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Bild: jzehnder / Fotolia
KOHLE:
Stillegungen für Braunkohle-Sicherheitsbereitschaft
Am Wochenende sind weitere Braunkohleblöcke, die in eine vierjährige Sicherheitsbereitschaft überführt werden, abgeschaltet worden.
 
Im Rheinischen Revier hat RWE zwei Blöcke des Kraftwerkes Niederaußem, das insgesamt über sieben Blöcke verfügt, mit jeweils 300 MW Leistung vom Netz genommen. In der Lausitz hat die Leag einen 500 MW-Block des Kraftwerkes Jänschwalde abgeschaltet.

Die Maßnahmen sind Teil der Ende Juni 2016 mit einer Regelung im Energiewirtschaftsgesetz beschlossenen sogenannten „Sicherheitsreserve“, mit der schrittweise insgesamt 2 700 MW Braunkohlekapazität – 13 % der in Deutschland installierten Braunkohleleistung – in insgesamt acht Blöcken abgeschaltet werden.

Bereits seit Oktober 2017 sind zwei Blöcke des Kraftwerks Frimmersdorf bei Grevenbroich (Nordrhein-Westfalen) und seit Oktober 2016 das Kraftwerk Buschhaus bei Helmstedt (Niedersachsen) in der sogenannten Sicherheitsbereitschaft und damit vorläufig stillgelegt.

Die Sicherheitsbereitschaft dient neben der Netzreserve und der Kapazitätsreserve als letzte Option zur Gewährleistung der Netzstabilität und ist auf vier Jahre befristet. Danach werden die Braunkohleblöcke sukzessive definitiv stillgelegt, die letzten im Oktober 2023.

Einsparung von 12,5 Mio. t CO2 durch Abschaltungen

Die in der Sicherheitsreserve befindlichen Kraftwerksblöcke müssen bei Bedarf nach Anforderung des Übertragungsnetzbetreibers innerhalb von zehn Tagen wieder betriebsbereit und nach weiteren maximal 24 Stunden mit voller Leistung am Netz sein. Die Betreiber erhalten eine Vergütung, die in die Netzentgelte eingepreist ist, also von den Stromkunden bezahlt werden muss. Die Übertragungsnetzbetreiber haben laut Auskunft des Bundeswirtschaftsministeriums für das laufende Jahr dafür 149 Mio. Euro eingeplant. 

Allgemein wird davon ausgegangen, dass diese Braunkohlereserve nie in Anspruch genommen werden muss. Vielmehr dienen die Abschaltungen dem Klimaschutz: Durch die Stilllegungen sollen 12,5 Mio. t CO2 vermieden werden.

Anlagen sind 30 bis über 40 Jahre alt

Bei den jetzt in Niederaußem abgeschalteten Blöcken handelt es sich um Anlagen die älter als 40 Jahre sind. Sie gingen laut den Angaben 1970 und 1971 ans Netz und haben zusammen rund 200 Mrd. kWh Strom erzeugt. Der stillgelegte Block F im Kraftwerk Jänschwalde produzierte seit 1989 knapp 30 Jahre lang Strom, insgesamt rund 105 000 GWh (105 Mio. kWh).

In den 1990er Jahren wurde er mit modernster Umwelttechnik nachgerüstet. Von 1994 bis zum Jahr 2014 wurde schrittweise neueste Turbinentechnik eingebaut, sodass der Wirkungsgrad deutlich gesteigert und damit die CO2-Emissionen gesenkt werden konnten. „Heute ist ein schwerer Tag für uns Kraftwerker. Einen modernen und flexiblen Kraftwerksblock abschalten zu müssen, fällt nicht leicht“, sagt Andreas Thiem, der Leiter des Kraftwerkes Jänschwalde.

Bei der Leag fallen durch die Abschaltungen 600 Stellen weg

Im kommenden Jahr wird ein weiterer Block in Jänschwalde vom Netz gehen. „Die Energiewirtschaft im Osten Deutschlands leistet einmal mehr ihren Beitrag für Deutschlands ehrgeizige Klimaziele. Wie schon zu Beginn der 1990er-Jahre muss die Lausitz eine rückläufige Wertschöpfung hinnehmen und Arbeitsplätze in der Energiewirtschaft opfern, für die es bislang keinen adäquaten Ersatz gibt“, kritisiert der Leag-Vorstandsvorsitzende Helmar Rendez.

Unternehmensweit würden durch die Sicherheitsbereitschaft etwa 600 Stellen in den nächsten Jahren nicht mehr neu besetzt. Auch Servicepartner werden betroffen sein, so der Leag-Chef. Er verweist darauf, dass sie die ostdeutsche Braunkohlenwirtschaft in den vergangenen 25 Jahren „beispielhaft erneuert“ habe. „Wir sind ein hochmoderner, durchdigitalisierter Industriezweig.“ Dennoch habe die Bundesregierung den Druck auf die Lausitz weiter erhöht.

Rendez fordert, dass das Revierkonzept der Leag, mit dem sie auf 850 Mio. t Kohle verzichte und das kompatibel mit Deutschlands internationalen Klimaverpflichtungen sei, „die Anlegekante für die künftige Ausrichtung der Energiewirtschaft in der Lausitz sein“ müsse.
 

Angelika Nikionok-Ehrlich
Redakteurin
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Montag, 01.10.2018, 11:41 Uhr

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