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Energie & Management > Europaeische Union - Verband fordert neuen Rahmen für Gasspeicher
Quelle: Shutterstock / Lightspring
Europaeische Union

Verband fordert neuen Rahmen für Gasspeicher

Der Branchenverband GIE fordert von der EU neue Instrumente für Gasspeicher. Die Infrastruktur soll stärker als Beitrag zur Versorgungssicherheit bewertet werden.
Die europäische Gaswirtschaft drängt auf eine Neuausrichtung der europäischen Speicherpolitik. Über ihren Verband Gas Infrastructure Europe (GIE) fordern Betreiber von Gasspeichern einen flexibleren regulatorischen Rahmen. Anlass der Initiative vom 5. Juni sind die Beratungen der Europäischen Kommission über das angekündigte Energiesicherheitspaket.

Grundlage der Forderungen ist eine Studie der Beratungsunternehmen Artelys und Compass Lexecon im Auftrag von GIE. Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass Gasspeicher künftig nicht mehr ausschließlich anhand von Füllständen und Speichervolumina bewertet werden sollten. Stattdessen müsse ihr Beitrag zur Versorgungssicherheit und zur Widerstandsfähigkeit des Energiesystems stärker berücksichtigt werden.

Strategische Rolle der Speicher 

Nach Angaben von GIE hat die während der Energiekrise eingeführte EU-Speicherverordnung zwar dazu beigetragen, die Befüllung der Speicher zu koordinieren und das Vertrauen in die Versorgungssicherheit zu stärken. Der bestehende Rechtsrahmen konzentriere sich jedoch vor allem auf mengenbezogene Vorgaben. Damit werde der strategische Nutzen der Speicher nur teilweise erfasst.

Die Studie hebt hervor, dass Gasspeicher einen wichtigen Beitrag zur Flexibilität des Energiesystems leisten. Sie könnten kurzfristig auf Lieferausfälle, Preisschwankungen und extreme Wetterereignisse reagieren. Vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheiten und der fortschreitenden Energiewende gewinne diese Funktion an Bedeutung.

Instrumente vorgeschlagen

GIE schlägt deshalb einen europäischen Instrumentenkasten vor, der den Mitgliedstaaten verschiedene Möglichkeiten zur Absicherung ihrer Versorgung bietet. Die Länder sollen je nach Energiemix, Risikoprofil und Marktstruktur unterschiedliche Maßnahmen kombinieren können.

Zu den vorgeschlagenen Instrumenten gehören Anreizmechanismen, die Marktakteure stärker dazu bewegen sollen, den Systemnutzen von Speichern in ihre Entscheidungen einzubeziehen. Darüber hinaus nennt GIE regulatorische Verpflichtungen zur Sicherstellung ausreichender Speicherkapazitäten sowie administrative Mechanismen, die die Buchung, Befüllung und Nutzung strategischer Speicherreserven in Krisensituationen gewährleisten sollen.

Laut Lucie Boost, Generalsekretärin von GIE, müsse die Diskussion über die Speicherpolitik über die jährlichen Befüllungsziele hinausgehen. Europas Gasspeicher seien weiterhin ein zentrales Instrument der Versorgungssicherheit. „Die politische Debatte muss stärker berücksichtigen, welche Flexibilität und Absicherung die Infrastruktur dem Energiesystem bereitstellt“, forderte Boost.

Nach Einschätzung des Verbandes könnte ein solcher Ansatz dazu beitragen, Versorgungssicherheit und industrielle Wettbewerbsfähigkeit besser miteinander zu verbinden. Beide Ziele seien aufeinander angewiesen.

Sinkender Gasverbrauch prognostiziert

Die Forderungen fallen in eine Zeit, in der sich die europäische Gasversorgung verändert. Die von GIE herangezogenen NT+-Szenarien gehen bis 2040 von einem deutlich niedrigeren Methanverbrauch aus. Zwischen 2030 und 2040 soll der Bedarf demnach um rund 25 Prozent sinken. Gleichzeitig steigt der Anteil der heimischen Versorgung.
 
Struktur der europäischen Gasversorgung laut Szenarien für 2030 und 2040
(Für Vollbild auf die Grafik klicken)
Quelle: GIE

Den Szenarien zufolge erhöht sich die inländische Methanproduktion in der Europäischen Union und im Vereinigten Königreich von rund 760 Milliarden kWh im Jahr 2030 auf etwa 1.000 Milliarden kWh im Jahr 2040. Der Anteil der Eigenversorgung würde damit von 18 Prozent auf 31 Prozent des Bedarfs steigen.

Wesentliche Treiber sind der Ausbau der Biomethanproduktion, die Einführung von E-Methan sowie eine teilweise Kompensation des Rückgangs der konventionellen Erdgasförderung.

Neue Gasquellen im Kommen

Die Biomethanproduktion in der EU27 soll laut den Szenarien von 379 Milliarden kWh im Jahr 2030 auf 767 Milliarden kWh im Jahr 2040 wachsen. Gleichzeitig sinkt die Erdgasproduktion von 184 Milliarden kWh auf 105 Milliarden kWh. Hinzu kommen bis 2040 rund 54 Milliarden kWh E-Methan.

Parallel dazu gehen die Importe zurück. Die durchschnittlichen Einfuhren über Pipelines und LNG-Terminals sinken den Berechnungen zufolge von 295 Milliarden kWh pro Monat im Jahr 2030 auf 190 Milliarden kWh pro Monat im Jahr 2040. LNG bleibe dabei ein bedeutender Bestandteil der europäischen Versorgung und macht in den Szenarien etwas mehr als die Hälfte des Importpotenzials aus. Vor diesem Hintergrund sieht GIE die Gasspeicherung auch künftig als wichtigen Bestandteil des europäischen Energiesystems. 

Das GIE-Positionspapier und die Artelys-Speicherstudie stehen im Internet bereit.

Freitag, 5.06.2026, 14:23 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Europaeische Union - Verband fordert neuen Rahmen für Gasspeicher
Quelle: Shutterstock / Lightspring
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Verband fordert neuen Rahmen für Gasspeicher
Der Branchenverband GIE fordert von der EU neue Instrumente für Gasspeicher. Die Infrastruktur soll stärker als Beitrag zur Versorgungssicherheit bewertet werden.
Die europäische Gaswirtschaft drängt auf eine Neuausrichtung der europäischen Speicherpolitik. Über ihren Verband Gas Infrastructure Europe (GIE) fordern Betreiber von Gasspeichern einen flexibleren regulatorischen Rahmen. Anlass der Initiative vom 5. Juni sind die Beratungen der Europäischen Kommission über das angekündigte Energiesicherheitspaket.

Grundlage der Forderungen ist eine Studie der Beratungsunternehmen Artelys und Compass Lexecon im Auftrag von GIE. Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass Gasspeicher künftig nicht mehr ausschließlich anhand von Füllständen und Speichervolumina bewertet werden sollten. Stattdessen müsse ihr Beitrag zur Versorgungssicherheit und zur Widerstandsfähigkeit des Energiesystems stärker berücksichtigt werden.

Strategische Rolle der Speicher 

Nach Angaben von GIE hat die während der Energiekrise eingeführte EU-Speicherverordnung zwar dazu beigetragen, die Befüllung der Speicher zu koordinieren und das Vertrauen in die Versorgungssicherheit zu stärken. Der bestehende Rechtsrahmen konzentriere sich jedoch vor allem auf mengenbezogene Vorgaben. Damit werde der strategische Nutzen der Speicher nur teilweise erfasst.

Die Studie hebt hervor, dass Gasspeicher einen wichtigen Beitrag zur Flexibilität des Energiesystems leisten. Sie könnten kurzfristig auf Lieferausfälle, Preisschwankungen und extreme Wetterereignisse reagieren. Vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheiten und der fortschreitenden Energiewende gewinne diese Funktion an Bedeutung.

Instrumente vorgeschlagen

GIE schlägt deshalb einen europäischen Instrumentenkasten vor, der den Mitgliedstaaten verschiedene Möglichkeiten zur Absicherung ihrer Versorgung bietet. Die Länder sollen je nach Energiemix, Risikoprofil und Marktstruktur unterschiedliche Maßnahmen kombinieren können.

Zu den vorgeschlagenen Instrumenten gehören Anreizmechanismen, die Marktakteure stärker dazu bewegen sollen, den Systemnutzen von Speichern in ihre Entscheidungen einzubeziehen. Darüber hinaus nennt GIE regulatorische Verpflichtungen zur Sicherstellung ausreichender Speicherkapazitäten sowie administrative Mechanismen, die die Buchung, Befüllung und Nutzung strategischer Speicherreserven in Krisensituationen gewährleisten sollen.

Laut Lucie Boost, Generalsekretärin von GIE, müsse die Diskussion über die Speicherpolitik über die jährlichen Befüllungsziele hinausgehen. Europas Gasspeicher seien weiterhin ein zentrales Instrument der Versorgungssicherheit. „Die politische Debatte muss stärker berücksichtigen, welche Flexibilität und Absicherung die Infrastruktur dem Energiesystem bereitstellt“, forderte Boost.

Nach Einschätzung des Verbandes könnte ein solcher Ansatz dazu beitragen, Versorgungssicherheit und industrielle Wettbewerbsfähigkeit besser miteinander zu verbinden. Beide Ziele seien aufeinander angewiesen.

Sinkender Gasverbrauch prognostiziert

Die Forderungen fallen in eine Zeit, in der sich die europäische Gasversorgung verändert. Die von GIE herangezogenen NT+-Szenarien gehen bis 2040 von einem deutlich niedrigeren Methanverbrauch aus. Zwischen 2030 und 2040 soll der Bedarf demnach um rund 25 Prozent sinken. Gleichzeitig steigt der Anteil der heimischen Versorgung.
 
Struktur der europäischen Gasversorgung laut Szenarien für 2030 und 2040
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Quelle: GIE

Den Szenarien zufolge erhöht sich die inländische Methanproduktion in der Europäischen Union und im Vereinigten Königreich von rund 760 Milliarden kWh im Jahr 2030 auf etwa 1.000 Milliarden kWh im Jahr 2040. Der Anteil der Eigenversorgung würde damit von 18 Prozent auf 31 Prozent des Bedarfs steigen.

Wesentliche Treiber sind der Ausbau der Biomethanproduktion, die Einführung von E-Methan sowie eine teilweise Kompensation des Rückgangs der konventionellen Erdgasförderung.

Neue Gasquellen im Kommen

Die Biomethanproduktion in der EU27 soll laut den Szenarien von 379 Milliarden kWh im Jahr 2030 auf 767 Milliarden kWh im Jahr 2040 wachsen. Gleichzeitig sinkt die Erdgasproduktion von 184 Milliarden kWh auf 105 Milliarden kWh. Hinzu kommen bis 2040 rund 54 Milliarden kWh E-Methan.

Parallel dazu gehen die Importe zurück. Die durchschnittlichen Einfuhren über Pipelines und LNG-Terminals sinken den Berechnungen zufolge von 295 Milliarden kWh pro Monat im Jahr 2030 auf 190 Milliarden kWh pro Monat im Jahr 2040. LNG bleibe dabei ein bedeutender Bestandteil der europäischen Versorgung und macht in den Szenarien etwas mehr als die Hälfte des Importpotenzials aus. Vor diesem Hintergrund sieht GIE die Gasspeicherung auch künftig als wichtigen Bestandteil des europäischen Energiesystems. 

Das GIE-Positionspapier und die Artelys-Speicherstudie stehen im Internet bereit.

Freitag, 5.06.2026, 14:23 Uhr
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