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Energie & Management > E-World - Politik soll H2-Investitionsrisiken senken
Auf der E-world wurde die Studie vorgestellt. Quelle: Stefan Sagmeister
E-World

Politik soll H2-Investitionsrisiken senken

Der BDEW hat mit Capgemini auf der E-world in Essen eine Studie zu Investitionsrisiken beim Wasserstoffhochlauf vorgestellt und politische Maßnahmen gegen seine Hemmnisse gefordert.
Das Interesse der Unternehmen an Wasserstoff ist weiterhin groß, allerdings hemmen regulatorische, wirtschaftliche und infrastrukturelle Risiken die nötigen Investitionen. Das ist das Fazit einer Studie, die der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) auf der E-world vorstellte. Partner der Studie sind die Unternehmensberatung Capgemini und das Oldenburger Unternehmen EWE.
 
Kirsten Westphal, Mitglied der BDEW-Hauptgeschäftsführung, begründet vor Pressevertretern in Essen die Studie mit dem anhaltenden Klärungsbedarf in Politik und Branche. „Wir haben die Studie gemacht, weil wir so oft gefragt werden, ob die Instrumente ausreichen, die jetzt in den Wasserstoffhochlauf gehen. Man muss ganz deutlich sagen: Man muss wirklich tief in den Werkzeugkasten greifen.“ Entlang der gesamten Wertschöpfungskette brauche es Anreize, einen verlässlichen ordnungspolitischen Rahmen und Instrumente zur Schließung von Preisdifferenzen.
 
Zugleich zeige die Befragung von Energie- und Industrieunternehmen ein einheitliches Bild. „Die Haupterkenntnis ist, dass alle Unternehmen sehr ähnlich argumentieren: Die Risiken sind in dieser Initialphase, in der noch kein Markt besteht, sehr hoch“, so Westphal. Deshalb müsse über staatliche Garantien und Ausfallgarantien nachgedacht werden. Förderung solle jedoch auf die Aufbauphase begrenzt bleiben. Entscheidend sei, Wasserstoff als zentralen Baustein für ein modernes Energiesystem und für industrielle Kunden zügig in den Markt zu bringen.

Die Autoren der Studie kommen zu dem Ergebnis, dass Einzelmaßnahmen nicht ausreichen, um Investitionen auszulösen oder belastbare finale Investitionsentscheidungen (Final Investment Decisions, FID) zu ermöglichen. Erst ein abgestimmtes Maßnahmenpaket könne zentrale Risiken senken und so den Aufbau eines bislang nicht existierenden Marktes unterstützen. Die vorgeschlagenen Instrumente seien ausdrücklich als zeitlich befristete Maßnahmen für die Hochlaufphase konzipiert und nicht als dauerhafte Marktmechanismen.

Zu enge Definition für grünen Wasserstoff

Als zentrale Stellschraube nennt die Studie die Anforderungen des Delegierten Rechtsakts zu Renewable Fuels of Non-Biological Origin (RFNBO), der die Kriterien für erneuerbaren Wasserstoff festlegt. Die derzeitigen Vorgaben führten zu hohen Kosten und erschwerten Investitionen. So sei es aus Sicht der Autoren nicht zielführend, zwingend neue Windparks errichten zu müssen, um Wasserstoff als erneuerbar anerkennen zu lassen. Systemisch sinnvoller sei es, Synergien im bestehenden Energiesystem zu nutzen, statt exklusive Erzeugungsanlagen allein für die Wasserstoffproduktion aufzubauen.

Darüber hinaus empfehlen BDEW und Capgemini staatliche Contracts-for-Difference (CfD) während der Hochlaufphase. Diese Differenzverträge könnten die Kostenlücke zwischen erneuerbarem beziehungsweise kohlenstoffarmem Wasserstoff und fossilen Alternativen schließen. Um die Belastung für den Staatshaushalt zu begrenzen, schlagen die Autoren zusätzliche staatliche Garantien vor. Flankierend brauche es verbindliche Leitmärkte, um eine verlässliche Nachfrage zu schaffen und Investitionssicherheit zu erhöhen.

Vollständige Wertschöpfungsketten nötig

Torben Schuster, Head of Energy Transition & Utilities bei Capgemini Invent, verwies auf der E-world auf die vorhandene Investitionsbereitschaft in Deutschland. Es fehle jedoch an Planbarkeit und regulatorischer Stabilität. Die Studie ordne die identifizierten Risiken ihren jeweiligen Treibern zu und analysiere, welche Faktoren Marktakteure tatsächlich beeinflussen könnten. Viele Projekte erreichten keine finale Investitionsentscheidung, weil die kumulierten Unsicherheiten die Risikotragfähigkeit der Unternehmen überstiegen. Den größten Handlungsbedarf sieht Schuster bei Finanzierung, Abnahmevereinbarungen und verlässlicher Regulierung.

Auch aus Unternehmenssicht bestätigt die Analyse nach Angaben der Beteiligten die bestehenden Hemmnisse. Geert Tjarks, Geschäftsführer der EWE Hydrogen, erklärte, der Hochlauf scheitere nicht an fehlender Technologie oder mangelndem Interesse, sondern an hohen Risiken und unzureichender wirtschaftlicher Absicherung entlang der gesamten Kette.

EWE investiere bereits in integrierte Wasserstoffprojekte, dies sei in der frühen Phase jedoch nur mit gezielter Förderung von Bund und Ländern möglich. Für einen breiten und nachhaltigen Markthochlauf brauche es daher Instrumente, die perspektivisch Investitionen auch ohne projektbezogene Einzelförderung ermöglichten, so Tjarks. Er wirkte als Praxisvertreter an der Studie mit.

Die Studienergebnisse zum Wasserstoffhochlauf stehen im Internet bereit.

Mittwoch, 11.02.2026, 16:50 Uhr
Stefan Sagmeister und Susanne Harmsen
Energie & Management > E-World - Politik soll H2-Investitionsrisiken senken
Auf der E-world wurde die Studie vorgestellt. Quelle: Stefan Sagmeister
E-World
Politik soll H2-Investitionsrisiken senken
Der BDEW hat mit Capgemini auf der E-world in Essen eine Studie zu Investitionsrisiken beim Wasserstoffhochlauf vorgestellt und politische Maßnahmen gegen seine Hemmnisse gefordert.
Das Interesse der Unternehmen an Wasserstoff ist weiterhin groß, allerdings hemmen regulatorische, wirtschaftliche und infrastrukturelle Risiken die nötigen Investitionen. Das ist das Fazit einer Studie, die der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) auf der E-world vorstellte. Partner der Studie sind die Unternehmensberatung Capgemini und das Oldenburger Unternehmen EWE.
 
Kirsten Westphal, Mitglied der BDEW-Hauptgeschäftsführung, begründet vor Pressevertretern in Essen die Studie mit dem anhaltenden Klärungsbedarf in Politik und Branche. „Wir haben die Studie gemacht, weil wir so oft gefragt werden, ob die Instrumente ausreichen, die jetzt in den Wasserstoffhochlauf gehen. Man muss ganz deutlich sagen: Man muss wirklich tief in den Werkzeugkasten greifen.“ Entlang der gesamten Wertschöpfungskette brauche es Anreize, einen verlässlichen ordnungspolitischen Rahmen und Instrumente zur Schließung von Preisdifferenzen.
 
Zugleich zeige die Befragung von Energie- und Industrieunternehmen ein einheitliches Bild. „Die Haupterkenntnis ist, dass alle Unternehmen sehr ähnlich argumentieren: Die Risiken sind in dieser Initialphase, in der noch kein Markt besteht, sehr hoch“, so Westphal. Deshalb müsse über staatliche Garantien und Ausfallgarantien nachgedacht werden. Förderung solle jedoch auf die Aufbauphase begrenzt bleiben. Entscheidend sei, Wasserstoff als zentralen Baustein für ein modernes Energiesystem und für industrielle Kunden zügig in den Markt zu bringen.

Die Autoren der Studie kommen zu dem Ergebnis, dass Einzelmaßnahmen nicht ausreichen, um Investitionen auszulösen oder belastbare finale Investitionsentscheidungen (Final Investment Decisions, FID) zu ermöglichen. Erst ein abgestimmtes Maßnahmenpaket könne zentrale Risiken senken und so den Aufbau eines bislang nicht existierenden Marktes unterstützen. Die vorgeschlagenen Instrumente seien ausdrücklich als zeitlich befristete Maßnahmen für die Hochlaufphase konzipiert und nicht als dauerhafte Marktmechanismen.

Zu enge Definition für grünen Wasserstoff

Als zentrale Stellschraube nennt die Studie die Anforderungen des Delegierten Rechtsakts zu Renewable Fuels of Non-Biological Origin (RFNBO), der die Kriterien für erneuerbaren Wasserstoff festlegt. Die derzeitigen Vorgaben führten zu hohen Kosten und erschwerten Investitionen. So sei es aus Sicht der Autoren nicht zielführend, zwingend neue Windparks errichten zu müssen, um Wasserstoff als erneuerbar anerkennen zu lassen. Systemisch sinnvoller sei es, Synergien im bestehenden Energiesystem zu nutzen, statt exklusive Erzeugungsanlagen allein für die Wasserstoffproduktion aufzubauen.

Darüber hinaus empfehlen BDEW und Capgemini staatliche Contracts-for-Difference (CfD) während der Hochlaufphase. Diese Differenzverträge könnten die Kostenlücke zwischen erneuerbarem beziehungsweise kohlenstoffarmem Wasserstoff und fossilen Alternativen schließen. Um die Belastung für den Staatshaushalt zu begrenzen, schlagen die Autoren zusätzliche staatliche Garantien vor. Flankierend brauche es verbindliche Leitmärkte, um eine verlässliche Nachfrage zu schaffen und Investitionssicherheit zu erhöhen.

Vollständige Wertschöpfungsketten nötig

Torben Schuster, Head of Energy Transition & Utilities bei Capgemini Invent, verwies auf der E-world auf die vorhandene Investitionsbereitschaft in Deutschland. Es fehle jedoch an Planbarkeit und regulatorischer Stabilität. Die Studie ordne die identifizierten Risiken ihren jeweiligen Treibern zu und analysiere, welche Faktoren Marktakteure tatsächlich beeinflussen könnten. Viele Projekte erreichten keine finale Investitionsentscheidung, weil die kumulierten Unsicherheiten die Risikotragfähigkeit der Unternehmen überstiegen. Den größten Handlungsbedarf sieht Schuster bei Finanzierung, Abnahmevereinbarungen und verlässlicher Regulierung.

Auch aus Unternehmenssicht bestätigt die Analyse nach Angaben der Beteiligten die bestehenden Hemmnisse. Geert Tjarks, Geschäftsführer der EWE Hydrogen, erklärte, der Hochlauf scheitere nicht an fehlender Technologie oder mangelndem Interesse, sondern an hohen Risiken und unzureichender wirtschaftlicher Absicherung entlang der gesamten Kette.

EWE investiere bereits in integrierte Wasserstoffprojekte, dies sei in der frühen Phase jedoch nur mit gezielter Förderung von Bund und Ländern möglich. Für einen breiten und nachhaltigen Markthochlauf brauche es daher Instrumente, die perspektivisch Investitionen auch ohne projektbezogene Einzelförderung ermöglichten, so Tjarks. Er wirkte als Praxisvertreter an der Studie mit.

Die Studienergebnisse zum Wasserstoffhochlauf stehen im Internet bereit.

Mittwoch, 11.02.2026, 16:50 Uhr
Stefan Sagmeister und Susanne Harmsen

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