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Enerige & Management > Meinung - Kernkraft: Die Mär vom Heilsbringer
Bild: Denis Junker, Fotolia
MEINUNG:
Kernkraft: Die Mär vom Heilsbringer
Zehn Jahre nach dem Gau von Fukushima wird es nicht zu der und auch von Bill Gates propagierten Renaissance der Atomtechnologe kommen. Ein Kommentar von E&M-Chefreporter Ralf Köpke.
 
Ende nächsten Jahres gehen hierzulande die letzten drei Atomkraftwerke vom Netz. Und das ist gut so. Deutschland, eines der wichtigsten Industrieländer weltweit, übernimmt damit eine Vorreiterrolle – endlich mal wieder.

Es ist zu hoffen, dass andere Länder dem deutschen Vorbild in Sachen Atom-Aus folgen. Solche Hoffnungen gab es allerdings bereits vor zehn Jahre als unmittelbare Folge des Super-Gaus von Fukushima. Die damalige Katastrophe hat für immer die jahrzehntelang verbreitete Fake News von der Atomkraft als sicheren Energieträger im wahrsten Sinne des Wortes zerschmelzen lassen.

Wer deshalb die Hoffnung hatte, dass weltweit immer mehr Atomreaktoren abgeschaltet würden, hat die Beharrungskräfte der Atomwirtschaft unterschätzt. Die aus diesen Kreisen zu oft kolportierte Renaissance der Nukleartechnik beispielsweise als Retter des Weltklimas hat es aber auch nicht gegeben. Dafür reicht ein Blick in die jährliche Produktionsstatistik der Internationalen Atomenergieagentur. Die Zahl der Reaktoren weltweit liegt heute in etwa auf dem Niveau vor Fukushima. Der atomare Anteil am globalen Stromverbrauch ist im vergangenen Jahrzehnts um etwa ein Viertel auf derzeit etwa 10 % gesunken.

 
E&M-Chefreporter Ralf Köpke
Bild: Evi Ludwig


Keine Frage, es gibt immer wieder Ankündigungen für nukleare Neubauten, beispielsweise aus Polen oder Ungarn. Gebaut davon ist bislang noch kein einziges Projekt. Dagegen werden in einer Reihe von Atomländern die Laufzeiten drastisch verlängert. Negativbeispiel ist unter anderem Frankreich, wo die alten Reaktoren neuerdings 50 Jahre (und wohl länger) in Betrieb bleiben können.

Wenn es ein Land gibt, das wild entschlossen ist, neue Atomkraftwerke zu bauen, dann China. Zu den heute bereits laufenden 50 Projekten sollen mindestens zwölf weitere Megavorhaben hinzukommen. Was die KP-Führung in Peking immer wieder mit dem wachsenden Energiehunger im Reiche der Mitte begründet. Allerdings, und diesen Verdacht gibt es seit Jahren, gewinnt China mit jedem neuen Reaktor weiteren Zugriff auf waffenfähiges Plutonium – was angesichts der immer wieder aufflammenden Großmacht-Ambitionen Chinas eine bedrohliche Vorstellung ist.

Das neuerdings die von Microsoft-Gründer und Multi-Milliardär Bill Gates propagierten Mini-Reaktoren in der Größenordnung zwischen zehn und 500 Megawatt Leistung als Klimaretter medial durch das Dorf getrieben werden, zeigt, wie wenig aussichtsreich die Lage der Atomwirtschaft international ist. Noch hat Gates nicht einen seinen Reaktoren gebaut und den praktischen Betriebsnachweis erbracht. Auch wo und wie er den Atommüll seiner Reaktoren endlagern will, dazu gab es von ihm bislang noch keine schlüssige Antwort.

Nicht nur die Endlagerung des Atommülls bleibt eine Achillesferse der Nukleartechnologie, sondern auch ihre Kosten. Zehn Jahre nach Fukushima ist die mit Solar- und Windkraftanlagen produzierte Kilowattstunde längst preiswerter als eine atomar erzeugte. Das dürfte das Gros der Investoren davon abschrecken, in Atomtechnik zu investieren – es sei denn, sie können Staatsgelder anzapfen. Die Zeit der Atomkraft als Heilsbringer für die Stromversorgung und den Klimaschutz ist jedenfalls vorbei.
 

Ralf Köpke
© 2021 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 11.03.2021, 15:35 Uhr

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