Quelle: Shutterstock / petrmalinak
Die Elektrolyse-Industrie-Wirtschaftsallianz schlägt ein Fördermodell für 10.000 MW Elektrolyseleistung in Deutschland vor. Es soll die Investitionen in grünen Wasserstoff absichern.
Ein neues Förderprogramm für den Aufbau heimischer Elektrolysekapazitäten fordert die Elektrolyse-Industrie-Wirtschaftsallianz − kurz „EIWA“. Der branchenübergreifende Zusammenschluss aus Unternehmen und Akteuren der Wasserstoff-, Energie- und Industriebranche schlägt dafür ein Elektrolyse-Industrie-Wirtschaftsprogramm auf Basis von Differenzverträgen (Contracts for Difference, CfD) vor. Das Modell soll helfen, die ersten 10.000 MW Elektrolyseleistung in Deutschland wirtschaftlich abzusichern.
Nach Angaben der EIWA soll das Programm den Hochlauf der heimischen Wasserstoffwirtschaft beschleunigen und zugleich die Finanzierung großer Elektrolyseprojekte erleichtern. Die Allianz verweist auf eine Analyse des Wuppertal Instituts. Das Wuppertal Institut kommt laut EIWA zu dem Ergebnis, dass sich die Förderkosten im Vollausbau auf weniger als 800 Millionen Euro pro Jahr begrenzen lassen.
Das vorgeschlagene Fördermodell sieht Differenzverträge zwischen Staat und Elektrolyseurbetreibern vor. Sie sollen die Lücke zwischen den Kosten der Wasserstoffproduktion und den am Markt erzielbaren Erlösen schließen. Liegt der Marktpreis unter einem festgelegten Referenzwert, erhalten Betreiber eine Ausgleichszahlung. Steigt der Marktpreis darüber, zahlen sie die zusätzlichen Erlöse zurück. Nach Ansicht der EIWA schafft dieser Mechanismus Planungssicherheit für Investitionen in neue Elektrolysekapazitäten.
„Deutschland braucht jetzt einen investitionsfähigen Marktmechanismus für die heimische Wasserstoffproduktion“, sagte EIWA-Sprecher Andreas Rimkus (SPD). Ohne zusätzliche Maßnahmen erreiche Deutschland die Ausbauziele nicht. Das CfD-Modell schaffe Investitions- und Finanzierungssicherheit und ermögliche zugleich einen marktwirtschaftlichen Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft.
Absatz über den Erdgasmarkt
Ein zentraler Punkt des Konzepts betrifft die Vermarktung des Wasserstoffs. Laut EIWA sollen Betreiber neuer Elektrolyseure nicht auf den schnellen Aufbau eigenständiger Wasserstoffmärkte angewiesen sein. Stattdessen will die Allianz bestehende Handelsstrukturen des Erdgasmarktes nutzen. Etablierte Gashändler könnten den erzeugten Wasserstoff vermarkten und so den Marktzugang erleichtern. Deutschland habe 2025 rund 864 Milliarden kWh Erdgas verbraucht. Die durch das Fördermodell abgesicherte Wasserstoffproduktion von rund 26 Milliarden kWh entspreche lediglich etwa 3 Prozent dieses Volumens.
Die „EIWA“ sieht darin einen Vorteil für Investoren und Projektentwickler. Der Absatz hinge nicht von einzelnen industriellen Großabnehmern oder langfristigen bilateralen Abnahmeverträgen ab. Gashändler verfügten bereits über Handels- und Beschaffungsstrukturen, Bilanzkreis- und Portfoliomanagement sowie Kundenbeziehungen in der Industrie. Dadurch könnten Betreiber von Elektrolyseanlagen Preis- und Absatzrisiken senken.
Die Allianz verweist zudem auf bestehende Handelsplattformen wie Trading Hub Europe (THE) und den europäischen Referenzmarkt Title Transfer Facility (TTF). Transparente Preisbildung und standardisierte Abwicklung könnten aus Sicht der EIWA die Finanzierung neuer Anlagen erleichtern.
Flexibilität für Windstrom
Das Fördermodell soll nach Angaben der Allianz auch den Ausbau erneuerbarer Energien unterstützen. Die ersten 10.000 MW Elektrolyseleistung würden eine zusätzliche flexible Stromnachfrage von rund 26 Milliarden kWh im Jahr schaffen. Vor allem in windstarken Netzengpassgebieten könnten Elektrolyseure Strom aufnehmen, der sonst wegen Netzengpässen nicht vollständig genutzt würde.
Die Allianz argumentiert, dass flexible Elektrolyseure die Abregelung von Windenergie verringern und Redispatchkosten senken könnten. Zugleich entstünden zusätzliche Vermarktungsmöglichkeiten für erneuerbaren Strom. Das könne Investitionen in neue Windenergieanlagen anreizen und den Wasserstoffhochlauf stärker mit dem Stromsystem verbinden.
Das CfD-Modell soll Direktvermarktung nicht ausschließen, wie es weiter seitens der Allianz heißt. Produzenten könnten weiterhin direkte Lieferverträge mit Industrieunternehmen abschließen, wenn die Marktbedingungen dies erlauben. Das Programm soll damit einerseits Einnahmen absichern und andererseits Anreize für eigenständige Wasserstoffmärkte erhalten.
Die EIWA stellt den Vorschlag auch in den Kontext der Versorgungssicherheit. Heimische Elektrolysekapazitäten könnten langfristig Importabhängigkeiten verringern und die industrielle Souveränität stärken. Wasserstoff könne als speicherbarer Energieträger in Industrie, Stromversorgung und Energiespeicherung eingesetzt werden. Die Allianz sieht ihr Modell daher als Baustein, um das nationale Ausbauziel von 10.000 MW Elektrolyseleistung bis 2030 zu erreichen.
Dienstag, 23.06.2026, 15:07 Uhr
Davina Spohn
© 2026 Energie & Management GmbH