Herr Weißbäcker, eigentlich passen Dach-PV-Anlagen doch hervorragend auf die Dächer von Supermärkten. Ohnehin versiegelte Flächen werden doppelt genutzt. Wieso ist Dach-PV hier dennoch so selten?
Das ist eher ein Thema der konkreten Umsetzung im Bestand als eine Technologiefrage. Zwar sind Dächer, Nutzungsdauer und Strombedarf grundsätzlich sehr gut geeignet, doch Photovoltaik muss in die vorhandene Gebäudestatik, bestehende Mietverhältnisse, vorhandene Elektroinfrastruktur und klar definierte regulatorische Rahmenbedingungen integriert werden. Damit wird sie zu einer Managementaufgabe, bei der Immobilien- und Energiethemen sowie die Anforderungen der Mieter zusammengedacht werden müssen.
Entscheidend ist zudem nicht die maximal mögliche Anlagengröße, sondern eine auf den realen Eigenverbrauch abgestimmte Lösung, die betrieblich tragfähig ist. Wird zu groß oder zu komplex geplant, steigen die Anforderungen an Netzanschluss, Messkonzepte und rechtliche Einordnung deutlich. Deshalb bleiben trotz des offensichtlichen Potenzials viele Dachflächen ungenutzt: Nicht die Module sind das Hindernis, sondern die saubere, skalierbare Integration in bestehende Immobilien- und Betriebsstrukturen.
Das ist doch vor allem eine Herausforderung für das standardisierte Supermarktdesign. Was hindert die Projektentwickler daran, Photovoltaik gleich mitzuplanen?
Man könnte meinen, dass es vor allem an der Standardbaubeschreibung der Nahversorger liegt. Fakt ist jedoch, dass nicht bauliche Standardisierung oder technische Planbarkeit die echten Hürden sind, sondern die Einbettung in bestehende Strukturen. Photovoltaik ist im Gewerbebestand kein isoliertes Bauelement, das man einfach ‚mitplant‘, sondern muss in Mietverhältnisse, Elektroinfrastruktur, Regulatorik und Investitionslogik integriert werden.
Anlagen müssen am realen Lastprofil und Eigenverbrauch ausgerichtet sein, um gut zu funktionieren. Eine rein gestalterische oder technische Mitplanung greift zu kurz, wenn Fragen zum Stromankauf der Mieter, Netzanschluss oder zu steuerlichen Auswirkungen ungeklärt bleiben. Was die Umsetzung hemmt, ist die Komplexität der Strukturierung. An langjähriger Expertise in Planung und Umsetzung nebst engem Draht zum Mieter als PV-Strombezieher führt kein Weg vorbei. Investoren sollten sich jedenfalls eines erfahrenen Partners versichern.
Wie groß wäre das Potenzial theoretisch bei einer Lösung dieser Probleme?
Grundsätzlich bietet Photovoltaik auf Gewerbedächern großes Potenzial, insbesondere bei frei stehenden Nahversorgungsimmobilien mit dauerhaftem, planbarem Strombedarf. Es winkt ein Win-win-win-win-Ergebnis, wo Eigentümer, Mieter, Stromnetz und Umwelt profitieren. Der Wert der Immobilie lässt sich optimieren, CO2 wird vermieden und die Nebenkosten sinken. Zugleich wird das Stromnetz durch einen sehr hohen Eigenverbrauch des produzierten PV-Stroms nicht weiter belastet.
Für eine grobe Einordnung gibt es eine gute Faustgröße: In Deutschland sind je nach Standort rund 1.000 kWh pro installiertem kW und Jahr realistisch. Eine 100-kW-Anlage liefert damit etwa 100.000 kWh jährlich − ein Wert, der bei frei stehenden Nahversorgungsmärkten in der Regel unterhalb der Tageslast liegt und somit eine sehr hohe Eigenverbrauchsquote von bis zu 100 Prozent ermöglicht. Dafür müssen Investoren, Händler und Immobilienbranche an einem Strang ziehen und die realen Komplexitäten überwinden. Das ist unsere Mission.
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Matthias Weißbäcker ist einer der drei Geschäftsführer der Habona Invest GmbH, eines Investmenthauses mit Sitz in Frankfurt am Main Quelle: Jens Braune del Angel |
Mittwoch, 13.05.2026, 08:55 Uhr
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