E&M exklusiv Newsletter:
E&M gratis testen:
Energie & Management > Aus Der Akuellen Ausgabe - Pop vom Chef und zugeklebte Kameras 
Quelle: E&M
Aus Der Akuellen Ausgabe

Pop vom Chef und zugeklebte Kameras 

Das Solarunternehmen Sungrow hat Kunden und Geschäftspartner zum Green Energy Summit nach China eingeladen. Energie & Management war mit dabei. 
Schwer vorstellbar in Deutschland: Der CEO eines weltweit operierenden Konzerns spielt bei einer offiziellen Firmenveranstaltung auf dem Saxofon den Gästen ein Ständchen. Und der Journalistenkollege aus Rom bestätigte: „Auch in Italien wäre das unmöglich.“ Zum Instrument gegriffen hatte Sungrow-Gründer Cao Renxian. Er unterhielt seine Gäste beim von seinem Unternehmen veranstalteten Green Energy Summit (GRES). Trotz der etwas ungewöhnlichen, aber durchaus sympathischen Einlage war den europäischen Gästen bei der Veranstaltung in China vieles bestens bekannt.

Insgesamt nahmen rund 300 Gäste aus aller Welt am GRES teil. Projektierer, Installateure, Investoren, Geschäftspartner. Auch E&M war mit mehreren Pressevertretern aus Europa eingeladen. Und bei der großen Abendgala am letzten Abend spielte Gründer und CEO Cao Renxian den Leuten zum Abendessen einige Lieder. Sicherlich ein Höhepunkt der Veranstaltung im chinesischen Hefei, dem Hauptsitz von Sungrow. Doch der Reihe nach:

Mehrt als 5 Millionen Menschen wohnen im Stadtgebiet von Hefei, das sich rund 500 Kilometer westlich von Shanghai befindet, nimmt man den Großraum hinzu, so sind es 10 Millionen. Für chinesische Verhältnisse nichts Besonderes. Schlendert man durch den Business District der Stadt, so könnte sich dieser auch in Frankfurt, Oslo oder Boston befinden. Links und rechts Bürohochhäuser, verbunden mit Straßen, unterbrochen durch kleine Grünanlagen. Zwischendrin Malls mit den üblichen Läden und Marken: Adidas, Champion, Starbucks. Alles sauber, alles adrett, alles sehr westlich, alles bekannt.

Vor 30 Jahren waren hier noch Felder

Allerdings: „Vor 30 Jahren waren hier noch überwiegend Felder“, sagte Tinjiao Rong vom Sungrow-Presseteam vor Ort in ausgezeichnetem Englisch, erworben unter anderem durch einen zweijährigen Studienaufenthalt in New York City. Wobei sie generell auf den beschaulichen Charakter von Hefei hinweist, trotz der Millionen von Einwohnern. 

Hefei ist der Sitz von Sungrow, einem globalen Player im Solarmarkt: Die Mitarbeiter, laut Geschäftsbericht 2024 waren es zum Stichtag weltweit exakt 17.305, produzieren und vertreiben als Hauptprodukt Wechselrichter. Damit ist das Unternehmen groß geworden und spielt international ganz vorne mit. Bei der Herstellung von Batteriespeichersystemen gehört Sungrow ebenfalls zu den größten Unternehmen weltweit. 

Der Green Energy Summit ist eine Mischung aus Selbstdarstellung, Kundenpflege und Trendbarometer und von den chinesischen Gastgebern perfekt orchestriert. Ein Bestandteil des GRES sind verschiedene Besichtigungen von Sungrow-Produktionsstätten. Eine besondere Ehre, wie man uns versichert. Dafür gibt es eine Einschränkung: Bevor man durch die Hallen marschiert, muss jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin im Bus eine blaue Folie auf seine Handykamera kleben. No foto, please, so die Devise.

Der Besuch startet bei Everst Technology Co., einer Tochterfirma von Sungrow, die auf Tests für Photovoltaik- und Windkraftanlagen sowie Batteriespeichersysteme spezialisiert ist. Das Unternehmen begleitet Produkte von der Forschung bis zur Serienreife und führt Umwelt-, Sicherheits- und Netztests durch. Temperaturbeständigkeit, Sicherheit sowie die Lebensdauer und Leistungsfähigkeit von Batteriezellen werden dort getestet.

Anschließend Busfahrt zum Sungrow Industrial Park. Hier werden die Wechselrichter hergestellt. Auf mehreren Fertigungsstraßen hantieren mechanische Stahlarme der Firma Kuka mit Elektroden und Platinen. Kuka? Genau, Kuka. Das Robotikunternehmen hat seinen Sitz im bayerischen Augsburg und wurde 2016 mehrheitlich von chinesischen Investoren übernommen. Seinerzeit ein großer Aufreger in der Öffentlichkeit. Hand in Hand mit einigen wenigen Facharbeitern bauen die Industrieroboter Stück für Stück die Wechselrichter zusammen.

In einer anderen Halle auf dem über 50 Hektar großen Gelände werden die Hochleistungswechselrichter ab 300 kW zusammengebaut. Imposant: Laut Unternehmen verlassen Inverter mit einer Jahreskapazität von 100.000 MW das Ende der Halle. Interessant: Das Verpacken und Verschließen der Wechselrichterkartons passiert − Hightech hin oder her − immer noch in menschlicher Handarbeit. 

Kuka? Genau Kuka

Nächste Station des Busses: der Sungrow Energy Storage Park. Hier befinden sich mehrere Produktionshallen für die Montage von Batteriespeichersystemen. In einer Halle werden die Batteriepacks zusammengesetzt. Dabei werden nach dem Baukastensystem mehrere Batteriezellen zu Modulen zusammengefasst, die Module wiederum bilden Batteriepacks inklusive Verkabelung und Sensorik. 

Anschließend werden die Batteriepacks dann in die üblichen 20-Fuß-Container eingebaut. Das passiert ebenfalls in der Fertigungshalle, die nicht nur von der Größe an einen Bahnhof erinnert. Parallel verlaufen hier auf mehreren Hundert Metern zahlreiche Gleise. Auf jedem Gleisstrang werden die einzelnen Container hintereinander zu den Stationen transportiert, um dort mit allen Komponenten bestückt zu werden − Batteriepacks, Kühlsysteme, Brandschutztechnik, Sensorik, Software. Ein Ampelsystem sorgt für Sicherheit in der Halle, wenn ein Container auf dem Gleis von einer Station zur nächsten fährt. 
 
Quelle: Sungrow

Am nächsten Tag der Veranstaltung findet dann der eigentliche Green Energy Summit statt, die Energiekonferenz. Ort ist das Interconti-Hotel in Hefei, das mit seiner Architektur und Funktionalität auch in Berlin oder London stehen könnte. Einen Unterschied gibt es jedoch − und den erwartet die Besucher im Saal in Form einer gigantischen Leinwand von gut und gerne 30 Metern Breite. Dort wird in erster Linie Frontalprogramm von Sungrow-Managern geboten. Im Mittelpunkt steht die Einbindung von Erneuerbaren-Anlagen in das Stromnetz im Zusammenspiel mit Batteriespeichern, freilich auch mithilfe der neuesten Sungrow-Produkte.

Erneuerbare müssen sich besser integrieren 

Denn bei den Vorträgen wird deutlich: Auch die Sungrow-Manager wissen, dass ein „produce and forget“, wie es bei der Produktion von Ökostrom lange üblich war, nicht mehr funktioniert. Die Erneuerbare-Energien-Anlagen müssen sich besser in das Stromnetz integrieren lassen und auch Systemdienstleistungen erbringen beziehungsweise systemdienlich agieren. Hier zählen die Manager auf den Einsatz von Batteriespeichern in Verbindung mit Erneuerbaren-Anlagen. Dass ein Wechselrichterhersteller hierbei vor allem PV im Blick hat, ist nicht verwunderlich. 

Ein weiterer Veranstaltungspunkt des GRES findet dann im Hauptquartier von Sungrow statt. Dort dreht sich im Programm alles um künstliche Intelligenz und Rechenzentren. Vibhu Kaushik von Global Infrastructure Partners, einer Tochter des Vermögensverwalters Blackrock, erzählt in seinem Vortrag, dass sein Unternehmen mit Partnern bis zu 100 Milliarden Euro in künstliche Intelligenz investieren wolle. Etwa 75 bis 80 Prozent sollen in Rechenzentren fließen, während 20 bis 25 Prozent für Energieinfrastruktur vorgesehen sind. 

Denn zwischen dem Ausbau digitaler Infrastruktur und den Planungszyklen der Energiewirtschaft entsteht laut dem Experten eine wachsende Lücke. Während Netzprojekte oft fünf bis sieben Jahre benötigen, planen Technologiekonzerne wie Amazon, Google oder Microsoft ihre KI-Kapazitäten innerhalb von zwölf bis 18 Monaten.

Für die Pressevertreter aus Europa wird noch ein Hintergrundgespräch mit lokalem Fokus organisiert. Erläutert wird, wie sich Sungrow in Deutschland und Europa bei diesen Themen positioniert. Die beiden Manager Philipp Wenzl und Robert von Wahl, zuständig bei Sungrow Europe für den deutschsprachigen Raum, stellen die Pläne vor. Denn das Unternehmen sieht sich weiter auf Expansionskurs. „Ich arbeite seit achteinhalb Jahren bei Sungrow und habe angefangen, als wir 25 Kollegen in Europa waren. Mittlerweile sind wir 850 und gehen auf die 900 zu“, so von Wahl.

„Das Ziel unseres Gründers und Chairman Professor Cao ist, dass wir unseren Partnern und Kunden Lösungen über alle Bereiche hinweg anbieten können“, ergänzt Wenzl. Es brauche im Energiebereich einen ganzheitlichen Ansatz von Lösungen für Privathaushalte und Gewerbe bis hin zu Großprojekten mit Angeboten für Wechselrichter, Speicher, Ladestationen und Elektrolyseure für Wasserstoff − also alles, was Sungrow im Portfolio hat. 

Vorbehalt in der EU gegen chinesische Unternehmen

Und die zunehmenden Vorbehalte gegen chinesische Unternehmen im Energiebereich, besonders vonseiten der EU-Kommission − Stichwort kritische Infrastruktur (siehe auch Seite 4)? „Sungrow sieht sich trotz chinesischer Herkunft als global aufgestelltes Unternehmen mit regionaler Verankerung“, sagt Wenzl. Gerade in Europa setze der Hersteller auf lokale Strukturen. Auch die Betreuung der Kunden erfolge jeweils durch Teams aus den einzelnen Ländern.

Ein zentraler Schritt sei zudem der Aufbau einer Produktionsstätte im polnischen Walbrzych. Dort investiert Sungrow rund 230 Millionen Euro in sein erstes europäisches Werk. Die Fabrik soll jährlich Wechselrichter mit einer Leistung von bis zu 20.000 MW sowie Batteriespeicher mit einer Kapazität von 12,5 Milliarden kWh produzieren. 400 Arbeitsplätze sind vorgesehen. Das Werk wird gerade gebaut, 2027 soll es fertig sein.

Die beiden Manager begründen die Investition nicht unbedingt mit politischem Druck, sondern vor allem mit kürzeren Lieferzeiten, höherer Versorgungssicherheit und möglichen Anforderungen an lokale Produktion. Sungrow sei mit der Fertigungsstätte in Polen dabei der erste chinesische Wechselrichter- und Batteriespeicherhersteller mit eigener Fertigung in Europa.

Auf den offiziellen Veranstaltungsteil folgt dann das Get-together mit einem großen, opulenten und feuchten Galadinner. Dort steigt auch der Gründer und CEO von Sungrow auf die Bühne. Für einige Zeit widmet Cao Renxian sich seiner weiteren Leidenschaft: der Musik. Wobei sein Spiel − wohl ganz im Sinne der meisten Gäste − aus westlicher Popmusik besteht.

Sungrow

Der chinesische Wechselrichter- und Speicherspezialist Sungrow wurde 1997 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Hefei. Gründer und Vorstandschef ist Cao Renxian. Das Unternehmen produziert PV-Wechselrichter, Batteriespeicher, Ladeinfrastruktur, Wasserstofftechnik sowie Komponenten für Windkraft- und Elektrofahrzeuge. 
2024 erzielte Sungrow laut Geschäftsbericht einen Umsatz von 77,9 Milliarden Yuan, umgerechnet etwa 10 Milliarden Euro. Der Nettogewinn lag bei rund 11 Milliarden Yuan. Das Unternehmen beschäftigt über 17.000 Mitarbeiter, davon etwa 40 Prozent in Forschung und Entwicklung. Die Produkte werden in mehr als 180 Ländern verkauft. 
 
 

 

Montag, 15.06.2026, 08:16 Uhr
Stefan Sagmeister
Energie & Management > Aus Der Akuellen Ausgabe - Pop vom Chef und zugeklebte Kameras 
Quelle: E&M
Aus Der Akuellen Ausgabe
Pop vom Chef und zugeklebte Kameras 
Das Solarunternehmen Sungrow hat Kunden und Geschäftspartner zum Green Energy Summit nach China eingeladen. Energie & Management war mit dabei. 
Schwer vorstellbar in Deutschland: Der CEO eines weltweit operierenden Konzerns spielt bei einer offiziellen Firmenveranstaltung auf dem Saxofon den Gästen ein Ständchen. Und der Journalistenkollege aus Rom bestätigte: „Auch in Italien wäre das unmöglich.“ Zum Instrument gegriffen hatte Sungrow-Gründer Cao Renxian. Er unterhielt seine Gäste beim von seinem Unternehmen veranstalteten Green Energy Summit (GRES). Trotz der etwas ungewöhnlichen, aber durchaus sympathischen Einlage war den europäischen Gästen bei der Veranstaltung in China vieles bestens bekannt.

Insgesamt nahmen rund 300 Gäste aus aller Welt am GRES teil. Projektierer, Installateure, Investoren, Geschäftspartner. Auch E&M war mit mehreren Pressevertretern aus Europa eingeladen. Und bei der großen Abendgala am letzten Abend spielte Gründer und CEO Cao Renxian den Leuten zum Abendessen einige Lieder. Sicherlich ein Höhepunkt der Veranstaltung im chinesischen Hefei, dem Hauptsitz von Sungrow. Doch der Reihe nach:

Mehrt als 5 Millionen Menschen wohnen im Stadtgebiet von Hefei, das sich rund 500 Kilometer westlich von Shanghai befindet, nimmt man den Großraum hinzu, so sind es 10 Millionen. Für chinesische Verhältnisse nichts Besonderes. Schlendert man durch den Business District der Stadt, so könnte sich dieser auch in Frankfurt, Oslo oder Boston befinden. Links und rechts Bürohochhäuser, verbunden mit Straßen, unterbrochen durch kleine Grünanlagen. Zwischendrin Malls mit den üblichen Läden und Marken: Adidas, Champion, Starbucks. Alles sauber, alles adrett, alles sehr westlich, alles bekannt.

Vor 30 Jahren waren hier noch Felder

Allerdings: „Vor 30 Jahren waren hier noch überwiegend Felder“, sagte Tinjiao Rong vom Sungrow-Presseteam vor Ort in ausgezeichnetem Englisch, erworben unter anderem durch einen zweijährigen Studienaufenthalt in New York City. Wobei sie generell auf den beschaulichen Charakter von Hefei hinweist, trotz der Millionen von Einwohnern. 

Hefei ist der Sitz von Sungrow, einem globalen Player im Solarmarkt: Die Mitarbeiter, laut Geschäftsbericht 2024 waren es zum Stichtag weltweit exakt 17.305, produzieren und vertreiben als Hauptprodukt Wechselrichter. Damit ist das Unternehmen groß geworden und spielt international ganz vorne mit. Bei der Herstellung von Batteriespeichersystemen gehört Sungrow ebenfalls zu den größten Unternehmen weltweit. 

Der Green Energy Summit ist eine Mischung aus Selbstdarstellung, Kundenpflege und Trendbarometer und von den chinesischen Gastgebern perfekt orchestriert. Ein Bestandteil des GRES sind verschiedene Besichtigungen von Sungrow-Produktionsstätten. Eine besondere Ehre, wie man uns versichert. Dafür gibt es eine Einschränkung: Bevor man durch die Hallen marschiert, muss jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin im Bus eine blaue Folie auf seine Handykamera kleben. No foto, please, so die Devise.

Der Besuch startet bei Everst Technology Co., einer Tochterfirma von Sungrow, die auf Tests für Photovoltaik- und Windkraftanlagen sowie Batteriespeichersysteme spezialisiert ist. Das Unternehmen begleitet Produkte von der Forschung bis zur Serienreife und führt Umwelt-, Sicherheits- und Netztests durch. Temperaturbeständigkeit, Sicherheit sowie die Lebensdauer und Leistungsfähigkeit von Batteriezellen werden dort getestet.

Anschließend Busfahrt zum Sungrow Industrial Park. Hier werden die Wechselrichter hergestellt. Auf mehreren Fertigungsstraßen hantieren mechanische Stahlarme der Firma Kuka mit Elektroden und Platinen. Kuka? Genau, Kuka. Das Robotikunternehmen hat seinen Sitz im bayerischen Augsburg und wurde 2016 mehrheitlich von chinesischen Investoren übernommen. Seinerzeit ein großer Aufreger in der Öffentlichkeit. Hand in Hand mit einigen wenigen Facharbeitern bauen die Industrieroboter Stück für Stück die Wechselrichter zusammen.

In einer anderen Halle auf dem über 50 Hektar großen Gelände werden die Hochleistungswechselrichter ab 300 kW zusammengebaut. Imposant: Laut Unternehmen verlassen Inverter mit einer Jahreskapazität von 100.000 MW das Ende der Halle. Interessant: Das Verpacken und Verschließen der Wechselrichterkartons passiert − Hightech hin oder her − immer noch in menschlicher Handarbeit. 

Kuka? Genau Kuka

Nächste Station des Busses: der Sungrow Energy Storage Park. Hier befinden sich mehrere Produktionshallen für die Montage von Batteriespeichersystemen. In einer Halle werden die Batteriepacks zusammengesetzt. Dabei werden nach dem Baukastensystem mehrere Batteriezellen zu Modulen zusammengefasst, die Module wiederum bilden Batteriepacks inklusive Verkabelung und Sensorik. 

Anschließend werden die Batteriepacks dann in die üblichen 20-Fuß-Container eingebaut. Das passiert ebenfalls in der Fertigungshalle, die nicht nur von der Größe an einen Bahnhof erinnert. Parallel verlaufen hier auf mehreren Hundert Metern zahlreiche Gleise. Auf jedem Gleisstrang werden die einzelnen Container hintereinander zu den Stationen transportiert, um dort mit allen Komponenten bestückt zu werden − Batteriepacks, Kühlsysteme, Brandschutztechnik, Sensorik, Software. Ein Ampelsystem sorgt für Sicherheit in der Halle, wenn ein Container auf dem Gleis von einer Station zur nächsten fährt. 
 
Quelle: Sungrow

Am nächsten Tag der Veranstaltung findet dann der eigentliche Green Energy Summit statt, die Energiekonferenz. Ort ist das Interconti-Hotel in Hefei, das mit seiner Architektur und Funktionalität auch in Berlin oder London stehen könnte. Einen Unterschied gibt es jedoch − und den erwartet die Besucher im Saal in Form einer gigantischen Leinwand von gut und gerne 30 Metern Breite. Dort wird in erster Linie Frontalprogramm von Sungrow-Managern geboten. Im Mittelpunkt steht die Einbindung von Erneuerbaren-Anlagen in das Stromnetz im Zusammenspiel mit Batteriespeichern, freilich auch mithilfe der neuesten Sungrow-Produkte.

Erneuerbare müssen sich besser integrieren 

Denn bei den Vorträgen wird deutlich: Auch die Sungrow-Manager wissen, dass ein „produce and forget“, wie es bei der Produktion von Ökostrom lange üblich war, nicht mehr funktioniert. Die Erneuerbare-Energien-Anlagen müssen sich besser in das Stromnetz integrieren lassen und auch Systemdienstleistungen erbringen beziehungsweise systemdienlich agieren. Hier zählen die Manager auf den Einsatz von Batteriespeichern in Verbindung mit Erneuerbaren-Anlagen. Dass ein Wechselrichterhersteller hierbei vor allem PV im Blick hat, ist nicht verwunderlich. 

Ein weiterer Veranstaltungspunkt des GRES findet dann im Hauptquartier von Sungrow statt. Dort dreht sich im Programm alles um künstliche Intelligenz und Rechenzentren. Vibhu Kaushik von Global Infrastructure Partners, einer Tochter des Vermögensverwalters Blackrock, erzählt in seinem Vortrag, dass sein Unternehmen mit Partnern bis zu 100 Milliarden Euro in künstliche Intelligenz investieren wolle. Etwa 75 bis 80 Prozent sollen in Rechenzentren fließen, während 20 bis 25 Prozent für Energieinfrastruktur vorgesehen sind. 

Denn zwischen dem Ausbau digitaler Infrastruktur und den Planungszyklen der Energiewirtschaft entsteht laut dem Experten eine wachsende Lücke. Während Netzprojekte oft fünf bis sieben Jahre benötigen, planen Technologiekonzerne wie Amazon, Google oder Microsoft ihre KI-Kapazitäten innerhalb von zwölf bis 18 Monaten.

Für die Pressevertreter aus Europa wird noch ein Hintergrundgespräch mit lokalem Fokus organisiert. Erläutert wird, wie sich Sungrow in Deutschland und Europa bei diesen Themen positioniert. Die beiden Manager Philipp Wenzl und Robert von Wahl, zuständig bei Sungrow Europe für den deutschsprachigen Raum, stellen die Pläne vor. Denn das Unternehmen sieht sich weiter auf Expansionskurs. „Ich arbeite seit achteinhalb Jahren bei Sungrow und habe angefangen, als wir 25 Kollegen in Europa waren. Mittlerweile sind wir 850 und gehen auf die 900 zu“, so von Wahl.

„Das Ziel unseres Gründers und Chairman Professor Cao ist, dass wir unseren Partnern und Kunden Lösungen über alle Bereiche hinweg anbieten können“, ergänzt Wenzl. Es brauche im Energiebereich einen ganzheitlichen Ansatz von Lösungen für Privathaushalte und Gewerbe bis hin zu Großprojekten mit Angeboten für Wechselrichter, Speicher, Ladestationen und Elektrolyseure für Wasserstoff − also alles, was Sungrow im Portfolio hat. 

Vorbehalt in der EU gegen chinesische Unternehmen

Und die zunehmenden Vorbehalte gegen chinesische Unternehmen im Energiebereich, besonders vonseiten der EU-Kommission − Stichwort kritische Infrastruktur (siehe auch Seite 4)? „Sungrow sieht sich trotz chinesischer Herkunft als global aufgestelltes Unternehmen mit regionaler Verankerung“, sagt Wenzl. Gerade in Europa setze der Hersteller auf lokale Strukturen. Auch die Betreuung der Kunden erfolge jeweils durch Teams aus den einzelnen Ländern.

Ein zentraler Schritt sei zudem der Aufbau einer Produktionsstätte im polnischen Walbrzych. Dort investiert Sungrow rund 230 Millionen Euro in sein erstes europäisches Werk. Die Fabrik soll jährlich Wechselrichter mit einer Leistung von bis zu 20.000 MW sowie Batteriespeicher mit einer Kapazität von 12,5 Milliarden kWh produzieren. 400 Arbeitsplätze sind vorgesehen. Das Werk wird gerade gebaut, 2027 soll es fertig sein.

Die beiden Manager begründen die Investition nicht unbedingt mit politischem Druck, sondern vor allem mit kürzeren Lieferzeiten, höherer Versorgungssicherheit und möglichen Anforderungen an lokale Produktion. Sungrow sei mit der Fertigungsstätte in Polen dabei der erste chinesische Wechselrichter- und Batteriespeicherhersteller mit eigener Fertigung in Europa.

Auf den offiziellen Veranstaltungsteil folgt dann das Get-together mit einem großen, opulenten und feuchten Galadinner. Dort steigt auch der Gründer und CEO von Sungrow auf die Bühne. Für einige Zeit widmet Cao Renxian sich seiner weiteren Leidenschaft: der Musik. Wobei sein Spiel − wohl ganz im Sinne der meisten Gäste − aus westlicher Popmusik besteht.

Sungrow

Der chinesische Wechselrichter- und Speicherspezialist Sungrow wurde 1997 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Hefei. Gründer und Vorstandschef ist Cao Renxian. Das Unternehmen produziert PV-Wechselrichter, Batteriespeicher, Ladeinfrastruktur, Wasserstofftechnik sowie Komponenten für Windkraft- und Elektrofahrzeuge. 
2024 erzielte Sungrow laut Geschäftsbericht einen Umsatz von 77,9 Milliarden Yuan, umgerechnet etwa 10 Milliarden Euro. Der Nettogewinn lag bei rund 11 Milliarden Yuan. Das Unternehmen beschäftigt über 17.000 Mitarbeiter, davon etwa 40 Prozent in Forschung und Entwicklung. Die Produkte werden in mehr als 180 Ländern verkauft. 
 
 

 

Montag, 15.06.2026, 08:16 Uhr
Stefan Sagmeister

Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?

Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.