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Energie & Management > Biomasse - 13,6 Milliarden Euro für Klimaschutz in Berlin
Quelle: Fotolia / XtravaganT
Biomasse

13,6 Milliarden Euro für Klimaschutz in Berlin

Der Berliner Senat und Landesunternehmen haben ihren Klimapakt unterzeichnet. Die BEW erhält eine Eigenkapitalspritze für Investitionen – auch in das umstrittene Holzheizkraftwerk.
Der „Klimapakt 2025-2030“ in Berlin ist unter Dach und Fach. Wie die Senatskanzlei am 27. Januar mitteilte, haben Politik und die landeseigenen Unternehmen das Papier vom November vergangenen Jahres unterschrieben. Die landeseigenen Unternehmen haben sich damit zu CO2-Einsparzielen verpflichtet. Nach dem Berliner Klimaschutz- und Energiewendegesetz soll der Ausstoß von Kohlendioxid bis zum Jahr 2030 um 70 Prozent im Vergleich zu 1990 sinken. Bis zum Jahr 2030 investieren die 22 Unternehmen rund 13,6 Milliarden Euro in den Klimaschutz, heißt es. Das Land Berlin als Gesellschafterin stellt dafür 2,3 Milliarden Euro bis Ende des Jahrzehnts zur Verfügung.

„Wir investieren gezielt in ein leistungsfähiges Stromnetz, die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung, den Ausbau von Photovoltaik auf unseren Dächern und die Elektrifizierung auf unseren Straßen“, wird Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) in einer Mitteilung zitiert. „Mit den milliardenschweren Investitionen aus dem Klimapakt sorgen wir für Innovation, Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Planungssicherheit für unsere Landesunternehmen.“

Die BEW Berliner Energie und Wärme GmbH begrüßt den Pakt als wichtigen Schritt für die Umsetzung der Wärmewende. Bis 2030 sind Ausgaben in Höhe von rund 3,5 Milliarden Euro für die Dekarbonisierung der Fernwärme vorgesehen, schreibt das rekommunalisierte Unternehmen, das bis Mai 2024 zum Vattenfall-Konzern gehörte. Im Zuge des Klimapakts erhält die BEW vom Land nach eigenen Angaben 550 Millionen Euro in Form einer Eigenkapitalzuführung.

Geld, das die langfristige Finanzierungsfähigkeit der BEW absichern soll. Und damit auch das in Kritik geratene Projekt „Reuter“. „Bis 2030 planen wir eine weitere Reduktion unserer jährlichen Emissionen um rund 2,3 Millionen Tonnen CO2, insbesondere durch den Ausstieg aus der Kohle, den Ausbau erneuerbarer Wärmequellen, die Nutzung unvermeidbarer Abwärme sowie Power-to-Heat-Anlagen“, erklärt ein Unternehmenssprecher auf Anfrage der Redaktion. „Hierbei hat auch die geplante Altholz- und Biomasse-KWK-Anlage am Standort Reuter einen Anteil.“ 

Holzindustrie und Umweltschützer kritisieren Pläne für Heizkraftwerk

Die Anlage befindet sich im Genehmigungsprozess. Zum Investitionsvolumen will die BEW derzeit noch keine Angaben machen. Von Umweltverbänden und auch aus der Holzindustrie kommt starke Kritik. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU), der BUND Berlin, Robin Wood und andere einschlägige Organisationen haben die BEW aufgefordert, den Antrag zurückzuziehen. Sie haben Bedenken wegen des Holzverbrauchs. „Pro Jahr sollen mindestens 250.000 Tonnen Frischholz beziehungsweise 130.000 Tonnen des trockeneren und damit leichteren Altholzes verbrannt werden“, monierten die Umweltschützer (wir berichteten).

Der Verband der Holzwerkstoff- und Innentürenindustrie (VHI) nannte „großmaßstäbliche Holzverbrennung“ einen Irrweg und warnte vor den Folgen für die Holzwirtschaft. Die für den Standort Reuter-West projektierten Einsatzdimensionen seien kein „moderater Einsatz von Biomasse“, „sondern mit Blick auf die Anfallmengen von Biomasse im Raum Berlin/Brandenburg und die bereits vorhandenen/in Projektierung befindlichen Verbrennungskapazitäten im Berliner Raum ein massiver Ausbau“. Bei den geplanten Brennstoffsortimenten handle es sich „nahezu ausschließlich um stofflich verwertbare Hölzer“, monierte der VHI und verwies auf die Antragsunterlagen.

Die BEW weist die Kritik zurück. „Wir setzen überwiegend auf Altholz, das am Ende einer nachhaltigen Nutzungskaskade energetisch verwertet wird. Ergänzend können Agrarholz aus Kurzumtriebsplantagen, Waldrestholz und Landschaftspflegematerial eingesetzt werden“, erklärt die Unternehmensprecherin. Die Anlage in Reuter sei „bewusst so ausgelegt, dass sie unterschiedliche holzartige Biomasse verarbeiten kann“.

Derzeit verbrenne man dort 700.000 Tonnen Steinkohle pro Jahr. Diese soll durch einen breiten Energiemix ersetzt werden. „Im Rahmen dieses Gesamtenergiemixes wird Biomasse in moderatem Umfang zum Einsatz kommen“, so der BEW-Sprecher. „Mit dem Ausstieg aus der Steinkohle 2030 wird unser Bedarf an Biomasse (vorrangig Altholz) voraussichtlich bei 150.000 Tonnen (atro) pro Jahr liegen.“

Auch im Berliner Senat setzt man auf Biomasse: „Die Verwendung von Biomasse dient als Brücke zu einer klimaneutralen Fernwärmeversorgung. Derzeit ist jedoch ein vollständiger Verzicht auf die Verwertung von Biomasse noch nicht möglich“, betont eine Sprecherin der Senatsverwaltung gegenüber der Redaktion. „Unser Landesunternehmen Berliner Energie und Wärme arbeitet derzeit weiter intensiv an der Dekarbonisierung der Wärmegewinnung und wird nach der zweiten Befassung im Aufsichtsrat im Frühjahr 2026 seinen neuen Dekarbonisierungsfahrplan öffentlich vorstellen.“

Mittwoch, 28.01.2026, 17:35 Uhr
Manfred Fischer
Energie & Management > Biomasse - 13,6 Milliarden Euro für Klimaschutz in Berlin
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Biomasse
13,6 Milliarden Euro für Klimaschutz in Berlin
Der Berliner Senat und Landesunternehmen haben ihren Klimapakt unterzeichnet. Die BEW erhält eine Eigenkapitalspritze für Investitionen – auch in das umstrittene Holzheizkraftwerk.
Der „Klimapakt 2025-2030“ in Berlin ist unter Dach und Fach. Wie die Senatskanzlei am 27. Januar mitteilte, haben Politik und die landeseigenen Unternehmen das Papier vom November vergangenen Jahres unterschrieben. Die landeseigenen Unternehmen haben sich damit zu CO2-Einsparzielen verpflichtet. Nach dem Berliner Klimaschutz- und Energiewendegesetz soll der Ausstoß von Kohlendioxid bis zum Jahr 2030 um 70 Prozent im Vergleich zu 1990 sinken. Bis zum Jahr 2030 investieren die 22 Unternehmen rund 13,6 Milliarden Euro in den Klimaschutz, heißt es. Das Land Berlin als Gesellschafterin stellt dafür 2,3 Milliarden Euro bis Ende des Jahrzehnts zur Verfügung.

„Wir investieren gezielt in ein leistungsfähiges Stromnetz, die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung, den Ausbau von Photovoltaik auf unseren Dächern und die Elektrifizierung auf unseren Straßen“, wird Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) in einer Mitteilung zitiert. „Mit den milliardenschweren Investitionen aus dem Klimapakt sorgen wir für Innovation, Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Planungssicherheit für unsere Landesunternehmen.“

Die BEW Berliner Energie und Wärme GmbH begrüßt den Pakt als wichtigen Schritt für die Umsetzung der Wärmewende. Bis 2030 sind Ausgaben in Höhe von rund 3,5 Milliarden Euro für die Dekarbonisierung der Fernwärme vorgesehen, schreibt das rekommunalisierte Unternehmen, das bis Mai 2024 zum Vattenfall-Konzern gehörte. Im Zuge des Klimapakts erhält die BEW vom Land nach eigenen Angaben 550 Millionen Euro in Form einer Eigenkapitalzuführung.

Geld, das die langfristige Finanzierungsfähigkeit der BEW absichern soll. Und damit auch das in Kritik geratene Projekt „Reuter“. „Bis 2030 planen wir eine weitere Reduktion unserer jährlichen Emissionen um rund 2,3 Millionen Tonnen CO2, insbesondere durch den Ausstieg aus der Kohle, den Ausbau erneuerbarer Wärmequellen, die Nutzung unvermeidbarer Abwärme sowie Power-to-Heat-Anlagen“, erklärt ein Unternehmenssprecher auf Anfrage der Redaktion. „Hierbei hat auch die geplante Altholz- und Biomasse-KWK-Anlage am Standort Reuter einen Anteil.“ 

Holzindustrie und Umweltschützer kritisieren Pläne für Heizkraftwerk

Die Anlage befindet sich im Genehmigungsprozess. Zum Investitionsvolumen will die BEW derzeit noch keine Angaben machen. Von Umweltverbänden und auch aus der Holzindustrie kommt starke Kritik. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU), der BUND Berlin, Robin Wood und andere einschlägige Organisationen haben die BEW aufgefordert, den Antrag zurückzuziehen. Sie haben Bedenken wegen des Holzverbrauchs. „Pro Jahr sollen mindestens 250.000 Tonnen Frischholz beziehungsweise 130.000 Tonnen des trockeneren und damit leichteren Altholzes verbrannt werden“, monierten die Umweltschützer (wir berichteten).

Der Verband der Holzwerkstoff- und Innentürenindustrie (VHI) nannte „großmaßstäbliche Holzverbrennung“ einen Irrweg und warnte vor den Folgen für die Holzwirtschaft. Die für den Standort Reuter-West projektierten Einsatzdimensionen seien kein „moderater Einsatz von Biomasse“, „sondern mit Blick auf die Anfallmengen von Biomasse im Raum Berlin/Brandenburg und die bereits vorhandenen/in Projektierung befindlichen Verbrennungskapazitäten im Berliner Raum ein massiver Ausbau“. Bei den geplanten Brennstoffsortimenten handle es sich „nahezu ausschließlich um stofflich verwertbare Hölzer“, monierte der VHI und verwies auf die Antragsunterlagen.

Die BEW weist die Kritik zurück. „Wir setzen überwiegend auf Altholz, das am Ende einer nachhaltigen Nutzungskaskade energetisch verwertet wird. Ergänzend können Agrarholz aus Kurzumtriebsplantagen, Waldrestholz und Landschaftspflegematerial eingesetzt werden“, erklärt die Unternehmensprecherin. Die Anlage in Reuter sei „bewusst so ausgelegt, dass sie unterschiedliche holzartige Biomasse verarbeiten kann“.

Derzeit verbrenne man dort 700.000 Tonnen Steinkohle pro Jahr. Diese soll durch einen breiten Energiemix ersetzt werden. „Im Rahmen dieses Gesamtenergiemixes wird Biomasse in moderatem Umfang zum Einsatz kommen“, so der BEW-Sprecher. „Mit dem Ausstieg aus der Steinkohle 2030 wird unser Bedarf an Biomasse (vorrangig Altholz) voraussichtlich bei 150.000 Tonnen (atro) pro Jahr liegen.“

Auch im Berliner Senat setzt man auf Biomasse: „Die Verwendung von Biomasse dient als Brücke zu einer klimaneutralen Fernwärmeversorgung. Derzeit ist jedoch ein vollständiger Verzicht auf die Verwertung von Biomasse noch nicht möglich“, betont eine Sprecherin der Senatsverwaltung gegenüber der Redaktion. „Unser Landesunternehmen Berliner Energie und Wärme arbeitet derzeit weiter intensiv an der Dekarbonisierung der Wärmegewinnung und wird nach der zweiten Befassung im Aufsichtsrat im Frühjahr 2026 seinen neuen Dekarbonisierungsfahrplan öffentlich vorstellen.“

Mittwoch, 28.01.2026, 17:35 Uhr
Manfred Fischer

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