Im "Pioneer-Park" sollen die Stadtwerke Betriebsführer werden. Quelle: Stadt Hanau/Moritz Göbel
Ein junges Hanauer Quartier wächst, das Vertrauen in die Wärmeversorgung schrumpft. Das Blockheizkraftwerk hat zuletzt mehrfach nicht geliefert, jetzt soll die Betriebsführung wechseln.
Das Jahr 2026 hat im „Pioneer-Park“ nicht gut begonnen. Im neuen Quartier der hessischen Stadt Hanau war es nicht nur im Außenbereich kalt, auch in den mehr als 250 Wohnungen kam keine behagliche Atmosphäre auf. Die Nähwärme blieb fern, ein Druckabfall im Netz hatte die Temperaturen in den Häusern sinken lassen.
Mindestens drei Mal seit Neujahr erreichten Störungsmeldungen die Betreiber. Für die Wärmeversorgung im Park sind der Energiedienstleister Getec (51 Prozent) und die Stadtwerke Hanau (49 Prozent) eine Partnerschaft in dem gemeinsam getragenen Unternehmen „PionierWerk Hanau GmbH“ eingegangen.
Sie preisen ihre Kombination aus Kraft-Wärme-Kopplung, Eisspeicher und Wärmepumpen als eigentlich „zuverlässige Versorgung mit umweltschonender Nahwärme, nachhaltig und hocheffizient erzeugt“. Die Zuverlässigkeit ist aktuell nicht mehr gegeben, eine Kindertagesstätte in dem Quartier schloss an einem Tag sogar ihren Betrieb.
Thema im OB-Wahlkampf: Betriebsführung soll wechseln
Diese missliche Situation rief nun Hanaus Bürgermeister auf den Plan. Maximilian Bieri (SPD), auch Kandidat für das im März neu zu vergebende Amt des Oberbürgermeisters, verschaffte sich im Quartier einen Überblick über die Lage. Selbst wenn die Nahwärme inzwischen wieder für die gewünschten Temperaturen sorgt, will der mögliche Nachfolger seines Parteikollegen Claus Kaminsky nicht zur Tagesordnung übergehen.
Die Verwaltungsspitze der Stadt Hanau, der Magistrat, will, dass die kommunalen Stadtwerke die Betriebsführung des Blockheizkraftwerks (BHKW) übernehmen. Die liegt eigentlich beim Pionierwerk-Partner Getec, müsste also wechseln. Der Magistrat habe den Stadtwerken den Auftrag erteilt, die vertragliche Ausgangslage zu prüfen und die Übernahme der Betriebsführung vorzubereiten, heißt es in einer Pressemitteilung der Kommune.
Darin heißt es unverhohlen, dass es durch den Übertrag zu einer „verlässlicheren Störungsbearbeitung und transparenten Zuständigkeiten“ kommen solle. Dies könne der „bewährte Kundenservice der Stadtwerke“ gewährleisten. Im Quartier war mehrfach Kritik laut geworden, dass es für die Beschwerden angeblich keine echte Anlaufstelle gegeben habe.
Eine Sprecherin der Getec verweist auf Anfrage dieser Redaktion darauf, dass bisher „noch keine offiziellen Diskussionen zu einer Änderung der Betriebsführung stattgefunden“ hätten. Mit Stadt und Stadtwerken stehe das Unternehmen im Austausch, es gebe „keine Konkurrenz zwischen den Partnern“. Die möglichen Vorschläge wolle Getec „konstruktiv prüfen“.
Im Vordergrund steht für die Getec derzeit, die Ursachen der Druckabfälle zu klären. Was im Nahwärmenetz nicht funktioniert, ist also weiterhin offen. Die übergreifende Lösung für den Pioneer-Park, der nach einer früheren Kaserne der US-Streitkräfte benannt ist, müsse den Menschen im Park „die bestmögliche Versorgungssicherheit und Servicequalität“ bieten, so die Getec-Sprecherin.
Das Gelände ist 50 Hektar groß und soll im Endausbau rund 1.600 Wohnungen und bis zu 5.000 Menschen Platz bieten. Die Nahwärme kommt aus dem BHKW, das rund 14 Millionen kWh Wärme und 8,4 Millionen kWh Strom erzeugen soll.
Donnerstag, 15.01.2026, 17:34 Uhr
Volker Stephan
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