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Energie & Management > Verbände - Umweltverbände wollen Stopp des Holzheizkraftwerks Reuter
Quelle: Pixabay / Alexa
Verbände

Umweltverbände wollen Stopp des Holzheizkraftwerks Reuter

Mehrere Umweltverbände haben eine Stellungnahme zum geplanten Berliner KWK-Biomassekraftwerk Reuter-West veröffentlicht. Der Tenor: Das Kraftwerk darf nicht genehmigt werden.  
In den vergangenen Tagen wurden eine Stellungnahme sowie ein Gutachten von mehreren Umweltverbänden veröffentlicht: der Naturschutzbund Deutschland (NABU), Biofuelwatch, Robin Wood, die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sowie BUND Berlin fordern darin, dass die kommunale Berliner Energie und Wärme GmbH (BEW) ihren Antrag für das geplante KWK-Biomassekraftwerk Reuter-West zurückzieht.

Die Verbände haben Bedenken wegen des Holzverbrauchs. Zudem äußern sie Zweifel daran, dass die „Einstufung der Holzverbrennung als CO2-freie Wärme, die das Berliner Energiewende- und Klimaschutzgesetz für die künftige Fernwärme vorschreibt“, aus wissenschaftlicher Sicht haltbar ist. „Die BEW und der Berliner Senat sollten den Antrag zurückziehen und stattdessen die Fernwärme auf wirklich klimafreundliche Technologien umstellen“, fordert Eric Häublein vom NABU. Stattdessen sollte der Versorger mögliche Geothermie-Potenziale erschließen.

Der Hauptkritikpunkt der Umweltorganisationen liegt beim Brennstoff. „Pro Jahr sollen mindestens 250.000 Tonnen Frischholz beziehungsweise 130.000 Tonnen des trockeneren und damit leichteren Altholzes“ verbrannt werden, schreiben die Verbände in ihrer Mitteilung. Und plakativ formulieren sie: „Die Wälder würden durch die Holzverbrennung weiter unter Druck geraten. Zum Vergleich: Eine Waldfläche von der Größe des Berliner Tiergartens (200 Hektar) würde im geplanten Kraftwerk in nur ein bis zwei Monaten komplett verheizt.“

Der Berliner Senat muss „die Planungen jetzt stoppen“, fordert Jana Ballenthien von Robin Wood. „Die Verbrennung von Holz setzt in erheblichem Maße CO2 frei. Das Altholz-Recycling im Großraum Berlin und darüber hinaus würde durch die starke Nachfrage konterkariert, wenn der wertvolle Rohstoff stattdessen verheizt wird.“ Das sei das Gegenteil von Klimaschutz. 

Die BEW setzt auf Biomasse, um den Kohleausstieg zu gewährleisten 


Der Stein des Anstoßes ist die geplante Altholz- und Biomasse-KWK-Anlage mit bis zu 90 MW thermischer und 20 MW elektrischer Leistung am Standort Reuter. Sie soll voraussichtlich 2029 in Betrieb gehen.

Der kommunale Versorger BEW betont − und widerspricht damit den Umweltverbänden −, dass Altholz und weitere nachhaltige Biomasse am Standort Reuter „sehr bewusst und im Rahmen eines breiten Energiemixes“ eingesetzt werden, ergänzt durch andere erneuerbare Technologien. „Wir setzen überwiegend auf Altholz, das am Ende einer nachhaltigen Nutzungskaskade energetisch verwertet wird“, teilte die BEW auf Anfrage dieser Redaktion mit. „Ergänzend können Agrarholz aus Kurzumtriebsplantagen, Landschaftspflegematerial sowie nachhaltig beschafftes Waldrestholz eingesetzt werden. Die Anlage ist bewusst so ausgelegt, dass sie unterschiedliche holzartige Biomasse verarbeiten kann. So können wir flexibel auf zukünftige Marktbewegungen und Entwicklungen reagieren.“ 

„Derzeit verbrennen wir 700.000 Tonnen Steinkohle pro Jahr“, schreibt die BEW in ihrer Antwort an die Redaktion weiter. Die Steinkohle will das Unternehmen durch einen breiten Energiemix ersetzen, Biomasse sei nur ein Teil der Lösung. Mit dem Ausstieg aus der Steinkohle 2030 wird der Bedarf an Biomasse voraussichtlich bei 150.000 Tonnen pro Jahr liegen.

Zum geplanten Energiemix für die künftige Fernwärmeversorgung gehören ebenso Power-to-Heat-Anlagen, Wärmespeicher, Großwärmepumpen, Gasturbinen und Heißwassererzeuger, die H2-ready sind, und weitere Anlagen zur Abwärmenutzung verschiedener Quellen − etwa Abwasser, Rechenzentren. Allerdings verfügt Berlin nach Auskunft der BEW im Vergleich zu anderen Städten nur über geringe Abwärmepotenziale. Der anvisierte Kohleausstieg ist laut BEW ohne den Einsatz von Biomasse nicht möglich.

Mittwoch, 14.01.2026, 13:56 Uhr
Heidi Roider
Energie & Management > Verbände - Umweltverbände wollen Stopp des Holzheizkraftwerks Reuter
Quelle: Pixabay / Alexa
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Umweltverbände wollen Stopp des Holzheizkraftwerks Reuter
Mehrere Umweltverbände haben eine Stellungnahme zum geplanten Berliner KWK-Biomassekraftwerk Reuter-West veröffentlicht. Der Tenor: Das Kraftwerk darf nicht genehmigt werden.  
In den vergangenen Tagen wurden eine Stellungnahme sowie ein Gutachten von mehreren Umweltverbänden veröffentlicht: der Naturschutzbund Deutschland (NABU), Biofuelwatch, Robin Wood, die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sowie BUND Berlin fordern darin, dass die kommunale Berliner Energie und Wärme GmbH (BEW) ihren Antrag für das geplante KWK-Biomassekraftwerk Reuter-West zurückzieht.

Die Verbände haben Bedenken wegen des Holzverbrauchs. Zudem äußern sie Zweifel daran, dass die „Einstufung der Holzverbrennung als CO2-freie Wärme, die das Berliner Energiewende- und Klimaschutzgesetz für die künftige Fernwärme vorschreibt“, aus wissenschaftlicher Sicht haltbar ist. „Die BEW und der Berliner Senat sollten den Antrag zurückziehen und stattdessen die Fernwärme auf wirklich klimafreundliche Technologien umstellen“, fordert Eric Häublein vom NABU. Stattdessen sollte der Versorger mögliche Geothermie-Potenziale erschließen.

Der Hauptkritikpunkt der Umweltorganisationen liegt beim Brennstoff. „Pro Jahr sollen mindestens 250.000 Tonnen Frischholz beziehungsweise 130.000 Tonnen des trockeneren und damit leichteren Altholzes“ verbrannt werden, schreiben die Verbände in ihrer Mitteilung. Und plakativ formulieren sie: „Die Wälder würden durch die Holzverbrennung weiter unter Druck geraten. Zum Vergleich: Eine Waldfläche von der Größe des Berliner Tiergartens (200 Hektar) würde im geplanten Kraftwerk in nur ein bis zwei Monaten komplett verheizt.“

Der Berliner Senat muss „die Planungen jetzt stoppen“, fordert Jana Ballenthien von Robin Wood. „Die Verbrennung von Holz setzt in erheblichem Maße CO2 frei. Das Altholz-Recycling im Großraum Berlin und darüber hinaus würde durch die starke Nachfrage konterkariert, wenn der wertvolle Rohstoff stattdessen verheizt wird.“ Das sei das Gegenteil von Klimaschutz. 

Die BEW setzt auf Biomasse, um den Kohleausstieg zu gewährleisten 


Der Stein des Anstoßes ist die geplante Altholz- und Biomasse-KWK-Anlage mit bis zu 90 MW thermischer und 20 MW elektrischer Leistung am Standort Reuter. Sie soll voraussichtlich 2029 in Betrieb gehen.

Der kommunale Versorger BEW betont − und widerspricht damit den Umweltverbänden −, dass Altholz und weitere nachhaltige Biomasse am Standort Reuter „sehr bewusst und im Rahmen eines breiten Energiemixes“ eingesetzt werden, ergänzt durch andere erneuerbare Technologien. „Wir setzen überwiegend auf Altholz, das am Ende einer nachhaltigen Nutzungskaskade energetisch verwertet wird“, teilte die BEW auf Anfrage dieser Redaktion mit. „Ergänzend können Agrarholz aus Kurzumtriebsplantagen, Landschaftspflegematerial sowie nachhaltig beschafftes Waldrestholz eingesetzt werden. Die Anlage ist bewusst so ausgelegt, dass sie unterschiedliche holzartige Biomasse verarbeiten kann. So können wir flexibel auf zukünftige Marktbewegungen und Entwicklungen reagieren.“ 

„Derzeit verbrennen wir 700.000 Tonnen Steinkohle pro Jahr“, schreibt die BEW in ihrer Antwort an die Redaktion weiter. Die Steinkohle will das Unternehmen durch einen breiten Energiemix ersetzen, Biomasse sei nur ein Teil der Lösung. Mit dem Ausstieg aus der Steinkohle 2030 wird der Bedarf an Biomasse voraussichtlich bei 150.000 Tonnen pro Jahr liegen.

Zum geplanten Energiemix für die künftige Fernwärmeversorgung gehören ebenso Power-to-Heat-Anlagen, Wärmespeicher, Großwärmepumpen, Gasturbinen und Heißwassererzeuger, die H2-ready sind, und weitere Anlagen zur Abwärmenutzung verschiedener Quellen − etwa Abwasser, Rechenzentren. Allerdings verfügt Berlin nach Auskunft der BEW im Vergleich zu anderen Städten nur über geringe Abwärmepotenziale. Der anvisierte Kohleausstieg ist laut BEW ohne den Einsatz von Biomasse nicht möglich.

Mittwoch, 14.01.2026, 13:56 Uhr
Heidi Roider

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