Quelle: Shutterstock / BELL KA PANG
Angespannte Energiemärkte durch geopolitische Konflikte erhöhen den Druck auf die Versorgung. In Deutschland bleibt die Lage laut dem Neztbetreiber Amprion dennoch beherrschbar.
Das deutsche System brauche aber unbedingt weitere Kapazitäten, erklärte Amprion-Chef Christoph Müller Mitte März vor Journalisten der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung in Düsseldorf. Wenn die Kohleverstromung als „gesicherte Kapazität“ wegfalle, müsse dies natürlich ausgeglichen werden. Zu der Entwicklung der Netzentgelte wollte Müller keine Prognose abgeben. Klar sei aber, „wenn die Lage so bleibt, werden wir das in den Netzpreisen sehen.“ Vor allen Dingen müssten aber die Netze ausgebaut werden.
Müller verglich die derzeitige Lage der Netzbetreiber mit der Situation der Lieferanten von Nudeln oder Toilettenpapier in der Corona-Zeit. Amprion habe Zusagen für künftige Lieferungen gegeben, die größer seien als das gesamte Portfolio. „Wir sind quasi ausverkauft und bewirtschaften das knappe Gut Netz“, konstatierte Müller. So wie bei Amprion sei die Lage auch bei allen anderen Netzbetreibern. Niemand habe zum Beispiel den großen Bedarf für den Anschluss von Batteriespeichern oder auch Rechenzentren vorausgesehen.
Auch Einspeiser an Ausbaukosten beteiligen
An den Kosten für den Ausbau der Stromnetze sollten sich nach Ansicht des Amprion-Chefs nicht nur Abnehmer, sondern auch Einspeiser wie die Erzeuger von Grünstrom beteiligen. Dies könnte etwa über einen Baukostenzuschuss erfolgen, der beim Anschluss von Wind- und Solaranlagen erhoben werden könnte. Der Zuschuss würde „nach vorne wirken“ und könnte auch regional differenziert werden. Müller räumte ein, dass eine solche Beteiligung an den Baukosten Anlagenbetreibern „weh tut“. Andererseits trügen die Zahlungen dazu bei, dass die Netzentgelte niedriger ausfielen. Das wiederum sorge für eine Entlastung anderer Kunden.
Für sehr wichtig hält Müller angesichts der aktuellen Lage, die Genehmigungsverfahren für die Installation neuer Netzkapazitäten zu beschleunigen. Der Netzausbau hinge in erster Linie von den Genehmigungsverfahren ab. Die Ampel-Koalition habe die Laufzeit für ein solches Verfahren seinerzeit zwar halbiert, doch würden für ein Projekt weiterhin zehn Jahre benötigt. Es gebe immer noch große Diskussionen mit den Kommunen und zu viele Einsprüche.
Das Stromnetz ist nach den Worten von Müller ein „sensibles System“, doch hält er die deutsche Stromversorgung selbst mit Rückblick auf den Brandanschlag und den großen Stromausfall im Januar in Berlin für „gut aufgestellt“. Zwar kämpfe man auch mit „jeder Menge Cyberangriffen“, aber das Amprion-Team sei „krisenerprobt“. Müller lobte den Einsatz der Mitarbeitenden: „Unsere Mannschaft ist unser großes Asset.“
Gleichwohl sei man nicht davor gefeit, dass einzelne Anlagenteile ausfielen. Damit falle aber nicht das Gesamtsystem zusammen, denn es gebe etwa andere Transformatoren oder andere Verbindungen.
Amprion ist nach den Worten von Müller „froh“ über die industriellen Anteilseigner und die Eigentümerstruktur. Er bezog sich damit auf das Joint Venture zwischen RWE und der Investmentgesellschaft Apollo Global Management. Bei dem Gemeinschaftsunternehmen liegt jetzt die RWE-Beteiligung an Amprion (wir berichteten). Die Anteilseigner stünden hinter der Amprion Investitionsplanung und „gingen den Weg“ des Netzbetreibers mit. Die Planung sieht bis 2029 Ausgaben von gut 36 Milliarden Euro vor.
Dienstag, 17.03.2026, 15:50 Uhr
Hans Willy Bein
© 2026 Energie & Management GmbH