Die Partner nach der Unterzeichnung des MoU. Quelle: Verband Region Stuttgart
Netzbetreiber, Kommunen und Behörden wollen den Umbau des Energiesystems in der Region Stuttgart enger koordinieren. Im Fokus stehen Netzausbau, Flächen und schnellere Verfahren.
Mit der Initiative „Energie.Region.Stuttgart“ wollen der Verband Region Stuttgart und Partner aus Politik, Verwaltung, Energiewirtschaft und Klimaschutz den Umbau der regionalen Energieversorgung enger koordinieren. Grundlage ist ein Memorandum of Understanding, das gemeinsame Arbeitsstrukturen für die Bereitstellung von Flächen, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren und den Ausbau der Stromnetze vorsieht. Entwickelt wurde die Initiative gemeinsam mit der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg.
Die Beteiligten wollen den Netzausbau kommunenübergreifend planen. Dazu sollen Flächen für Umspannwerke, Leitungen und Energiespeicher frühzeitig gesichert werden. Bereits regionalplanerisch ausgewiesene Flächen für Wind- und Solarenergie sollen möglichst effizient genutzt und mit der Entwicklung der Netzinfrastruktur abgestimmt werden. Vorgesehen sind gemeinsame Konzepte und Task Forces mit Fachleuten aus den beteiligten Institutionen.
Ein weiterer Schwerpunkt sind vereinfachte Planungs-, Genehmigungs- und Realisierungsprozesse. Susanne Bay betonte, der zunehmende Ausbau der Erneuerbaren stärke die Wertschöpfung vor Ort, stelle aber auch neue Anforderungen an die Verteilnetze. „Jetzt gilt es, dass wir unser Netz fit machen für die Zukunft – und das schnell. Deshalb setze ich mich für die Beschleunigung von Planfeststellungsverfahren ein“, so die Regierungspräsidentin des Regierungsbezirks Stuttgart.
Stärkere Beteiligung der Öffentlichkeit vorgesehen
Regionaldirektor Alexander Lahl wies darauf hin: „Wenn wir auch in Zukunft von einer starken Wirtschaft in der Region profitieren wollen, benötigen wir die entsprechende Infrastruktur.“ Deshalb müsse die Stromversorgung ganzheitlich gedacht werden und in Zeiten globaler Krisen die Nachfrage und das Angebot zusammenführen.
Die Landräte Roland Bernhard und Marcel Musolf verwiesen auf den wachsenden Strombedarf durch die Transformation von Industrie und Gewerbe. Nach ihrer Einschätzung dürfen Unternehmensansiedlungen und Investitionen in Digitalisierung oder künstliche Intelligenz nicht an fehlenden Netzkapazitäten scheitern. Verwaltungen, Netzbetreiber, Kommunen und weitere Akteure sollen deshalb Ausbauvorhaben und Genehmigungsverfahren früher aufeinander abstimmen.
Zur Initiative gehört außerdem eine gemeinsame Kommunikation über den Transformationsprozess. Eine stärkere Beteiligung der Öffentlichkeit soll die Akzeptanz für neue Leitungen, Umspannwerke, Speicher sowie Wind- und Solarprojekte erhöhen. Konkrete Ausbauziele, Investitionssummen, Fristen oder verbindliche Änderungen an den Genehmigungsverfahren nennt die Mitteilung allerdings nicht. Das Memorandum bildet damit zunächst einen organisatorischen Rahmen, der noch mit Projekten und Zuständigkeiten ausgefüllt werden muss.
Die Absichtserklärung haben unterzeichnet: Dr. Alexander Lahl, Regionaldirektor des Verbands Region Stuttgart, Roland Bernhard, Landrat Kreis Böblingen, Marcel Musolf, Landrat Kreis Esslingen, sowie Vertretende des Regierungspräsidiums Stuttgart, der Landkreise Rems-Murr-Kreis, Göppingen, Ludwigsburg, der Landeshauptstadt Stuttgart, der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH, der Netzbetreiber Netze BW GmbH, der Syna GmbH und der Transnet BW GmbH, der Energieagentur des Landkreises Böblingen und des Landkreises Ludwigsburg, der Klimaschutzagentur des Landkreises Esslingen gGmbH, der Klimaschutzagentur des Landkreises Göppingen gGmbH, der Stadtwerke Fellbach GmbH, der Stadtwerke Böblingen GmbH & Co. KG, der Stadtwerke Stuttgart GmbH, der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim GmbH, der Stadtwerke Esslingen am Neckar GmbH & Co. KG, der Klimaschutzagentur des Landkreises gGmbH, dem Energieberatungszentrum Stuttgart e.V. und der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH. (fw)
Montag, 3.08.2026, 15:58 Uhr
Fritz Wilhelm
© 2026 Energie & Management GmbH