• Strom überwiegend schwächer, CO2 kaum verändert, Gas steigt
  • Die Frage nach der richtigen Messtechnik
  • Erstmals mehr als 1.000 MW große PV ungefördert
  • 50 Hertz kann weiteren Netzausbau starten
  • Mobile Wasserstofftankstelle vorgestellt
  • 21 Mrd. Euro für Wiener Klimaneutralität
  • Kommission sieht Preisexplosion als vorübergehend
  • Rostock arbeitet an der Sektorenkopplung
  • Batteriegehäuse wird zum Multitalent
  • Stadtwerke Leer mit neuer Führungsspitze
Enerige & Management > Bilanz - RWE korrigiert nach gutem ersten Halbjahr Prognose nach oben
Quelle: Fotolia/Andrey Popov
BILANZ:
RWE korrigiert nach gutem ersten Halbjahr Prognose nach oben
Nach hohen Erlösen im Energiehandel, bei Kohle und Atom im ersten Halbjahr korrigiert der Essener Energiekonzern RWE seine Erwartungen für das gesamte Geschäftsjahr 2021 nach oben.
 
In den ersten sechs Monaten des Jahres hat der Essener Energiekonzern RWE über die Erwartungen Kasse gemacht. Der Gewinn liegt mit 870 Mio. Euro deutlich über dem Vorjahreszeitraum (816 Mio. Euro). Neben Bruttoinvestitionen in Höhe von 1,8 Mrd. Euro in den Ausbau der Erneuerbaren ließen die guten Geschäfte des ersten Halbjahres es auch zu, die Nettoverbindlichkeiten um mehr als 3,5 Mrd. Euro zu reduzieren und wieder unter die Milliarden-Grenze zu drücken (903 Mio. Euro).

„Wir stehen wirtschaftlich besser da als noch zum Jahresauftakt erwartet", sagt Finanzvorstand Michael Müller in einer Unternehmensmitteilung. Vorstandsvorsitzender Markus Krebber zeigte sich erfreut, die Prognose für das Gesamtjahr "deutlich" auf 1,05 Mrd. bis zu 1,4 Mrd. Euro anheben zu können. Das wäre ein Plus von bis zu 300 Mio. Euro. Pro Anteilsschein ziele RWE weiterhin auf eine Dividende von 0,90 Euro ab, das wären 5 Cent mehr als nach dem vergangenen Geschäftsjahr.

Kohle und Atom bleiben Gewinnbringer Nummer eins

Den Energiehandel stellen die Essener in ihrem Rückblick auf das erste Halbjahr 2021 heraus. Er schlägt mit 525 Mio. Euro (bereinigtes Ebitda) und einem Plus von gut 200 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum besonders zu Buche. Größter Gewinnbringer aber sind erstmals wieder die ungeliebten Relikte aus dem fossilen und nuklearen Zeitalter: Die Kohle- und Atomsparte ist konzernintern mit 545 Mio. Euro die Nummer eins und steigerte sogar ihren Anteil am Konzernergebnis auf 31,1 % (zuvor 17 % des Ebitda). Bis Jahresende sollen diese Bereiche bei bis zu 900 Mio. Euro einlaufen. Nicht eingerechnet sind hier jeweils die Gasgeschäfte, die RWE in einem Segment mit Wasser und Biomasse listet (297 Mio. Euro statt 324 Mio. Euro) und unter "Kerngeschäft" führt.

Hinter Kohle/Atom und dem Energiehandel folgt die Sparte Wind offshore im RWE-Ranking. Im ersten Halbjahr 2020 mit 585 Mio. Euro das beste Pferd im Stall, steuerte dieser Bereich bis zum 30. Juni 2021 nun noch 459 Mio. Euro zum Ergebnis bei. Windenergie an Land und Solarprojekte rutschten dagegen sogar ins Minus (-42 Mio. Euro gegenüber 299 Mio. Euro vor einem Jahr). Bis Jahresende soll dieser Bereich aber zurück in die schwarzen Zahlen klettern (50 bis 250 Mio. Euro, jeweils bereinigtes Ebitda).

Die Rückgänge bei der Windkraft im ersten Halbjahr schreibt RWE Wetterphänomenen zu: 400 Mio. Euro Verlust fuhr RWE demnach in Texas (USA) ein, wo extreme Kälte zum Kollaps bei der Energieversorgung geführt hatte. Windflauten in Nord- und Mitteleuropa ließen zudem keine besseren Erlöse bei den Meereswindparks zu, so RWE.

RWE sieht sich dennoch bei der Transformation zu einem nachhaltigen Unternehmen auf einem guten Weg. Die verdoppelten Investitionen in Ökoenergie schlagen sich auch im aktuellen Zubau von 3.900 MW Kapazität nieder, die den Konzern bis Ende 2022 auf 13.200 MW bei Batterieprojekten, Solar- und Windkraftwerken hieven wird. Damit übertreffe der grüne Sektor erstmals in der Konzernhistorie die umwelt- und klimabelastenden Sparten Kohle und Atom.

Die Essener verfügen nach eigenen Angaben zur Jahresmitte über 12.500 MW Erzeugungskapazität. Bis Ende kommenden Jahres reduziert dieser Wert sich durch gesetzlich geregelte Stilllegungen um 2.800 MW bei der Braunkohle und 2.600 MW bei der Kernenergie. Die Ende 2020 vorhandene Kapazität von 14.300 MW bei Gaskraftwerken wirft weitere fossile Schatten auf das Portfolio von RWE. Der Konzern gemeindet diese Anlagen aber bilanziell in sein "Kerngeschäft" (mit Wasser und Biomasse) ein und bastelt so an seinem Image.
 
Kennzahlen
(jeweils Ebitda bereinigt, in Mio. Euro)
1. HJ
2021
1. HJ 2020 Prognose 2021
Wind offshore 459 585 1.050-1.250
Wind onshore/Solar -42 299 50-250
Wasser/Biomasse/Gas 297 324 500-600
Energiehandel 525 322 >350
Kohle/Kernenergie 545 310 800-900
Konzern Ebitda 1.751 1.833 3.000-3.400
Bereinigtes Ebit 1.042 1.113 1.500-1.900
Bereinigter Gewinn 870 816 1.050-1.400

Quelle: RWE
 

Volker Stephan
© 2021 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 12.08.2021, 16:42 Uhr

Mehr zum Thema