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Energie & Management > Studien - Abgewrackte fossile Infrastruktur hilft der Energiewende
Quelle: Fotolia / alphaspirit
Studien

Abgewrackte fossile Infrastruktur hilft der Energiewende

Ölplattformen und thermische Kraftwerke können wertvolle Rohstofflieferanten sein, so eine Untersuchung der Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt der Schweiz.
Wohin mit der nicht mehr benötigten fossilen Infrastruktur? Denn davon gibt es reichlich: Kohleminen, Öl- und Gasplattformen, fossile Kraftwerke, Pipelines. Diese könnten Rohstoffe für die Energiewende liefern. „Insbesondere das Recycling von Kupfer und Stahl würde die Energiewende günstiger und umweltfreundlicher machen“, hat die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt der Schweiz (Empa) herausgefunden.

In einer Mitteilung heißt es, Forschende der Empa-Abteilung „Technologie und Gesellschaft“ analysierten dafür die Bestände von 22 verschiedenen Materialien, die in der bestehenden fossilen Energieinfrastruktur enthalten seien. Zwei Rohstoffe stechen dabei heraus: Stahl und Kupfer. Beide sind in großen Mengen vorhanden und werden zugleich für den Ausbau erneuerbarer Energien benötigt.

Den Berechnungen zufolge könnte das Recycling der fossilen Infrastruktur den gesamten Stahlbedarf und rund ein Drittel des Kupferbedarfs für die Energiewende decken. Beim schrittweisen Rückbau der Anlagen würden entsprechende Materialströme für die Wiederverwertung verfügbar. Die Kapazitäten der weltweiten Recyclinganlagen wären nach Angaben der Forschenden ausreichend, um diese Mengen zu verarbeiten.

Auch aus ökologischer Sicht spricht laut Empa einiges für die Wiederverwertung. Die Recyclingprozesse für Stahl und Kupfer verursachen geringere Umweltbelastungen als die Gewinnung neuer Rohstoffe. Für das Recycling wird vor allem Strom benötigt: Stahl kann in Elektroöfen eingeschmolzen, Kupfer in einem elektrochemischen Verfahren zurückgewonnen werden. Die Primärgewinnung verursacht dagegen unter anderem Schlacke, Feinstaub, CO2-Emissionen und bei Kupfer giftige Abfälle.

„Durch das Recycling von Stahl und Kupfer aus der fossilen Infrastruktur könnten wir bis 2050 externalisierte Kosten von vier bis elf Billionen US-Dollar einsparen“, sagt Empa-Forscher und Studienautor Hauke Schlesier. Das Recycling selbst sei dabei nicht teurer als die Primärgewinnung und damit wettbewerbsfähig. „Zusätzlich lassen sich bis zu zwei Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente vermeiden. Das entspricht etwa 50 Jahren Schweizer Emissionen“, fügt Schlesier hinzu.

Verwenden ließen sich die zurückgewonnenen Rohstoffe unter anderem für Solaranlagen, Windturbinen, Stromleitungen und Elektrolyseure zur Wasserstoffproduktion. Die Studie verweist beispielsweise auf Befestigungssysteme für Photovoltaikanlagen. „Interessant ist die Verwendung von recyceltem Stahl anstatt Aluminium in den Befestigungssystemen von Solaranlagen“, heißt es darin. Dadurch könne der CO2-Fußabdruck der Anlagen um etwa ein Drittel sinken.

Die Menge des in der fossilen Infrastruktur enthaltenen Stahls könnte laut Studie das Zwei- bis Fünffache des für den Ausbau der Solarenergie zur Erreichung der globalen Klimaziele benötigten Bedarfs bereitstellen. Auch bei Windenergieanlagen könnte recycelter Stahl den CO2-Fußabdruck um rund ein Drittel reduzieren. Würde der zurückgewonnene Stahl ausschließlich für Windturbinen genutzt, könnte er den dafür bis 2050 benötigten Stahlbedarf vollständig decken.

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die fossile Infrastruktur tatsächlich schrittweise außer Betrieb genommen wird. „Wichtig ist: Saubere Energietechnologien müssen die fossile Infrastruktur sukzessive ersetzen, damit der eingebettete Stahl und das Kupfer wiederverwendet werden können“, sagt Schlesier.  sag)

Montag, 10.08.2026, 16:41 Uhr
Stefan Sagmeister
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Abgewrackte fossile Infrastruktur hilft der Energiewende
Ölplattformen und thermische Kraftwerke können wertvolle Rohstofflieferanten sein, so eine Untersuchung der Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt der Schweiz.
Wohin mit der nicht mehr benötigten fossilen Infrastruktur? Denn davon gibt es reichlich: Kohleminen, Öl- und Gasplattformen, fossile Kraftwerke, Pipelines. Diese könnten Rohstoffe für die Energiewende liefern. „Insbesondere das Recycling von Kupfer und Stahl würde die Energiewende günstiger und umweltfreundlicher machen“, hat die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt der Schweiz (Empa) herausgefunden.

In einer Mitteilung heißt es, Forschende der Empa-Abteilung „Technologie und Gesellschaft“ analysierten dafür die Bestände von 22 verschiedenen Materialien, die in der bestehenden fossilen Energieinfrastruktur enthalten seien. Zwei Rohstoffe stechen dabei heraus: Stahl und Kupfer. Beide sind in großen Mengen vorhanden und werden zugleich für den Ausbau erneuerbarer Energien benötigt.

Den Berechnungen zufolge könnte das Recycling der fossilen Infrastruktur den gesamten Stahlbedarf und rund ein Drittel des Kupferbedarfs für die Energiewende decken. Beim schrittweisen Rückbau der Anlagen würden entsprechende Materialströme für die Wiederverwertung verfügbar. Die Kapazitäten der weltweiten Recyclinganlagen wären nach Angaben der Forschenden ausreichend, um diese Mengen zu verarbeiten.

Auch aus ökologischer Sicht spricht laut Empa einiges für die Wiederverwertung. Die Recyclingprozesse für Stahl und Kupfer verursachen geringere Umweltbelastungen als die Gewinnung neuer Rohstoffe. Für das Recycling wird vor allem Strom benötigt: Stahl kann in Elektroöfen eingeschmolzen, Kupfer in einem elektrochemischen Verfahren zurückgewonnen werden. Die Primärgewinnung verursacht dagegen unter anderem Schlacke, Feinstaub, CO2-Emissionen und bei Kupfer giftige Abfälle.

„Durch das Recycling von Stahl und Kupfer aus der fossilen Infrastruktur könnten wir bis 2050 externalisierte Kosten von vier bis elf Billionen US-Dollar einsparen“, sagt Empa-Forscher und Studienautor Hauke Schlesier. Das Recycling selbst sei dabei nicht teurer als die Primärgewinnung und damit wettbewerbsfähig. „Zusätzlich lassen sich bis zu zwei Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente vermeiden. Das entspricht etwa 50 Jahren Schweizer Emissionen“, fügt Schlesier hinzu.

Verwenden ließen sich die zurückgewonnenen Rohstoffe unter anderem für Solaranlagen, Windturbinen, Stromleitungen und Elektrolyseure zur Wasserstoffproduktion. Die Studie verweist beispielsweise auf Befestigungssysteme für Photovoltaikanlagen. „Interessant ist die Verwendung von recyceltem Stahl anstatt Aluminium in den Befestigungssystemen von Solaranlagen“, heißt es darin. Dadurch könne der CO2-Fußabdruck der Anlagen um etwa ein Drittel sinken.

Die Menge des in der fossilen Infrastruktur enthaltenen Stahls könnte laut Studie das Zwei- bis Fünffache des für den Ausbau der Solarenergie zur Erreichung der globalen Klimaziele benötigten Bedarfs bereitstellen. Auch bei Windenergieanlagen könnte recycelter Stahl den CO2-Fußabdruck um rund ein Drittel reduzieren. Würde der zurückgewonnene Stahl ausschließlich für Windturbinen genutzt, könnte er den dafür bis 2050 benötigten Stahlbedarf vollständig decken.

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die fossile Infrastruktur tatsächlich schrittweise außer Betrieb genommen wird. „Wichtig ist: Saubere Energietechnologien müssen die fossile Infrastruktur sukzessive ersetzen, damit der eingebettete Stahl und das Kupfer wiederverwendet werden können“, sagt Schlesier.  sag)

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