Der Turm ohne Gondel in Havixbeck muss bald dran glauben. Quelle: Volker Stephan
Eine Unfallstelle verschwindet. Die havarierte Windturbine im westfälischen Havixbeck steht vor der vollständigen Demontage. Noch im Juli soll die Nachfolgeanlage aus dem Boden wachsen.
Einer der bislang ungewöhnlichsten Vorfälle an Windenergieanlagen ist bald abgeschlossen. Die in Havixbeck zerstörte Turbine verschwindet nun aus dem Landschaftsbild der westfälischen Gemeinde. Dem Turm rücken Abrissteams in Kürze zu Leibe.
Wie ein Sprecher des Anlagenherstellers Nordex auf Anfrage dieser Redaktion mitteilt, seien die Vorbereitungen für den Rückbau der Reste inzwischen getroffen. Die Anlage vom Typ N149 war in die Schlagzeilen geraten, weil die komplette Gondel samt Rotoren am 27. Oktober 2025 abgerissen und aus 125 Metern Höhe in die Tiefe gestürzt war.
Seither ragte allein der Turm in den Himmel, die Wrackteile lagen über Monate verstreut auf dem münsterländischen Boden. Ab Ende März, so der Sprecher weiter, seien die Aufräumarbeiten sukzessive erfolgt. Sie begannen mit dem Zerschneiden, Demontieren und Entsorgen der Rotorblätter.
Anschließend entfernten die Fachteams das Maschinenhaus. Dieses Teil war das Sorgenkind bei dem Vorfall, da Öl aus dem Maschinenhaus ins Erdreich gesickert war. Bodengutachter waren daher von Beginn an in die Schadensanalyse einbezogen. Mittlerweile sei der verunreinigte Boden vollständig abgetragen, so der Nordex-Sprecher weiter.
Der Kreis Coesfeld als Genehmigungs- und Umweltbehörde hatte auf die Havarie mit einer vollständigen Stilllegung des Windparks Herkentrup reagiert. Damit sollte sichergestellt sein, dass von den anderen beiden typengleichen Anlagen keine Gefahr ausgeht. Schon am 17. Dezember durften die Schwesterturbinen wieder in Betrieb gehen. Das Land NRW hatte vorsorglich eine Mitteilung über die Havarie an die Betreiber von etwa 100 weiteren N149-Turbinen im Bundesland veranlasst.
Im kommenden Monat Juni baut Nordex den Turm der Anlage nun ab. Erst danach wollen die eingeschalteten Fachleute ihre Ursachenanalyse abschließen. Nordex hatte bereits im Januar angedeutet, bei sich keinen Fehler zu sehen. Weder Design noch die Daten aus dem Betrieb der Anlage hätten auf Unregelmäßigkeiten schließen lassen. Stattdessen rückte Nordex die Verbindung (Flansch) von Turm und Gondel in den Vordergrund. Damit könnte die Verantwortung für den Vorfall beim Turmbauer, einem Zulieferer, liegen.
Die aktuelle Unfallstelle verwandelt sich ab Juli in eine gewöhnliche Baustelle. Nordex wolle dann mit dem Bau der Nachfolgeanlage beginnen, so der Sprecher. An der Größe eines Windparks ändert ein Unfall in der Regel nichts. Wer die Kosten übernimmt, hängt nicht zuletzt davon ab, welche Ursache die entscheidenden Gutachten ausmachen.
Donnerstag, 21.05.2026, 15:45 Uhr
Volker Stephan
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