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Enerige & Management > Stromnetz - Hohe Investitionen zahlen sich volkswirtschaftlich aus
Quelle: Fotolia / Gina Sanders
STROMNETZ:
Hohe Investitionen zahlen sich volkswirtschaftlich aus
Auf der Tagung „Stromnetze 2022“ zeigte sich der Leiter Energiepolitik von Amprion, Thomas Dederichs, überzeugt, dass die Energiewende sich lohnen wird.
 
„Wir glauben, dass der Prozentsatz vom BIP, den wir für Energie ausgeben, langfristig sinken kann, trotz der hohen Investitionen von bis zu 1000 Mrd. Euro über die gesamte Energiewende.“ Das sagte der Leiter Energiepolitik von Amprion, Thomas Dederichs auf der Online-Veranstaltung „Stromnetze 2022“ am 26. Januar des Beratungsunternehmens Conexio.

Denn durch erneuerbare Energien habe Deutschland mehr Wertschöpfung im Inland, statt für Öl und Gas an andere Länder zu zahlen. Allerdings müssten für die anstehenden Investitionen die Marktmechanismen, Netzentgeltsysteme und Regulierungssysteme angepasst werden, forderte er zugleich.

Als Vertreter der Bundesregierung antwortete Patrick Graichen, Staatssekretär im Bundesministerium für Klima und Wirtschaft (BMKW). Die Stromnetze sollten vom Ziel der Klimaneutralität 2045 her geplant und mit Gas-, Wasserstoff- und Wärmenetzen abgestimmt werden. Er kommentierte die am Vortag vorgelegte Netzstudie III der Deutschen Energieagentur (Dena) als „interessant, aber komplex in der Umsetzung“.

Gesetzesänderungen für 2022 angekündigt

Bis 2035 solle das Stromsystem klimaneutral werden und dafür der Kohleausstieg vorgezogen werden. „Wir brauchen zusätzliche Netze, der Netzentwicklungsplan mit den neuen HGÜ und zusätzlichen Leerrohren sind von der Bundesnetzagentur genehmigt und werden im Bundesbedarfsplangesetz festgeschrieben“, sagte Graichen. Das sei Teil des sogenannten Osterpakets; Sofortmaßnahmen, die das Ministerium bis April erarbeiten will. Die Umsetzung der Pläne solle beschleunigt werden: „Wir tun unseres in der rechtlichen Dimension, die Netzbetreiber tun das ihrige“, sagte Graichen.

Es könne sinnvoller sein, den Wasserstoff im Norden zu erzeugen und im Gasnetz nach Süden zu bringen, um die Stromnetze weniger zu belasten. Wenn Gas nicht mehr so stark im Wärmesektor der Kommunen gefragt sei wegen der Elektrifizierung, sei es auch sinnvoll, den Gasnetzausbau entsprechend zu planen, sagte der Staatssekretär. Daher müssten Netze integriert geplant werden, sowohl zwischen den Energieträgern wie auch zwischen den Übertragungs- und Verteilnetzen.

Akteure sollen schon anfangen

Die Energiewende sei die „zentrale Leitplanke“ für alle Aktivitäten. Bis Ende 2022 sollten alle Maßnahmen des Sofortprogramms Gesetz sein, sie würden im Oster- und Sommerpaket eingebracht. „Ich kann nur alle Akteure ermutigen, nicht darauf zu warten“, appellierte Graichen. Da Netzausbau langwierig sei und Innovationen brauche, sollten die Netzer und Betreiber im Rahmen ihrer Möglichkeiten schon loslegen.

Er stimmte Dederichs zu, dass die Netzentgeltregulierung angepasst werden muss. „Das wird eine zentrale Baustelle dieser Legislaturperiode, im Unterschied zu früheren Vorhaben in Koalitionsverträgen wird das diesmal umgesetzt“, versprach Graichen. Eine „Plattform Strommarktdesign“ soll dazu einen Vorschlag erarbeiten. 
 
Die Teilnehmer der Diskussion, links oben Patrick Graichen (Staatssekretär BMKW) Quelle: Conexio


BEE-Präsidentin Simone Peter sieht als Weg für stabile Netze "Flexibilitäten und Sektorkopplung zu nutzen“. Lastnahes Steuern und integriertes Planen bringe weniger Redispatch und Belastung für die Netze, zeigte sie sich die Präsidenten des Bundesverbands Erneuerbare Energie überzeugt. Auch die heutigen Verbraucher könnten Marktteilnehmer werden, wenn sie Flexibilitäten einbringen können, dies steigere auch die Akzeptanz. „Wir brauchen ein Bundesgesetz und eine Standardisierung für den Artenschutz, um Genehmigungen für erneuerbare Anlagen sicher und schneller zu bekommen.“

Carsten Rolle, Abteilungsleiter für Energie- und Klimapolitik des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), betonte die Bereitschaft seiner Branche, die Energiewende zu vollziehen. Die Industrie brauche aber weiter eine zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung. Die Bundesnetzagentur habe in der letzten Zeit „die Verbraucherschutzbrille“ aufgehabt. Sie müsse jetzt wieder mehr an die Netzbetreiber denken, damit diese auch die Investitionen in die Intelligenz der Netze und die sichere Versorgung garantieren können.

Hans-Martin Henning, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE, stimmte ihm zu, dass Intelligenz in den Netzen auf allen Ebenen ein Schlüssel sei, um den Netzausbau auf das unbedingt Nötige zu begrenzen. Zugleich warnte er davor, „Autarkiegedanken hinterherzujagen“. Regionaler Ausgleich von Erzeugung und Verbrauch sei ein wichtiges Ziel, könne aber nicht alle Probleme lösen. Netzausbau sei trotzdem nötig.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Mittwoch, 26.01.2022, 16:16 Uhr

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