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Enerige & Management > Klimaschutz - Landstrom in Hamburg wohl seltener gefragt
Bild: Martin Elsen/HPA
KLIMASCHUTZ:
Landstrom in Hamburg wohl seltener gefragt
Die Landstromanlage Hamburg-Altona soll eigentlich Kreuzfahrtschiffe während der Liegezeit umweltfreundlich mit Ökostrom versorgen. Wären da nicht Vorgaben der Bundesnetzagentur.
 
Die Idee ist nicht schlecht: Während ihrer Liegezeit im Hamburger Hafen sollen Kreuzfahrtschiffe ihre eigenen Generatoren zur Stromerzeugung abstellen und umweltfreundlich von Land aus mit Ökostrom versorgt werden. Soweit die Theorie. Aber die Landstromversorgung von Kreuzfahrtschiffen im Hamburger Hafen wird immer mehr zur Farce. Bislang benutzt lediglich die "Aidasol" als einziges Kreuzfahrtschiff die Anlage. Schon im vergangenen Herbst konnte das Schiff nach dem Anlegen nur für rund zwei Stunden mit Landstrom versorgt werden, dann stiegen die Gebühren und die Stromnutzung von Land war deutlich teurer als die Stromerzeugung in den bordeigenen Dieselgeneratoren.

In der nun anstehenden Kreuzfahrt-Saison wird die Aidasol die Landstromanlage während ihrer 20 Anläufe im Vergleich zum Vorjahr wohl noch deutlich weniger nutzen, meldet der Radiosender NDR 90,3.

Hintergrund sind Vorgaben der Bundesnetzagentur für die sogenannten Hochlastzeitfenster nach Paragraf 19 Abs. 2 Strom-Netzentgeltverordnung (StromNEV). Diese beschreiben, wann besonders viel Strom in Deutschland benötigt wird und wann nicht. Aus den Vorgaben berechnet jeder Verteilnetzbetreiber individuell, zu welchen Zeiten netzdienliche Nutzer privilegiert werden können, erklärte Michael Reifenberg von der Bundesnetzagentur auf Nachfrage von E&M. Dies seien zum einen stromintensive Unternehmen oder atypische Netznutzer, so der Sprecher.

Landstrom tagsüber besonders teuer

Im Herbst vergangenen Jahres war der Landstrom zwischen 10.30 Uhr und 20 Uhr besonders teuer. Es war just die Zeit, in der die Aidasol im Hamburger Hafen lag und den Strom hätte nutzen können. Für 2019 hat der Stromnetzbetreiber Stromnetz Hamburg für Frühjahr, Herbst und Winter Zeiten festgelegt, zu denen individuelle Netzentgelte erhoben werden müssen. Im Vorjahr gab es diese nur im Herbst und Winter. Somit nehmen die Zeiten zu, in denen für den Betrieb der Anlage höhere Netzentgelte entrichtet werden müssen.

Gegenüber E&M machte der Bundesnetzagentur -Sprecher deutlich, dass die StromNEV nicht dafür konzipiert worden sei, um Emissionsreduktionen in den Hafenstädten zu erzielen, sondern vielmehr alle Stromnetznutzer gleichberechtigt behandeln soll. „Das Problem der Schadstoffemissionen kann nicht über die StromNEV gelöst werden“, so Reifenberg.

Die Hamburger Landstromanlage war 2017 für 10 Mio. Euro errichtet worden und ist mit Steuergeldern sowie Zuschüssen von Bund und EU finanziert worden. Sie wird von der Hafenbehörde HPA betrieben und vom städtischen Energieversorger Hamburg Energie mit Ökostrom versorgt. Der Hamburger Senat setzt sich auf Bundesebene für eine wirtschaftliche Gleichstellung von Landstrom und dem an Bord produzierten Generatorstrom ein und hatte das Thema zuletzt auf der Ministerpräsidentenkonferenz Ende Januar auf den Tisch gebracht.
 

Kai Eckert
Redakteur
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Dienstag, 26.02.2019, 16:33 Uhr

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