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Energie & Management > Studien - EWI rät zu zeitvariablen Umlagen am Kapazitätsmarkt
Quelle: alphaspirit / Fotolia
Studien

EWI rät zu zeitvariablen Umlagen am Kapazitätsmarkt

Die Kosten für den Kapazitätsmarkt sollten nach einer EWI-Studie durch dynamische Umlagen gedeckt werden. Die Konsumentenrente stiege so um rund 400 Millionen Euro pro Jahr, heißt es.
Wer für den Kapazitätsmarkt zahlt, steht außer Frage, doch fraglich ist noch, wie die neue Umlage auf die Verbraucher ausgestaltet wird. Das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI) hat ein Arbeitspapier veröffentlicht, in dem die Autoren unterschiedliche Umlagedesigns anhand einer Simulation des deutschen Strommarkts vergleichen. Die Forschenden quantifizieren die Auswirkungen pauschaler Umlagen, die unabhängig von Zeitpunkt und Knappheit für jede verbrauchte Kilowattstunde anfallen, und zeitvariabler Umlagen, die nur in wenigen Stunden erhoben werden. 

Die Studie greift drei grundlegende Umlageformen auf. Bei einer pauschalen („Flat“) Umlage werden die Kosten gleichmäßig über alle Stunden des Jahres verteilt. Zeitvariable („Time-of-Use“) Umlagen konzentrieren sich auf vorab definierte Hochlastzeiten, während dynamische Umlagen ausschließlich in erwarteten oder tatsächlichen Knappheitssituationen erhoben werden. Je stärker sich die Umlage an realen Knappheitsbedingungen orientiert, desto präziser spiegelt sie die tatsächlichen Kosten der Versorgungssicherheit wider und desto wirksamer werden Flexibilitätsanreize gesetzt. Zur Quantifizierung der Effekte konzipieren die Autoren ein partielles Gleichgewichtsmodell des Stromsystems für das Jahr 2040, das Energie- und Kapazitätsmarkt miteinander koppelt und erstmals auch die Rückverteilung der Kapazitätskosten an „preiselastische“ Verbraucher explizit modelliert.

3 GW weniger Bedarf an gesicherter Leistung

„Zeitvariable Umlagen senken im Vergleich zu einer pauschalen Umlage den Bedarf an gesicherter Kapazität um bis zu 3 GW“, resümieren sie. Zudem erhöhten zeitvariable Umlagen die sogenannte Konsumentenrente – die Differenz aus Nutzen und Kosten des Stromverbrauchs für Verbraucher – um etwa 400 Millionen Euro pro Jahr, heißt es. 

„Mit fortschreitender Elektrifizierung und Digitalisierung könnten ihre Vorteile künftig noch stärker zum Tragen kommen, da Verbraucher zunehmend flexibel auf Preissignale reagieren können“, kommentiert Studienautor Oliver Ruhnau. Dynamische Umlagen könnten die Elektrifizierung sogar günstiger machen, wenn beispielsweise Elektroautos in Knappheitssituationen nicht laden und deshalb auch keine Umlage bezahlen müssten, so der Juniorprofessor am EWI.
 
 
Kapazitätsbedarf und Konsumentenrente in Abhängigkeit des Kapazitätsmarktumlagendesigns
(Zum Vergrößern auf die Grafik klicken)
Quelle: EWI-Institut

Die Experten des An-Instituts, das von Unternehmen und Verbänden der Energiewirtschaft gefördert wird, weisen darüber hinaus auf Auswirkungen auf den Kraftwerkspark hin. Während pauschale Umlagen Investitionen in thermische Erzeugungskapazitäten begünstigen und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien verschlechtern, verschieben kostenreflektierende Umlagen die Investitionsanreize zugunsten von Windenergie und anderer erneuerbarer Technologien, schlussfolgern sie. Die stärkere Nachfrageflexibilität reduziere den Bedarf an gesicherter fossiler Leistung und trage indirekt zu einer erneuerbaren Erzeugungsstruktur bei.

Weichenstellung durch EU-Beihilferahmen

Die Autoren richten in der Studie ihren Blick auch ins europäische Ausland. Während Deutschland und Belgien bislang überwiegend pauschale Umlagen verwenden, setzen mehrere andere europäische Länder bereits auf zeitvariable Ansätze. Time-of-Use-Ansätze gibt es demnach in Großbritannien, Irland, Polen, Schweden und Italien. Frankreich verfügt bereits über ein dynamisches System, bei dem Kapazitätskosten an tatsächlich erwartete Knappheitssituationen gekoppelt sind. 

Die Bundesregierung plant die Einführung eines zentralen Kapazitätsmarktes, der ab Anfang der 2030er Jahre die Finanzierung gesicherter Leistung übernehmen soll. Nach den bislang veröffentlichten Eckpunkten sollen die Kosten grundsätzlich von den Stromverbrauchern getragen werden. Entscheidend ist jedoch die europäische Regulierung: Nach dem neuen EU-Beihilferahmen (CISAF) sollen mindestens 90 Prozent der Kosten auf die ein bis fünf Prozent der Stunden mit den höchsten Strompreisen verteilt werden. Damit wäre eine reine Arbeitspreisumlage über alle Kilowattstunden kaum noch mit den europäischen Vorgaben vereinbar. Die regulatorische Entwicklung spreche klar für eine stärkere Konzentration der Umlagen auf Knappheitszeiten und gegen pauschale Kostenverteilungen, so die Forschenden.

Das Arbeitspapier mit dem Titel „The design and implications of demand charges in electricity capacity markets“ steht auf der Website des EWI als Download bereit.

Montag, 29.06.2026, 15:15 Uhr
Manfred Fischer
Energie & Management > Studien - EWI rät zu zeitvariablen Umlagen am Kapazitätsmarkt
Quelle: alphaspirit / Fotolia
Studien
EWI rät zu zeitvariablen Umlagen am Kapazitätsmarkt
Die Kosten für den Kapazitätsmarkt sollten nach einer EWI-Studie durch dynamische Umlagen gedeckt werden. Die Konsumentenrente stiege so um rund 400 Millionen Euro pro Jahr, heißt es.
Wer für den Kapazitätsmarkt zahlt, steht außer Frage, doch fraglich ist noch, wie die neue Umlage auf die Verbraucher ausgestaltet wird. Das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI) hat ein Arbeitspapier veröffentlicht, in dem die Autoren unterschiedliche Umlagedesigns anhand einer Simulation des deutschen Strommarkts vergleichen. Die Forschenden quantifizieren die Auswirkungen pauschaler Umlagen, die unabhängig von Zeitpunkt und Knappheit für jede verbrauchte Kilowattstunde anfallen, und zeitvariabler Umlagen, die nur in wenigen Stunden erhoben werden. 

Die Studie greift drei grundlegende Umlageformen auf. Bei einer pauschalen („Flat“) Umlage werden die Kosten gleichmäßig über alle Stunden des Jahres verteilt. Zeitvariable („Time-of-Use“) Umlagen konzentrieren sich auf vorab definierte Hochlastzeiten, während dynamische Umlagen ausschließlich in erwarteten oder tatsächlichen Knappheitssituationen erhoben werden. Je stärker sich die Umlage an realen Knappheitsbedingungen orientiert, desto präziser spiegelt sie die tatsächlichen Kosten der Versorgungssicherheit wider und desto wirksamer werden Flexibilitätsanreize gesetzt. Zur Quantifizierung der Effekte konzipieren die Autoren ein partielles Gleichgewichtsmodell des Stromsystems für das Jahr 2040, das Energie- und Kapazitätsmarkt miteinander koppelt und erstmals auch die Rückverteilung der Kapazitätskosten an „preiselastische“ Verbraucher explizit modelliert.

3 GW weniger Bedarf an gesicherter Leistung

„Zeitvariable Umlagen senken im Vergleich zu einer pauschalen Umlage den Bedarf an gesicherter Kapazität um bis zu 3 GW“, resümieren sie. Zudem erhöhten zeitvariable Umlagen die sogenannte Konsumentenrente – die Differenz aus Nutzen und Kosten des Stromverbrauchs für Verbraucher – um etwa 400 Millionen Euro pro Jahr, heißt es. 

„Mit fortschreitender Elektrifizierung und Digitalisierung könnten ihre Vorteile künftig noch stärker zum Tragen kommen, da Verbraucher zunehmend flexibel auf Preissignale reagieren können“, kommentiert Studienautor Oliver Ruhnau. Dynamische Umlagen könnten die Elektrifizierung sogar günstiger machen, wenn beispielsweise Elektroautos in Knappheitssituationen nicht laden und deshalb auch keine Umlage bezahlen müssten, so der Juniorprofessor am EWI.
 
 
Kapazitätsbedarf und Konsumentenrente in Abhängigkeit des Kapazitätsmarktumlagendesigns
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Die Experten des An-Instituts, das von Unternehmen und Verbänden der Energiewirtschaft gefördert wird, weisen darüber hinaus auf Auswirkungen auf den Kraftwerkspark hin. Während pauschale Umlagen Investitionen in thermische Erzeugungskapazitäten begünstigen und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien verschlechtern, verschieben kostenreflektierende Umlagen die Investitionsanreize zugunsten von Windenergie und anderer erneuerbarer Technologien, schlussfolgern sie. Die stärkere Nachfrageflexibilität reduziere den Bedarf an gesicherter fossiler Leistung und trage indirekt zu einer erneuerbaren Erzeugungsstruktur bei.

Weichenstellung durch EU-Beihilferahmen

Die Autoren richten in der Studie ihren Blick auch ins europäische Ausland. Während Deutschland und Belgien bislang überwiegend pauschale Umlagen verwenden, setzen mehrere andere europäische Länder bereits auf zeitvariable Ansätze. Time-of-Use-Ansätze gibt es demnach in Großbritannien, Irland, Polen, Schweden und Italien. Frankreich verfügt bereits über ein dynamisches System, bei dem Kapazitätskosten an tatsächlich erwartete Knappheitssituationen gekoppelt sind. 

Die Bundesregierung plant die Einführung eines zentralen Kapazitätsmarktes, der ab Anfang der 2030er Jahre die Finanzierung gesicherter Leistung übernehmen soll. Nach den bislang veröffentlichten Eckpunkten sollen die Kosten grundsätzlich von den Stromverbrauchern getragen werden. Entscheidend ist jedoch die europäische Regulierung: Nach dem neuen EU-Beihilferahmen (CISAF) sollen mindestens 90 Prozent der Kosten auf die ein bis fünf Prozent der Stunden mit den höchsten Strompreisen verteilt werden. Damit wäre eine reine Arbeitspreisumlage über alle Kilowattstunden kaum noch mit den europäischen Vorgaben vereinbar. Die regulatorische Entwicklung spreche klar für eine stärkere Konzentration der Umlagen auf Knappheitszeiten und gegen pauschale Kostenverteilungen, so die Forschenden.

Das Arbeitspapier mit dem Titel „The design and implications of demand charges in electricity capacity markets“ steht auf der Website des EWI als Download bereit.

Montag, 29.06.2026, 15:15 Uhr
Manfred Fischer

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