung zu ermöglichen“, sagte Klinger. Mit Bundesförderung wurde bis Ende 2025 eine Wärmeplanung erarbeitet. Damit wurde die rechtliche Verpflichtung erfüllt und mit allen politischen Gremien eine Entscheidung gefunden, die die Planung Anfang 2026 beschlossen haben.

Das Unternehmen muss die wirtschaftliche und technische Umsetzung im Blick haben, die Politik die gesellschaftliche Akzeptanz. Beides muss zusammengebracht werden, erläuterte Klinger. So wurde eine Dekarbonisierung für die Fernwärme und eine eventuelle Ausweitung der Netze entworfen. Aus aktuell 25 Prozent sollen 40 Prozent angeschlossener Abnehmer werden. Für die restlichen Gebiete der Stadt müssen dezentrale Lösungen gefunden werden, die zumeist aus Wärmepumpen und Elektromobilität bestehen werden sowie einigen Quartierslösungen. „Dafür muss besonders das Stromnetz ausgebaut und digitalisiert werden, was hohe Investitionen erfordert“, umriss sie.

Von der Planung bis zur Inbetriebnahme

Für die Berliner Energie und Wärme (BEW) sprach Geschäftsführer Christian Feuerherd über die Herausforderung, aus Projekten Realität zu machen. Sein Unternehmen verfügt über eines der größten Wärmenetze in Westeuropa mit 2. 000 Kilometer Länge. Für dessen Dekarbonisierung sind 3,5 Milliarden Euro bis 2030 veranschlagt. „Ausschreibungen und Vergaben laufen, aber losweise, um Risiken abzufedern“, sagte Feuerherd.

Das mache viele einzelne Partner nötig und die Koordinierung schwierig. Als Beispiel nannte er den Standort Reuter West, wo statt eines großen Steinkohleheizkraftwerkes auf ein Bündel erneuerbarer Technologien umgestellt wird. „Das alles im bestehenden und weiterlaufenden Betrieb“, sagte er. Abwärmenutzung mit Großwärmepumpen, Power-to-Heat, Wärmespeicher und KWK mit Biomasse sind dort derzeit nach und nach im Entstehen.

„Wir sind eigentlich Betreiber, keine Anlagenbauer und Projektentwickler und müssen viel dazulernen“, beschrieb Feuerherd die Situation. Auch Fehler seien möglich. So habe der große Wärmespeicher mit 56 Millionen Liter Wasser Probleme mit Wasserqualität, Korrosionsschutz und Hydraulik gemacht. Entscheidend seien auch die Fachkräfte, die ihn bedienen und erst Erfahrungen sammeln mussten. Die Integration neuer Bausteine in ein bestehendes System ist herausfordernd und bedarf des Erfahrungsaustausches, den Feuerherd anbietet. „Die erfolgreiche Wärmeplanung beginnt mit Projekten und endet erst nach ihrer Inbetriebnahme“, sagte Feuerherd. (sh)

Mittwoch, 16.09.2026, 14:22 Uhr
Susanne Harmsen

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