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Energie & Management > Gas - Neue Vorgehensweise und etwas Entspannung
Quelle: Shutterstock / Dabarti CGI
Gas

Neue Vorgehensweise und etwas Entspannung

Die Trading Hub Europe GmbH (THE) plant, die Vorgehensweise bei der Ein- und Auspeicherung von Gas zu diversifizieren. Insgesamt scheint sich die Lage etwas zu entspannen.
Ende April war das Energiewirtschaftsgesetz dahingehend geändert worden, dass die Bundesregierung Regelungen für die Befüllung der Gasspeicher treffen und Füllstandsvorgaben machen kann. Auf dieser Basis beschafft die Trading Hub Europe GmbH (THE) als Markgebietsverantwortliche seit Anfang Juni Gas zur Einspeicherung. Das ist Bestandteil der sogenannten "Stufe 3".

Jetzt hat das Unternehmen bekannt gegeben, dass es die Vorgehensweise zeitnah diversifizieren möchte. Dabei sollen für die Einspeicherung sowie eine spätere Ausspeicherung neben dem Spotmarkt auch der Terminmarkt genutzt werden. So will man erreichen, dass ein Teil dieser nach Stufe 3 beschafften Gasmengen, "dem Markt auf einer preislich abgesicherten Basis zur Verfügung gestellt werden". THE erwartet sich davon eine Förderung der Liquidität am Handelspunkt, vor allem während der Ausspeicherphase.

Erst Anfang September hatte der Marktgebietsverantwortliche die Beschreibung eines neuen Regelenergieproduktes mit der Bezeichnung Load Reduction (LRD) veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht hier die Aktivierung von Abschaltpotenzialen: Industrielle Verbraucher können solche dem Regelenergiemarkt zur Verfügung stellen. Der Abruf soll kurzfristig erfolgen können. Der Anbieter hat die Möglichkeit, Vorlaufzeiten und Preismodelle auszuwählen. Die Angebotsabgabe soll ab Mitte September möglich sein, ein Abruf frühestens ab 1. Oktober erfolgen können.

Speicherziel für Oktober schon überschritten

Das Speicherziel für Gas liegt in Deutschland bei 85 % für den 1. Oktober und 95 % am 1. November. Der Oktoberwert ist dabei bereits überschritten. Am Montag, 12. September, meldete die Bundesnetzagentur einen Stand von 87,95 %. Und das, obwohl mittlerweile gar kein Gas mehr über Nord Stream 1 fließt und der russische Botschafter in Berlin, Sergej Netschajewh, erklärt hat, dass dies vermutlich auch so bleiben werde. In einem Interview mit der Tageszeitung Iswestija schloss er eine Wiederinbetriebnahme unter den derzeitigen Bedingungen aus.

Als Grund wird ein angeblicher Defekt an einer Turbine angegeben. Beobachter gehen aber davon aus, dass das erneut nur vorgeschoben ist. Offensichtlich will Russland auf diese Weise eine Inbetriebnahme von Nord Stream 2 erzwingen: Deren Öffnung stehe, wie es von russischer Seite hieß, nichts entgegen. Die Bundesregierung hatte das Genehmigungsverfahren für Nord Stream 2 im Februar kurz vor dem russischen Angriff auf die Ukraine auf Eis gelegt.

Unterdessen zeigen sich auch Wirtschaftsexperten wieder zuversichtlicher, was den Gasmarkt angeht. Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding findet die Nachrichten über die Füllstände europäischer Gasspeicher und den Rückgang der Großhandelspreise für Gas ermutigend. "Obwohl Putin die Nord-Stream-1-Pipeline am 31. August geschlossen hat, füllt die EU ihre Gasspeicher weiterhin in einem etwas langsameren, aber immer noch zufriedenstellenden Tempo", schrieb Schmieding in einem Kommentar. Das Risiko, dass das Gas im kommenden Winter rationiert werden muss, bleibe zwar bestehen, nehme aber von Woche zu Woche ein wenig ab.

Verhaltene Zuversicht bei der Preisentwicklung

Der Rückgang der Großhandelspreise für Gas auf 190 Euro/MWh für den Benchmark-Frontmonatsvertrag ist laut Schmieding aber eventuell nicht von Dauer. Möglicherweise sei er von der übertriebenen Hoffnung getrieben, dass der Krieg bald zu Ende sein könnte und Russland dann die Leitungen wieder öffnen würde.

Dennoch könnte die wachsende Zuversicht, dass Europa nun weniger abhängig von Russland ist und den Winter ohne verzweifelte Maßnahmen überstehen kann, Schmieding zufolge dazu beitragen, den Markt zu beruhigen −, selbst wenn sich der Krieg weiter hinziehen sollte. "Sollten die Preise deutlich unter 200 Euro bleiben, könnte die Rezession in Europa geringer ausfallen und der Höhepunkt der Inflation niedriger sein, als wir derzeit prognostizieren", schreibt Schmieding.

Dienstag, 13.09.2022, 13:39 Uhr
Gnter Drewnitzky
Energie & Management > Gas - Neue Vorgehensweise und etwas Entspannung
Quelle: Shutterstock / Dabarti CGI
Gas
Neue Vorgehensweise und etwas Entspannung
Die Trading Hub Europe GmbH (THE) plant, die Vorgehensweise bei der Ein- und Auspeicherung von Gas zu diversifizieren. Insgesamt scheint sich die Lage etwas zu entspannen.
Ende April war das Energiewirtschaftsgesetz dahingehend geändert worden, dass die Bundesregierung Regelungen für die Befüllung der Gasspeicher treffen und Füllstandsvorgaben machen kann. Auf dieser Basis beschafft die Trading Hub Europe GmbH (THE) als Markgebietsverantwortliche seit Anfang Juni Gas zur Einspeicherung. Das ist Bestandteil der sogenannten "Stufe 3".

Jetzt hat das Unternehmen bekannt gegeben, dass es die Vorgehensweise zeitnah diversifizieren möchte. Dabei sollen für die Einspeicherung sowie eine spätere Ausspeicherung neben dem Spotmarkt auch der Terminmarkt genutzt werden. So will man erreichen, dass ein Teil dieser nach Stufe 3 beschafften Gasmengen, "dem Markt auf einer preislich abgesicherten Basis zur Verfügung gestellt werden". THE erwartet sich davon eine Förderung der Liquidität am Handelspunkt, vor allem während der Ausspeicherphase.

Erst Anfang September hatte der Marktgebietsverantwortliche die Beschreibung eines neuen Regelenergieproduktes mit der Bezeichnung Load Reduction (LRD) veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht hier die Aktivierung von Abschaltpotenzialen: Industrielle Verbraucher können solche dem Regelenergiemarkt zur Verfügung stellen. Der Abruf soll kurzfristig erfolgen können. Der Anbieter hat die Möglichkeit, Vorlaufzeiten und Preismodelle auszuwählen. Die Angebotsabgabe soll ab Mitte September möglich sein, ein Abruf frühestens ab 1. Oktober erfolgen können.

Speicherziel für Oktober schon überschritten

Das Speicherziel für Gas liegt in Deutschland bei 85 % für den 1. Oktober und 95 % am 1. November. Der Oktoberwert ist dabei bereits überschritten. Am Montag, 12. September, meldete die Bundesnetzagentur einen Stand von 87,95 %. Und das, obwohl mittlerweile gar kein Gas mehr über Nord Stream 1 fließt und der russische Botschafter in Berlin, Sergej Netschajewh, erklärt hat, dass dies vermutlich auch so bleiben werde. In einem Interview mit der Tageszeitung Iswestija schloss er eine Wiederinbetriebnahme unter den derzeitigen Bedingungen aus.

Als Grund wird ein angeblicher Defekt an einer Turbine angegeben. Beobachter gehen aber davon aus, dass das erneut nur vorgeschoben ist. Offensichtlich will Russland auf diese Weise eine Inbetriebnahme von Nord Stream 2 erzwingen: Deren Öffnung stehe, wie es von russischer Seite hieß, nichts entgegen. Die Bundesregierung hatte das Genehmigungsverfahren für Nord Stream 2 im Februar kurz vor dem russischen Angriff auf die Ukraine auf Eis gelegt.

Unterdessen zeigen sich auch Wirtschaftsexperten wieder zuversichtlicher, was den Gasmarkt angeht. Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding findet die Nachrichten über die Füllstände europäischer Gasspeicher und den Rückgang der Großhandelspreise für Gas ermutigend. "Obwohl Putin die Nord-Stream-1-Pipeline am 31. August geschlossen hat, füllt die EU ihre Gasspeicher weiterhin in einem etwas langsameren, aber immer noch zufriedenstellenden Tempo", schrieb Schmieding in einem Kommentar. Das Risiko, dass das Gas im kommenden Winter rationiert werden muss, bleibe zwar bestehen, nehme aber von Woche zu Woche ein wenig ab.

Verhaltene Zuversicht bei der Preisentwicklung

Der Rückgang der Großhandelspreise für Gas auf 190 Euro/MWh für den Benchmark-Frontmonatsvertrag ist laut Schmieding aber eventuell nicht von Dauer. Möglicherweise sei er von der übertriebenen Hoffnung getrieben, dass der Krieg bald zu Ende sein könnte und Russland dann die Leitungen wieder öffnen würde.

Dennoch könnte die wachsende Zuversicht, dass Europa nun weniger abhängig von Russland ist und den Winter ohne verzweifelte Maßnahmen überstehen kann, Schmieding zufolge dazu beitragen, den Markt zu beruhigen −, selbst wenn sich der Krieg weiter hinziehen sollte. "Sollten die Preise deutlich unter 200 Euro bleiben, könnte die Rezession in Europa geringer ausfallen und der Höhepunkt der Inflation niedriger sein, als wir derzeit prognostizieren", schreibt Schmieding.

Dienstag, 13.09.2022, 13:39 Uhr
Gnter Drewnitzky

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