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Stadtwerke bereiten Angebote zur Direktvermarktung von Strom aus kleinen Photovoltaikanlagen vor. Laut einer Umfrage der ASEW steht dabei vor allem die Kundenbindung im Mittelpunkt.
Immer mehr Stadtwerke arbeiten an Angeboten zur Direktvermarktung von Strom aus kleinen Photovoltaikanlagen. Das geht aus einer Befragung der Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung („ASEW“) hervor. Das Netzwerk mit Sitz in Köln unterstützt rund 400 Mitgliedsunternehmen unter anderem bei den Themen Energieeffizienz und erneuerbaren Energien.
An der Ende Oktober durchgeführten Umfrage beteiligten sich 35 Unternehmen. Von ihnen arbeiten 36 Prozent bereits an einem konkreten Angebot zur Direktvermarktung kleiner Photovoltaikanlagen. Weitere 50 Prozent prüfen noch, ob sie in dieses Geschäft einsteigen wollen. Mehr als die Hälfte der Befragten möchte bis Ende 2027 ein entsprechendes Angebot für ihre Kunden einführen. Etwa jedes fünfte Unternehmen hat dafür noch keinen konkreten Zeitplan.
Bei einer ersten Asew-Befragung im August dieses Jahres mit 53 Teilnehmern hatten erst 17 Prozent einen Einstieg geplant, während 49 Prozent die Möglichkeiten noch bewerteten. Da sich die Teilnehmerkreise unterscheiden, lässt sich daraus allerdings keine direkte Entwicklung einzelner Stadtwerke ableiten. „Viele Stadtwerke fragen nicht mehr nur, ob sie in die Direktvermarktung einsteigen, sondern wann und mit welchem Rollenmodell“, sagt Sascha Manikowski, Teamleiter Energiedienstleistungen bei der Asew.
Kundenbindung wichtiger als neue Erlöse
Im Vordergrund steht die Kundenbeziehung. Auf Kundenbindung und die Vermeidung von Kundenverlusten entfallen zusammen 51 Prozent der Nennungen. Weitere 28 Prozent wollen sich auf künftige Märkte vorbereiten. Neue Erlöse sind nur für 20 Prozent der wichtigste Antrieb.
Mehr als 88 Prozent der Befragten erwarten, dass externe Anbieter Marktanteile gewinnen, wenn Stadtwerke keine eigenen Produkte entwickeln. Die Direktvermarktung soll deshalb häufig Teil eines größeren Angebots werden − mit PV-Anlage, Heimspeicher, Reststromlieferung und weiteren Dienstleistungen.
Jeweils 68 Prozent halten eigene Direktvermarktungsangebote für notwendig beziehungsweise sehen in Home-Energy-Management-Systemen (HEMS) einen wichtigen Baustein zur Steuerung der Stromflüsse. Bevorzugte Geschäftsmodelle sind die Direktvermarktung anhand von Day-Ahead-Preisen und ihre Verbindung mit dynamischen Stromtarifen.
Partner für Handel und Bilanzkreismanagement
Den direkten Kontakt zu ihren Kunden wollen die Stadtwerke überwiegend behalten. Von 28 Unternehmen, die sich zur Aufgabenverteilung äußerten, möchten 24 Vertrieb und Kundenmanagement selbst übernehmen.
Für Energiehandel und Bilanzkreismanagement hingegen ziehen 17 von 27 Befragten externe Partner vor. Auch bei Messwesen, Marktkommunikation und Anlagensteuerung kommt eine Zusammenarbeit infrage. Die Stadtwerke könnten damit die Kundenbeziehung pflegen, während spezialisierte Dienstleister technische und energiewirtschaftliche Aufgaben übernehmen.
Messsysteme oft noch nicht nutzbar
Die Umsetzung wird laut Asew bislang vor allem durch aufwendige Abläufe erschwert. Als Hürden nennen die Befragten vor allem Abrechnung, IT-Anbindung, Messwesen und Marktkommunikation. Hinzu kommen Kosten für externe Dienstleister. Fraglich sei zudem, ob die Erlöse kleiner Anlagen den Aufwand deckten.
Probleme bereitet auch die Messtechnik. Zwar berichten 53 Prozent der befragten Unternehmen, dass intelligente Messsysteme bereits eingebaut werden. Doch nur 32 Prozent geben an, dass die Verteilnetzbetreiber diese auch nutzen können. Ähnlich sieht es bei Steuerboxen aus, mit denen sich Anlagen aus der Ferne steuern lassen. Während 23 Prozent der Befragten deren Einbau melden, bestätigen nur acht Prozent, dass die Geräte tatsächlich genutzt werden können. Auch bei der Anmeldung von PV-Anlagen zur Direktvermarktung fehlen offenbar einheitliche Abläufe. Lediglich vier Prozent der Unternehmen geben an, dass es dafür beim Verteilnetzbetreiber ein standardisiertes Verfahren gibt.
Für einen wirtschaftlichen Betrieb seien deshalb stärker automatisierte Prozesse erforderlich, so die Asew. Sie setzt auch auf Kooperationen. „Unser primäres Ziel ist es, Stadtwerke mit Stadtwerken zusammenzubringen, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam skalierbare Lösungen zu entwickeln“, sagt Christoph Landeck, Abteilungsleiter Energiedienstleistungen und Innovationen bei der Asew.
Am 1. Dezember will das Netzwerk bei einem weiteren Webinar mögliche Partner vorstellen. Einen breiteren Markteintritt erwartet die Asew ab 2027. Voraussetzung dafür sei ein abgestimmtes Vorgehen von Vertrieb, Messstellenbetrieb, Netzbetreibern und Vermarktungspartnern. (ds)
Mittwoch, 4.11.2026, 16:39 Uhr
Davina Spohn
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