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Energie & Management > Veranstaltung - Wasserstoffhochlauf muss in den Markt
HB-Wasserstoffkogress in Berlin Quelle: Susanne Harmsen
Veranstaltung

Wasserstoffhochlauf muss in den Markt

Bei einer Wasserstoffkonferenz in Berlin diskutierten Branchenvertreter über Infrastruktur, Nachfrage und Investitionen. 
Der Wasserstoffmarkt tritt nach Einschätzung von Vertretern aus Industrie, Infrastruktur und Verbänden in eine Phase ein, in der konkrete Investitionsentscheidungen wichtiger werden als weitere Strategien und Zielbilder. Beim Handelsblatt-Wasserstoffkongress am 29. September in Berlin standen deshalb die wirtschaftliche Tragfähigkeit von Projekten, der Aufbau der Infrastruktur und verlässliche Absatzmärkte im Mittelpunkt.

Jorgo Chatzimarkakis, CEO des Branchenverbands Hydrogen Europe in Brüssel, verwies auf anstehende Entscheidungen auf EU-Ebene. Die EU-Generaldirektorin für Energie, Celine Gauer, habe zugesagt, dass im Dezember ein weiterer delegierter Rechtsakt der EU zum Wasserstoff vorgelegt werde, sagte er.

Für den Aufbau eines europäischen Marktes brauche es aus seiner Sicht weitere industriepolitische Vorgaben. Der von der Europäischen Kommission im März 2026 vorgeschlagene Industrial Accelerator Act (IAA) soll unter anderem die Nachfrage nach CO2-armen und in der EU hergestellten Produkten über öffentliche Beschaffung und Förderprogramme stärken. Die Kommission will damit auch Genehmigungsverfahren vereinfachen.

Der Vorschlag befindet sich noch im europäischen Gesetzgebungsverfahren. Chatzimarkakis sieht darin auch einen möglichen Ansatz für den Wasserstoffmarkt. Der Industrial Act müsse dafür sorgen, dass europäische Projekte etwa bei Elektrolyseuren gegenüber Importen aus China bessere Marktchancen erhalten. Auch der Einsatz von grünem Stahl könne über Vorgaben bei öffentlichen Bauprojekten wie im Infrastrukturpaket Deutschlands einen Leitmarkt schaffen, sagte er.

Infrastruktur muss nachziehen

Werner Ponikwar, CEO des Elektrolyseurherstellers Thyssenkrupp Nucera aus Dortmund, verwies auf die bereits vorhandenen Anwendungen. Punktuelle Inselprojekte funktionierten, sagte er. Was nun nachziehen müsse, sei die Transportinfrastruktur. Für die Wirtschaftlichkeit der Wasserstoffproduktion spielt nach seiner Darstellung der Strompreis eine zentrale Rolle. Für die Herstellung von einem Kilogramm Wasserstoff durch Elektrolyse seien etwa 50 kWh Strom erforderlich. Damit werde der Strompreis unmittelbar zu einem wesentlichen Bestandteil der Wasserstoffkosten.

Gleichzeitig warnte Ponikwar vor einer Schwächung der verbindlichen Nachfrage. Wenn diese Verbindlichkeit aufgeweicht werde, könne der beginnende Wasserstoffhochlauf ins Stocken geraten, sagte er. Eine wichtige Rolle spiele dabei die Raffinerieroute. Sie könne Nachfrage garantieren, doch dürfe die EU grüne Quoten nicht wieder aufweichen.

„Frankreich, Deutschland, Belgien und Spanien könnten zunächst einen ausreichend großen Markt bilden“, sagte Ponikwar. Die deutsche Industrie sieht der Manager trotz der Konkurrenz aus China weiterhin als wettbewerbsfähig. Chinesische Anbieter profitierten allerdings von staatlicher Unterstützung, sagte er.
 
Diskussionsrunde (v.li.): Werner Ponikwar (Thyssenkrupp Nucera) und Jorgo Chatzimarkakis (Hydrogen Europe) im Gespräch mit Klaus Stratmann (HB)
Quelle: Susanne Harmsen

Von der Strategie zur Umsetzung

Jasmin Kaboni-Voit, Vizepräsidentin des Deutschen Wasserstoff-Verbands (DWV), sieht die Branche ebenfalls nicht mehr in der reinen Strategiephase. Als Beispiele nannte sie die Versorgung des Industrieparks Marl durch RWE sowie die geplante Versorgung des Industrieparks Leuna durch Total ab 2030. Auch Speicher würden inzwischen befüllt. Nun müssten weitere Ankündigungen in Investitionsentscheidungen münden.

Für den weiteren Hochlauf nannte Kaboni-Voit vier Voraussetzungen: verlässliche Nachfrage, die nationale Umsetzung der überarbeiteten Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED III), funktionierende Treibhausgasquoten im Verkehr und einfachere Regeln für erneuerbare Kraftstoffe nicht biogenen Ursprungs (RFNBO).

Zudem müssten strukturelle Kosten gesenkt werden, die unter anderem durch Strompreise und staatliche Vorgaben entstünden. Infrastruktur und Nachfrage müssten parallel wachsen. Die EU sieht im Rahmen der Alternative Fuels Infrastructure Regulation (AFIR) bis Ende 2030 einen Ausbau der Wasserstofftankinfrastruktur vor.

Auch die geopolitische Lage verändere die Bedeutung des Themas. Wasserstoff könne nach Ansicht Kaboni-Voits einen Beitrag zur europäischen Resilienz leisten. Ihr Fazit: „Aus Wasserstoffpolitik muss jetzt Wasserstoffwirtschaft werden.“ (sh)

Dienstag, 29.09.2026, 10:36 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Veranstaltung - Wasserstoffhochlauf muss in den Markt
HB-Wasserstoffkogress in Berlin Quelle: Susanne Harmsen
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Wasserstoffhochlauf muss in den Markt
Bei einer Wasserstoffkonferenz in Berlin diskutierten Branchenvertreter über Infrastruktur, Nachfrage und Investitionen. 
Der Wasserstoffmarkt tritt nach Einschätzung von Vertretern aus Industrie, Infrastruktur und Verbänden in eine Phase ein, in der konkrete Investitionsentscheidungen wichtiger werden als weitere Strategien und Zielbilder. Beim Handelsblatt-Wasserstoffkongress am 29. September in Berlin standen deshalb die wirtschaftliche Tragfähigkeit von Projekten, der Aufbau der Infrastruktur und verlässliche Absatzmärkte im Mittelpunkt.

Jorgo Chatzimarkakis, CEO des Branchenverbands Hydrogen Europe in Brüssel, verwies auf anstehende Entscheidungen auf EU-Ebene. Die EU-Generaldirektorin für Energie, Celine Gauer, habe zugesagt, dass im Dezember ein weiterer delegierter Rechtsakt der EU zum Wasserstoff vorgelegt werde, sagte er.

Für den Aufbau eines europäischen Marktes brauche es aus seiner Sicht weitere industriepolitische Vorgaben. Der von der Europäischen Kommission im März 2026 vorgeschlagene Industrial Accelerator Act (IAA) soll unter anderem die Nachfrage nach CO2-armen und in der EU hergestellten Produkten über öffentliche Beschaffung und Förderprogramme stärken. Die Kommission will damit auch Genehmigungsverfahren vereinfachen.

Der Vorschlag befindet sich noch im europäischen Gesetzgebungsverfahren. Chatzimarkakis sieht darin auch einen möglichen Ansatz für den Wasserstoffmarkt. Der Industrial Act müsse dafür sorgen, dass europäische Projekte etwa bei Elektrolyseuren gegenüber Importen aus China bessere Marktchancen erhalten. Auch der Einsatz von grünem Stahl könne über Vorgaben bei öffentlichen Bauprojekten wie im Infrastrukturpaket Deutschlands einen Leitmarkt schaffen, sagte er.

Infrastruktur muss nachziehen

Werner Ponikwar, CEO des Elektrolyseurherstellers Thyssenkrupp Nucera aus Dortmund, verwies auf die bereits vorhandenen Anwendungen. Punktuelle Inselprojekte funktionierten, sagte er. Was nun nachziehen müsse, sei die Transportinfrastruktur. Für die Wirtschaftlichkeit der Wasserstoffproduktion spielt nach seiner Darstellung der Strompreis eine zentrale Rolle. Für die Herstellung von einem Kilogramm Wasserstoff durch Elektrolyse seien etwa 50 kWh Strom erforderlich. Damit werde der Strompreis unmittelbar zu einem wesentlichen Bestandteil der Wasserstoffkosten.

Gleichzeitig warnte Ponikwar vor einer Schwächung der verbindlichen Nachfrage. Wenn diese Verbindlichkeit aufgeweicht werde, könne der beginnende Wasserstoffhochlauf ins Stocken geraten, sagte er. Eine wichtige Rolle spiele dabei die Raffinerieroute. Sie könne Nachfrage garantieren, doch dürfe die EU grüne Quoten nicht wieder aufweichen.

„Frankreich, Deutschland, Belgien und Spanien könnten zunächst einen ausreichend großen Markt bilden“, sagte Ponikwar. Die deutsche Industrie sieht der Manager trotz der Konkurrenz aus China weiterhin als wettbewerbsfähig. Chinesische Anbieter profitierten allerdings von staatlicher Unterstützung, sagte er.
 
Diskussionsrunde (v.li.): Werner Ponikwar (Thyssenkrupp Nucera) und Jorgo Chatzimarkakis (Hydrogen Europe) im Gespräch mit Klaus Stratmann (HB)
Quelle: Susanne Harmsen

Von der Strategie zur Umsetzung

Jasmin Kaboni-Voit, Vizepräsidentin des Deutschen Wasserstoff-Verbands (DWV), sieht die Branche ebenfalls nicht mehr in der reinen Strategiephase. Als Beispiele nannte sie die Versorgung des Industrieparks Marl durch RWE sowie die geplante Versorgung des Industrieparks Leuna durch Total ab 2030. Auch Speicher würden inzwischen befüllt. Nun müssten weitere Ankündigungen in Investitionsentscheidungen münden.

Für den weiteren Hochlauf nannte Kaboni-Voit vier Voraussetzungen: verlässliche Nachfrage, die nationale Umsetzung der überarbeiteten Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED III), funktionierende Treibhausgasquoten im Verkehr und einfachere Regeln für erneuerbare Kraftstoffe nicht biogenen Ursprungs (RFNBO).

Zudem müssten strukturelle Kosten gesenkt werden, die unter anderem durch Strompreise und staatliche Vorgaben entstünden. Infrastruktur und Nachfrage müssten parallel wachsen. Die EU sieht im Rahmen der Alternative Fuels Infrastructure Regulation (AFIR) bis Ende 2030 einen Ausbau der Wasserstofftankinfrastruktur vor.

Auch die geopolitische Lage verändere die Bedeutung des Themas. Wasserstoff könne nach Ansicht Kaboni-Voits einen Beitrag zur europäischen Resilienz leisten. Ihr Fazit: „Aus Wasserstoffpolitik muss jetzt Wasserstoffwirtschaft werden.“ (sh)

Dienstag, 29.09.2026, 10:36 Uhr
Susanne Harmsen

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