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Enerige & Management > Klimaschutz - Einnahmen aus CO2-Bepreisung helfen bei sozialer Entwicklung
Bild: malp / Fotolia
KLIMASCHUTZ:
Einnahmen aus CO2-Bepreisung helfen bei sozialer Entwicklung
Ein Stopp der Subventionen auf fossile Brennstoffe verknüpft mit einer CO2-Bepreisung würde zugleich dem Klimaschutz und der nachhaltigen Entwicklung in ärmeren Ländern dienen.
 
Das ist das Ergebnis einer Studie des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung. „Derzeit haben wir ein doppeltes Problem: Es gibt einerseits in vielen Ländern eine enorme Unterversorgung bei grundlegenden öffentlichen Gütern wie Gesundheitssystemen, Zugang zu Schulen oder sauberem Wasser. Andererseits steigen gleichzeitig die Treibhausgasemissionen weiter an, und es gibt eine Übernutzung der Atmosphäre - ein globales Gemeingut - als Deponieraum für diese Emissionen", erläutert Leitautor Max Franks vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

Bei einem gemeinsamen Angang der beiden Probleme, also Klimapolitik und die Politik für eine nachhaltige Entwicklung zusammen betrachtet, zeige sich deutlich, „dass CO2-Preise tatsächlich beide Probleme gleichzeitig und effektiv angehen können", sagt Franks.

Einnahmen schaffen enorme finanzielle Spielräume

Die Wissenschaftler haben das Potenzial zur Mobilisierung heimischer finanzieller Ressourcen mit dem Wegfall aller Subventionen für fossile Brennstoffe verglichen und in einem zweiten Schritt mit einem CO2-Preis verknüpft, der hoch genug ist, um das 2°C-Ziel zur Begrenzung der Erderwärmung zu erreichen.

Dabei gingen sie auf Basis des Fünften Sachstandsberichts des Weltklimarats IPCC davon aus, dass der Preis im Jahr 2020 bei 40 US-Dollar pro Tonne CO2 beginnt und im Jahr 2030 auf 175 US-Dollar pro Tonne ansteigt.

Die in Nature Sustainability veröffentlichte Studie hat ergeben, dass schon der Abbau von Subventionen auf fossile Brennstoffe allein die öffentlichen Haushalte stark entlasten würde. In Ägypten beispielsweise würde der so gewonnene finanzielle Spielraum „bei Weitem ausreichen, um die gesamte UN-SDG (social development goals)-Agenda zu finanzieren.

Indien könnte 90 % des Finanzbedarfs für Nachhatigkeitsziele decken

Verbesserung der Gesundheitsversorgung, Zugang zu Bildung wie auch der Ausbau der Infrastrukturen für Energie, Transport und sauberes Wasser könnten bezahlt werden – Bereiche, die in vielen ärmeren Ländern unterentwickelt sind. Insbesondere Länder, in denen die staatlichen Haushalte nicht über viel Geld verfügen und in denen zudem an privaten Finanzierungsmöglichkeiten mangelt, etwa Burundi, die Republik Kongo oder Senegal, könnten von der Umstellung profitieren.

„Allerdings könnten die Einnahmen einer kombinierten Steuerreform, die fossile Subventionen streicht und durch einen CO2-Preis ersetzt, mehr als zwei Drittel der für die SDG-Agenda erforderlichen öffentlichen Mittel für mehrere Länder in Süd- und Südostasien bereitstellen", erklärt Franks.

In Indien könnten laut den Ergebnissen mehr als 90 % des Bedarfs an öffentlichen Investitionen für die Ziele nachhaltiger Entwicklung gedeckt werden. „Es gibt also tatsächlich ein großes Potenzial für die Nutzung von CO2-Preisen für Gesundheit, Bildung und andere öffentliche Güter."

Auch die ärmsten Länder profitieren

Jedoch verweisen die Forscher darauf, dass in den am wenigsten entwickelten Ländern Subsahara-Afrikas das Finanzierungspotenzial der CO2-Preise oft deutlich geringer sei als der Finanzierungsbedarf für die nachhaltige Entwicklung und Infrastrukturen. Dennoch könnte die CO2-Bepreisung hier zumindest einen Beitrag dazu leisten. Dazu gehören Länder wie Burundi, Mauretanien, Nigeria, die Republik Kongo, Senegal, Swasiland, Togo, Uganda und Simbabwe.

„In den Ländern, die wir analysiert haben, würde die Summe der Subventionen für fossile Brennstoffe ausreichen, um 20 Prozent des SDG-Finanzierungsbedarfs zu decken", verdeutlicht Kai Lessmann vom PIK. „Nationale Kohlenstoffpreise anstatt Subventionen für Kraftstoffe würden natürlich noch mehr öffentliche Mittel generieren. Gleichzeitig könnte dies ein effizienter Weg sein, um den Kohlendioxidausstoß in der gesamten Wirtschaft zu reduzieren.“

Unterstützung für CO2-Bepreisung könnte wachsen

Die Umstellung von Subventionen für fossile Brennstoffe auf CO2-Preise könnte einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung in Asien und Afrika leisten, resümiert Ottmar Edenhofer, Chefökonom und designierter Direktor des PIK Potsdam. „Die öffentliche Unterstützung für CO2-Preise könnte mit dem Wissen zunehmen, dass das Recycling von CO2-Preiseinnahmen zur Finanzierung von SDGs enorme Vorteile für die breite Bevölkerung bringen würde“, meint er.

Eine wichtige Botschaft der Studie sei daher, dass sich Entwicklungspolitik auf den Aufbau lokaler Kapazitäten zur Stärkung von Steuerbehörden konzentrieren sollte, „insbesondere mit dem Ziel der Einführung von CO2-Preisen.“
 
Der Artikel „Mobilizing Domestic Resources for the Agenda 2030 via Carbon Pricing“ findet sich hier   .
 

Angelika Nikionok-Ehrlich
Redakteurin
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Dienstag, 17.07.2018, 12:45 Uhr

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