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Energie & Management > Politik - „Da muss Druck auf den Kessel“
Kerstin Andreae, Mona Neubaur, Niels Ellwanger, Markus Krebber und Ursula Heinen-Esser bei der Eröffnungs-Pressekonferenz 2026. Quelle: Katia Meyer-Tien
Politik

„Da muss Druck auf den Kessel“

Mit einem kraftvollen Bekenntnis zur Notwendigkeit des Erneuerbaren-Ausbaus und Forderungen nach schnellen und verlässlichen politischen Entscheidungen ist die E-world gestartet.
Kraftwerksstrategie, EEG-Novelle, Gebäudemodernisierungsgesetz und jetzt auch noch der unlängst publik gewordene Gesetzesentwurf für ein „Netzpaket“: „2026 wird ein Schlüsseljahr werden“, sagt nicht nur die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) bei der Pressekonferenz anlässlich der Eröffnung der diesjährigen E-world. „Jetzt werden grundlegende Weichen für den Energiemarkt der Zukunft gestellt.“

Von zentraler Bedeutung sei dabei die Kraftwerksstrategie. Jetzt, wo es eine Einigung mit der EU-Kommission gebe, entscheide die Ausgestaltung der Ausschreibung, die noch in diesem Sommer kommen müsste. „Und da braucht es vor allen Dingen Tempo“, sagte Neubaur: „Geschwindigkeit ist an dieser Stelle kein Nice to Have, sondern systemkritisch.“ Unverzichtbar sei dabei, dass die neuen Kraftwerke perspektivisch auf Wasserstoff umgestellt werden können: „Das ist keine grüne Ideologie, das ist Marktwirtschaft: Ohne die Kraftwerke als Ankerkunden kann das Wasserstoffnetz niemals wirtschaftlich betrieben werden.“ Entstehen müssten sie dort, wo sie systemisch gebraucht werden: Wo Kapazitäten vom Netz gehen und wo Verbrauchsschwerpunkte sind. Das selbe gelte für den Kapazitätsmechanismus. „Wir brauchen einen verlässlichen Rahmen und wir brauchen Geschwindigkeit.“ Und auch beim Ausbau der Netze müsse es schnell gehen, „aber wir müssen dabei die Menschen mitnehmen“.

„Wenigstens ein Grundkonsens“

Geschwindigkeit mahnte auch der Vorstandsvorsitzende des Energieversorgers RWE, Markus Krebber, an. Insbesondere bei den Kraftwerksausschreibungen und beim Kapazitätsmarkt: „Da muss Druck auf den Kessel“. Bei der Gestaltung des Kapazitätsmarktes solle man sich an funktionierenden Modellen der Nachbarländer orientieren: „Und dann: Copy und Paste“, Anpassungen seien später immer möglich. Ein Vorgehen, dass auch die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des BDEW, Kerstin Andreae, befürwortet, insbesondere im Hinblick auf die Genehmigungsprozesse in Brüssel: „Wenn wir etwas ganz eigenes entwickeln, dauern die Prüfverfahren deutlich länger.“

Überhaupt fordert der RWE-Chef mehr Pragmatismus. „Wir als Unternehmen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen statt Grundsatzdiskussionen“, sagte er. Die Investitionszyklen der Unternehmen seien fünf Jahre oder länger, Legislaturzyklen seien vier Jahre oder kürzer: „Wenn wir nicht mindestens einen Grundkonsens darüber haben, wo wir in der Energieversorgung hinwollen, dann wird nicht mehr investiert.“

Die Energieversorgung durchlebe momentan eine Phase der historischen Veränderung, sagte Krebber. Steigende Elektritätsnachfrage treffe zusammen mit geopolitischen Unsicherheiten. „Wir brauchen ein Energiesystem, das so gebaut ist, die höhere Nachfrage zu bedienen, Abhängigkeiten zu reduzieren, aber auch Schocks absorbieren zu können“. Dafür sei ein Zubau an Erzeugungskapazität erforderlich. „Erneuerbare, einmal gebaut, reduzieren die Abhängigkeit und erhöhen die Resilienz.“

Zunehmend werde dabei sichtbar, dass der Netzausbau zum Nadelöhr wird, weshalb der schnelle und kosteneffiziente Netzausbau der Schlüssel der Zukunftsfähigkeit sei: „Erneuerbare langsamer ausbauen, weil die Netze nicht da sind, wird uns nicht in die Zukunft katapultieren“.

„Den Erneuerbaren kann man nicht den Hahn abdrehen“

Der jetzt bekannt gewordene Entwurf des Netzpakets stößt dabei allerdings auf Skepsis. Ursula Heinen-Esser, Präsidentin des BEE, kritisiert vor allem den vorgeschlagenen Redispatchvorbehalt als mögliches Investitionshemmnis. Mit den Möglichkeiten zur Überbauung von Netzanschlüssen, der Abschaffung des Windhundprinzips oder mehr Digitalisierung gebe es eine Vielzahl anderer Möglichkeiten, den Netzausbau zu gestalten.

Kerstin Andreae betonte in diesem Zusammenhang die Vorteile des Reifegradverfahrens, das die Vergabe von Netzanschlüssen in Abhängigkeit vom Projektfortschritt ermöglicht. Auch sie sieht den vorliegenden Gesetzesentwurf kritisch: „Wir sind gespannt auf die Ergebnisse der Ressortabstimmung.“

Insgesamt warb sie für einen positiven Blick auf die Fortschritte der Energiewende, deren Notwendigkeit nicht nur eine Frage des Klimaschutzes sei, sondern auch eine Antwort auf die neuen geopolitischen Gegebenheiten: „Sie können den Erneuerbaren nicht den Hahn abdrehen“, argumentierte sie ähnlich wie der RWE-Vorstandsvorsitzende Krebber. Der Erneuerbaren-Ausbau spare Kosten für den Import fossiler Brennstoffe und schaffe ein resilientes Versorgungssystem. „Wir können und sollten eine Botschaft an die Zweifler senden: Wir haben eine hochvitale Branche, die Lösungen findet. Die Energiewende geht voran.“

Dienstag, 10.02.2026, 15:31 Uhr
Katia Meyer-Tien
Energie & Management > Politik - „Da muss Druck auf den Kessel“
Kerstin Andreae, Mona Neubaur, Niels Ellwanger, Markus Krebber und Ursula Heinen-Esser bei der Eröffnungs-Pressekonferenz 2026. Quelle: Katia Meyer-Tien
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„Da muss Druck auf den Kessel“
Mit einem kraftvollen Bekenntnis zur Notwendigkeit des Erneuerbaren-Ausbaus und Forderungen nach schnellen und verlässlichen politischen Entscheidungen ist die E-world gestartet.
Kraftwerksstrategie, EEG-Novelle, Gebäudemodernisierungsgesetz und jetzt auch noch der unlängst publik gewordene Gesetzesentwurf für ein „Netzpaket“: „2026 wird ein Schlüsseljahr werden“, sagt nicht nur die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) bei der Pressekonferenz anlässlich der Eröffnung der diesjährigen E-world. „Jetzt werden grundlegende Weichen für den Energiemarkt der Zukunft gestellt.“

Von zentraler Bedeutung sei dabei die Kraftwerksstrategie. Jetzt, wo es eine Einigung mit der EU-Kommission gebe, entscheide die Ausgestaltung der Ausschreibung, die noch in diesem Sommer kommen müsste. „Und da braucht es vor allen Dingen Tempo“, sagte Neubaur: „Geschwindigkeit ist an dieser Stelle kein Nice to Have, sondern systemkritisch.“ Unverzichtbar sei dabei, dass die neuen Kraftwerke perspektivisch auf Wasserstoff umgestellt werden können: „Das ist keine grüne Ideologie, das ist Marktwirtschaft: Ohne die Kraftwerke als Ankerkunden kann das Wasserstoffnetz niemals wirtschaftlich betrieben werden.“ Entstehen müssten sie dort, wo sie systemisch gebraucht werden: Wo Kapazitäten vom Netz gehen und wo Verbrauchsschwerpunkte sind. Das selbe gelte für den Kapazitätsmechanismus. „Wir brauchen einen verlässlichen Rahmen und wir brauchen Geschwindigkeit.“ Und auch beim Ausbau der Netze müsse es schnell gehen, „aber wir müssen dabei die Menschen mitnehmen“.

„Wenigstens ein Grundkonsens“

Geschwindigkeit mahnte auch der Vorstandsvorsitzende des Energieversorgers RWE, Markus Krebber, an. Insbesondere bei den Kraftwerksausschreibungen und beim Kapazitätsmarkt: „Da muss Druck auf den Kessel“. Bei der Gestaltung des Kapazitätsmarktes solle man sich an funktionierenden Modellen der Nachbarländer orientieren: „Und dann: Copy und Paste“, Anpassungen seien später immer möglich. Ein Vorgehen, dass auch die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des BDEW, Kerstin Andreae, befürwortet, insbesondere im Hinblick auf die Genehmigungsprozesse in Brüssel: „Wenn wir etwas ganz eigenes entwickeln, dauern die Prüfverfahren deutlich länger.“

Überhaupt fordert der RWE-Chef mehr Pragmatismus. „Wir als Unternehmen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen statt Grundsatzdiskussionen“, sagte er. Die Investitionszyklen der Unternehmen seien fünf Jahre oder länger, Legislaturzyklen seien vier Jahre oder kürzer: „Wenn wir nicht mindestens einen Grundkonsens darüber haben, wo wir in der Energieversorgung hinwollen, dann wird nicht mehr investiert.“

Die Energieversorgung durchlebe momentan eine Phase der historischen Veränderung, sagte Krebber. Steigende Elektritätsnachfrage treffe zusammen mit geopolitischen Unsicherheiten. „Wir brauchen ein Energiesystem, das so gebaut ist, die höhere Nachfrage zu bedienen, Abhängigkeiten zu reduzieren, aber auch Schocks absorbieren zu können“. Dafür sei ein Zubau an Erzeugungskapazität erforderlich. „Erneuerbare, einmal gebaut, reduzieren die Abhängigkeit und erhöhen die Resilienz.“

Zunehmend werde dabei sichtbar, dass der Netzausbau zum Nadelöhr wird, weshalb der schnelle und kosteneffiziente Netzausbau der Schlüssel der Zukunftsfähigkeit sei: „Erneuerbare langsamer ausbauen, weil die Netze nicht da sind, wird uns nicht in die Zukunft katapultieren“.

„Den Erneuerbaren kann man nicht den Hahn abdrehen“

Der jetzt bekannt gewordene Entwurf des Netzpakets stößt dabei allerdings auf Skepsis. Ursula Heinen-Esser, Präsidentin des BEE, kritisiert vor allem den vorgeschlagenen Redispatchvorbehalt als mögliches Investitionshemmnis. Mit den Möglichkeiten zur Überbauung von Netzanschlüssen, der Abschaffung des Windhundprinzips oder mehr Digitalisierung gebe es eine Vielzahl anderer Möglichkeiten, den Netzausbau zu gestalten.

Kerstin Andreae betonte in diesem Zusammenhang die Vorteile des Reifegradverfahrens, das die Vergabe von Netzanschlüssen in Abhängigkeit vom Projektfortschritt ermöglicht. Auch sie sieht den vorliegenden Gesetzesentwurf kritisch: „Wir sind gespannt auf die Ergebnisse der Ressortabstimmung.“

Insgesamt warb sie für einen positiven Blick auf die Fortschritte der Energiewende, deren Notwendigkeit nicht nur eine Frage des Klimaschutzes sei, sondern auch eine Antwort auf die neuen geopolitischen Gegebenheiten: „Sie können den Erneuerbaren nicht den Hahn abdrehen“, argumentierte sie ähnlich wie der RWE-Vorstandsvorsitzende Krebber. Der Erneuerbaren-Ausbau spare Kosten für den Import fossiler Brennstoffe und schaffe ein resilientes Versorgungssystem. „Wir können und sollten eine Botschaft an die Zweifler senden: Wir haben eine hochvitale Branche, die Lösungen findet. Die Energiewende geht voran.“

Dienstag, 10.02.2026, 15:31 Uhr
Katia Meyer-Tien

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