Quelle: Joachim Wendler / Fotolia
Wasserstoffinfrastruktur rückt in den deutsch-indischen Beziehungen stärker in den Fokus. Eine neue Vereinbarung soll Standards und Regulierung weiterentwickeln.
Die Zusammenarbeit beim Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft zwischen Deutschland und Indien erhält einen neuen institutionellen Rahmen. Am 12. Januar unterzeichneten Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der indische Premierminister Narendra Modi (Bharatiya Janata Party, nationalkonservativ) eine Absichtserklärung. Sie verankert den Austausch zwischen dem Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) und der indischen Regulierungsbehörde Petroleum and Natural Gas Regulatory Board (PNGRB). Der DVGW mit Sitz in Bonn und Berlin erarbeitet technische Regeln für Gas- und Wasserstoffsysteme. Die PNGRB mit Sitz in Neu-Delhi reguliert den indischen Erdöl- und Erdgassektor.
Systematischer Austausch geplant
Kern der Vereinbarung ist die Zusammenarbeit bei der Entwicklung regulatorischer und technischer Grundlagen für Wasserstoffinfrastrukturen. Vorgesehen ist laut den beteiligten Organisationen ein systematischer Austausch zu technischen Standards, Verhaltenskodizes und Regulierungsrahmen. Damit wollen beide Seiten die Voraussetzungen schaffen, um Wasserstoff sicher in bestehende und künftige Gasnetze zu integrieren.
Ein Schwerpunkt liegt auf der technischen Bewertung bestehender Netze. DVGW und PNGRB planen, gemeinsam Zertifizierungssysteme für die Wasserstofftauglichkeit von Leitungen sowie Prüfverfahren für Endverbrauchergeräte zu entwickeln. Zudem sollen Simulations- und Modellierungswerkzeuge entstehen, die speziell auf die Bedingungen der indischen Gasverteilnetze zugeschnitten sind. Ziel ist es nach Angaben der Partner, zunächst eine Beimischung von bis zu 20 Prozent Wasserstoff zu ermöglichen und langfristig eine vollständige Umstellung auf 100 Prozent Wasserstoff vorzubereiten.
Die Kooperation unterstützt die indische National Green Hydrogen Mission, mit der die Regierung in Neu-Delhi Indien als Produktions-, Nutzungs- und Exportstandort für grünen Wasserstoff etablieren will. Das indische Ministerium für neue und erneuerbare Energien misst der Regulierungsbehörde PNGRB dabei eine zentrale Rolle zu, da sie den rechtlichen Rahmen für den sicheren Transport von Wasserstoff im gesamten Land gestaltet.
Rolle des DVGW
Indien zählt mit rund 1,4 Milliarden Einwohnerinnen und Einwohnern zu den bevölkerungsreichsten Staaten der Welt und verzeichnet jährliche Wachstumsraten von knapp sieben Prozent. Vor diesem Hintergrund gewinnt der Aufbau leistungsfähiger Energieinfrastrukturen an Bedeutung. Die deutsch-indische Vereinbarung soll nach Darstellung der Beteiligten dazu beitragen, regulatorische Hürden zu senken und Investitionen in Wasserstoffnetze vorzubereiten.
Gerald Linke, Vorstandsvorsitzende des DVGW, verweist auf die Rolle des DVGW bei der Entwicklung technischer Regeln für Wasserstoffsysteme. Diese seien nach dem deutschen Energiewirtschaftsgesetz als Standard anerkannt und orientierten sich an internationalen Anforderungen. Der Austausch mit der indischen Seite habe aus seiner Sicht strategische Bedeutung für die Klimaziele beider Länder und für den Aufbau stabiler Wasserstoffversorgungsketten zwischen Europa und Asien.
Dienstag, 13.01.2026, 09:19 Uhr
Davina Spohn
© 2026 Energie & Management GmbH