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Bild: alphaspirit / Fotolia
STUDIEN:
Braunkohleverband kritisiert Studie des Öko-Instituts
Der Bundesverband Braunkohle (Debriv) hat eine aktuelle Analyse des Öko-Instituts zur Beschäftigungsentwicklung in der Braunkohleindustrie scharf kritisiert. 
 
„Diese Analyse legt willkürlich falsche Annahmen, beispielsweise zur Personalentwicklung in den Energieunternehmen, zu Grunde. Vor allem aber verkennt sie, indem sie ihre Betrachtung nur auf die Beschäftigten in der Braunkohlenindustrie begrenzt, die Tragweite der industriepolitischen und volkswirtschaftlichen Dimension eines raschen Kohlenausstiegs“, sagt Debriv-Vorstandvorsitzender Helmar Rendez. Hier werde ein Thema mit großer gesellschaftlicher Relevanz bewusst kleingeredet.

Die Kritik richtet sich gegen eine Studie mit dem Titel „Beschäftigungsentwicklung in der Braunkohleindustrie – Status quo und Projektion“, die vom Öko-Institut im Auftrag des Bundesumweltamtes erstellt worden ist. Demnach ist die Situation für einen Großteil der derzeit in der Braunkohleindustrie Beschäftigten bei einem schrittweisen Ausstieg weniger brisant, denn es werden fast zwei Drittel der aktuell dort Beschäftigten bis 2030 in Rente gehen, so eine Aussage der Studie.

Daher könne die Braunkohleverstromung ohne betriebsbedingte Kündigungen so weit zurückgefahren werden, dass Deutschland sein Energiesektor-Klimaschutzziel 2030 erreicht, resümiert das UBA die Ergebnisse der Untersuchung. Allerdings dürften keine Neueinstellungen erfolgen, und der Kohleausstieg müsse geordnet durch einen politischen Konsens vollzogen werden.

Für den Braunkohleverband ist die Studie „realitätsfern“ und könne damit keine „belastbare Grundlage für die Diskussion um die Zukunft der Reviere sein“. Die Bedeutung der Braunkohlenindustrie werde von den Autoren der Studie systematisch unterschätzt: im Rheinland als Garant wettbewerbsfähiger Industriestrompreise, im mitteldeutschen Revier für den Verbund mit der Chemieindustrie und in der Lausitz als der zentrale industrielle Anker für die gesamte Wirtschaft der Region.

Debriv bemängelt die Studie als „realitätsfern“

Damit werden auch Auswirkungen eines vorzeitigen Kohlenausstiegs auf andere Unternehmen und Wirtschaftszweige nach Ansicht des Debriv-Vorsitzenden Rendez in der Analyse des Öko-Instituts nur unzureichend berücksichtigt.

Die Auswirkungen gerade auf die energie- und arbeitsplatzintensiven Industrien wären gravierend, so die Debriv: „Die Unternehmen der Braunkohlenindustrie in Deutschland vergeben im Zusammenhang mit der Instandhaltung und Modernisierung ihrer Tagebaue und Kraftwerke und den damit verbundenen hohen Umweltstandards jedes Jahr Aufträge mit einem Volumen von mehreren Milliarden Euro an andere Unternehmen. Ohne diese Aufträge sind viele Arbeitsplätze etwa bei Partnerfirmen und Zulieferern akut gefährdet.“

Zu den fehlerhaften Annahmen des Öko-Instituts gehört laut dem Braunkohleverband zudem, dass es einen Wegfall von Neueinstellungen für die kommenden Jahre unterstellt. „Das hat mit betrieblicher Praxis nichts tun“, stellt Rendez klar. „Kontinuierliche Ausbildung und Wissenstransfer an junge Beschäftigte sind für jedes Wirtschaftsunternehmen unerlässlich. Das gilt natürlich auch für die Braunkohlenindustrie. Zudem hätte ein Verzicht auf Neueinstellungen für die Region den Wegfall von Hunderten Ausbildungsplätzen für qualifizierte Berufe zur Folge. Das würde eine positive Strukturentwicklung in den Regionen erheblich erschweren und junge Menschen dazu zwingen, die Region zu verlassen.“
 
Die Studie „Beschäftigungsentwicklung in der Braunkohleindustrie – Status quo und Projektion“ als PDF (34 Seiten)
Quelle: UBA

Die Analyse des Öko-Instituts kam indes unter anderem zu dem Schluss, dass der anstehende Strukturwandel „weitgehend sozialverträglich durch Renteneintritte, das heißt ohne betriebsbedingte Kündigungen, vollzogen werden“.

Zwar beziehen sich die detaillierten Zahlen zur Altersstruktur nur auf den Braunkohle-Tagebau, es sei aber davon auszugehen, so das Umweltbundesamt, dass die Altersstruktur in den Braunkohlekraftwerken vergleichbar ist. Betriebsbedingte Kündigungen könnten allerdings notwendig werden, falls zukünftig noch neue Mitarbeiter eingestellt würden. „Ein geordneter Kohleausstieg im Rahmen eines politischen Kohlekonsenses kann deshalb einen wichtigen Beitrag leisten, unnötige betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden“, resümiert das UBA. Zudem schaffe für eine Übergangszeit die Rekultivierung der stillgelegten Tagebaue zusätzlich Beschäftigung.

Die gesamte Studie ist auf der Seite des Umweltbundesamtes   abrufbar.
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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Freitag, 27.07.2018, 10:51 Uhr

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