• Strom: Fester Spot erwartet
  • Gas: Uneinheitlich
  • Thelen investiert in Speicher-Start-up
  • Energie Steiermark wird Exklusiv-Partner von "Plug and Play"
  • Auszeichnung für konzentrierte Solartechnik
  • Hauptgeschäftsführer-Pläne sorgen für Wirbel in Neumünster
  • Studie beleuchtet Rechtsfragen rund um PPA
  • Energieaudits nicht vergessen
  • Scharfe Kritik an der Mietrechtsnovelle
  • Eigenbauer: "Die Händler müssen sich an die neuen Verhältnisse gewöhnen"
Bild: JiSign, Fotolia
STUDIEN:
Energiewende belastet einkommensschwache Haushalte besonders stark
Der Anstieg der Strompreise im Zuge der Energiewende trifft Haushalte mit niedrigem Einkommen weitaus mehr als besser Verdienende. Das zeigt eine aktuelle Studie des RWI.
 
Seit dem Jahr 2000 haben sich laut der Untersuchung des RWI - Leibniz Instituts für Wirtschaftsforschung die Strompreise für private Haushalte mehr als verdoppelt. Einkommensschwache Haushalte leiden darunter stärker, weil sie einen größeren Anteil ihres Einkommens für die Finanzierung ihres Energiebedarfs aufwenden müssen.

Laut den Studienergebnissen haben armutsgefährdete Haushalte mit niedrigem Einkommen im Jahr 2016 mehr für Strom bezahlen müssen als für das Heizen und die Warmwassererzeugung. „Armutsgefährdete“ Haushalte sind solche, die über ein Haushaltseinkommen verfügen, dass bei 60 % des Durchschnittseinkommens liegt.

In der Untersuchung wurden insbesondere drei Typen armutsgefährdeter Haushalte betrachtet: armutsgefährdete alleinstehende Rentner, die keine staatlichen Hilfen in Anspruch nehmen oder erhalten, Ein-Personen-Haushalte, die Arbeitslosengeld II beziehen (Hartz IV) sowie armutsgefährdete Drei-Personen-Haushalte.

Erhebliche Verteilungswirkung

Beispielsweise musste ein armutsgefährdeter alleinstehender Rentner im Jahr 2016 rund 50 % mehr für Strom pro Monat bezahlen als noch im Jahr 2006. Während ein armutsgefährdete Drei-Personen-Haushalt im Jahr 2016 knapp 5 % des Einkommens für seine Stromkosten aufwenden musste, betrug dieser Anteil bei wohlhabenderen Haushalten nur rund 1,5 %. „Die Verdopplung der Strompreise seit Einführung des EEG im Jahr 2000 hatte daher erhebliche Verteilungswirkungen zur Folge“, resümiert das RWI.

Für die Studie wurden wurde ein umfangreicher Panel-Datensatz verwendet, den das RWI gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Forsa in jahrelanger Zusammenarbeit im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) aufgebaut hat. Dieser deckt die Jahre 2006 bis 2016 ab und beruht auf zahlreichen Erhebungen.

Sämtliche mit der Energiewende zusammenhängende Abgaben, Umlagen und Steuern wurden betrachtet, inklusive der auf alle diese Preiskomponenten entfallenden Mehrwertsteuer. So hat sich etwa die EEG-Umlage seit 2009 mehr als verfünffacht und ist von 1,31 Ct/kWh auf aktuell 6,79 Ct/kWh angestiegen. Dazu kommen für die Stromverbraucher weitere Lasten wie die Stromsteuer in Höhe von 2,05 Ct/kWh oder die KWK-Umlage. Zudem sei neben einem weiteren Anstieg der EEG-Umlage künftig wegen des notwendigen Netzausbaus mit deutlich steigenden Netzentgelten zu rechnen, verdeutlichen die Autoren.

Mehrwertstuer schlägt mit Milliarden zu Buche

Dass die Mehrwertsteuer in die Kostenbetrachtung einbezogen wird, ist deshalb von Bedeutung, weil die insbesondere auf die EEG-Umlage zu zahlende Mehrwertsteuer mittlerweile auf mehrere Milliarden Euro pro Jahr angewachsen sei. Diese Tatsache verschärfe die Gerechtigkeitslücke bei der Verteilung der Kosten der Energiewende.

Dabei müsse davon ausgegangen werden, dass im Zuge der Energiewende der Strompreis auch in den kommenden Jahren weiter steigen werde. Dies gelte insbesondere angesichts der stark gestiegenen Preise für Emissionszertifikate, die sich in der Steigerung der Börsenstrompreise bemerkbar machen. „Damit stellt sich immer drängender die Frage nach Maßnahmen zur Abschwächung von weiteren Strompreisanstiegen und zur sozialen Abfederung ihrer regressiven Wirkungen“, betonen die Autoren.

Stromsteuer abschaffen und mehr Kosteneffizienz durch Netzausbau

Entlastungsmöglichkeiten sehen sie etwa dadurch, dass die Kosten des weiteren Erneuerbaren-Ausbaus aus dem Staatshaushalt finanziert werden. Dazu verweisen sie auf einen Vorschlag des Verbandes der Chemischen Industrie. Zudem stelle sich die Frage, „ob an der Erhebung der Stromsteuer festgehalten werden muss, wenn sich der Preisanstieg für Zertifikate nicht nur dauerhaft als nachhaltig erweist, sondern sich noch weiter verstärkt“. Die Einnahmen könnten dann genutzt werden, um aktuell den aus der Stromsteuer finanzierten Zuschuss in die Rentenkassen zu ersetzen.

„Um künftige Strompreisanstiege zu dämpfen, sollte die Kosteneffizienz beim künftigen Ausbau der regenerative Energietechnologien oberste Priorität haben“, sagt der Leiter des Kompetenzbereichs „Umwelt und Ressourcen“ am RWI und Co-Autor der Studie, Manuel Frondel. Er plädiert vor allem dafür, den Ausbau der erneuerbaren Energien mit dem Netzausbau zu synchronisieren, „um unnötig hohe Kosten bei der Aufrechterhaltung der Netzstabilität und weitere Ineffizienzen zu vermeiden“.
 
Weitere Details finden sich in dem Artikel „Der Preis der Energiewende: Anstieg der Kostenbelastung einkommensschwacher Haushalte“   der in Heft 128 der RWI-Materialen veröffentlicht wurde.
 
 
 
 
 

Angelika Nikionok-Ehrlich
Redakteurin
+49 (0) 170 / 2383219
eMail
facebook
© 2018 Energie & Management GmbH
Freitag, 07.12.2018, 09:27 Uhr

Mehr zum Thema