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Energie & Management > Stromnetz - Nach Brandanschlag: Haushaltskunden haben wieder Strom
Ebenfalls durch Sabotage beschädigter Strommast bei Garching. Quelle: Bayernwerk
Stromnetz

Nach Brandanschlag: Haushaltskunden haben wieder Strom

Der Stromausfall in Reutlingen (Baden-Württemberg) ist durch Brandstiftung in einem Umspannwerk ausgelöst worden. Zu Einzelheiten äußerte sich jetzt die Geschäftsführung von Netze BW.
Mit einer positiven Meldung eröffnete Jörg Reichert, Vorsitzender der Netze BW, am 9. Juni die Pressekonferenz zum Brandanschlag auf ein Umspannwerk in Reutlingen: Fast alle Haushalte sind wieder an die Stromversorgung angeschlossen. Einige Gewerbe- und Industriekunden müssen allerdings noch warten, vermutlich bis Mittwoch. 

Am Montagmorgen um 01.45 Uhr war es durch einen Brand, der auch die beiden Transformatoren beschädigte, zum Ausfall des 110-kV-Umspannwerks West in Reutlingen gekommen. Es wird gemeinsam von Netze BW und Fair-Netz, einer Tochter der Stadtwerke Reutlingen, betrieben. Dadurch fiel allerdings auch das nachgelagerte Umspannwerk Mitte aus, was die Lage zusätzlich verschärfte: Betroffen waren 7.600 Haushalte und 40.000 Menschen. Zur genauen Schadenshöhe wollte man sich bei Netze BW noch nicht äußern, sie werde aber sicher im Millionenbereich liegen, hieß es. Die weiteren Arbeiten, um die ursprüngliche Konfiguration der Anlage wiederherzustellen, werden nach Angaben von Richard Huber, Leiter Systemübergreifende Infrastruktur des Netzbetreibers, noch Monate. 

Nach Angaben von Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) wurde eine Polizeieinsatzhundertschaft nach Reutlingen verlegt, um Präsenz an kritischer Infrastruktur und in den vom Stromausfall betroffenen Gebieten zu zeigen. Die Ermittlungen konzentrieren sich inzwischen auf den Verdacht der vorsätzlichen Brandlegung sowie der gezielten Störung öffentlicher Betriebe. Hagel sagte, man werde den Fall ergebnisoffen in alle Richtungen untersuchen − also auch, ob ein Brandanschlag oder ein terroristischer Akt dahinterstecken könnte. Auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach von einem Brandanschlag. 

Das LKA teilte mit, bislang gebe es weder Hinweise auf Tatverdächtige noch auf ein Motiv. Der Zaun des Umspannwerks wurde beschädigt und die Brände mit einem Brandbeschleuniger an mehreren Stellen gelegt.

Zügige Wiederversorgung als Ziel

Während man sich bei Netze BW mit Verweis auf die Zuständigkeit der Sicherheitsbehörden zu der Brandursache nicht weiter äußern wollte, ging der Netzbetreiber auf Fragen zur Anlagensicherheit ein. Allerdings ohne – aus Sicherheitsgründen – konkret zu werden. Reichert betonte, an den vorliegenden Konzepten werde permanent gearbeitet, sowohl die physische Resilienz als auch die Cybersicherheit seien ständig Thema.

Die zweite Frage müsse aber immer sein, ob man eine schnelle Instandsetzung hinbekomme, wenn Schäden entstanden sind. Und da sei man gut gerüstet und aufgestellt. In dem Zusammenhang verwies er darauf, dass es bei einem Hochspannungsleitungsnetz mit einer Länge von 4.000 Kilometern und 330 Umspannwerken keine absolute Sicherheit geben könne. „Es ist wichtig, dass wir handlungsfähig sind, wenn es Ausfälle gibt“, sagte auch Richard Huber. 

Der Leiter Systemübergreifende Infrastruktur erklärte, dass die Sicherheitskonzepte seit Jahren an die wachsende Bedrohungslage angepasst werden. Man baue zudem massiv Mitarbeiter und Material auf, um nach Schäden eine zügige Wiederversorgung hinzubekommen. Reichert verwies darüber hinaus auf die Abwägung zwischen Transparenz beim Netzausbau und -betrieb sowie dem Schutzbedarf der Infrastruktur. Auch das müsse vor dem Hintergrund wachsender Bedrohungen neu bewertet werden. 

Erweiterte Schutzmaßnahmen wie massive Zaunanlagen, Videoüberwachung oder gar der Einsatz von Sicherheitspersonal müssten mit der Politik diskutiert werden. Dabei gehe es schließlich um hohe Kosten.

Sabotage auch bei Bayernwerk-Masten

Zuletzt hatten Brandanschläge auf zwei Hochspannungsmasten des Bayernwerks für Aufsehen gesorgt. Die Sabotageakte in Garching bei München haben am frühen Pfingstmontag zu einem allerdings nur 45-minütigen Stromausfall geführt. Durch Schaltmaßnahmen konnten die betroffenen Regionen schnell wieder versorgt werden. 

Weit gravierendere Auswirkungen hatten zuletzt Sabotageakte in Berlin und Umgebung. Bei Tesla in Grünheide gingen im März 2024 die Lichter aus, nachdem ein Mast, an dem die Freileitungen in Erdkabel überführt werden, in Brand gesetzt worden war. In Berlin selbst kam es im September 2025 und zuletzt im Januar 2026 zu Brandanschlägen. Nach dem Brand einer Kabelbrücke waren dieses Jahr bis zu 100.000 Menschen tagelang von der Stromversorgung abgeschnitten. 

Dienstag, 9.06.2026, 16:31 Uhr
Günter Drewnitzky
Energie & Management > Stromnetz - Nach Brandanschlag: Haushaltskunden haben wieder Strom
Ebenfalls durch Sabotage beschädigter Strommast bei Garching. Quelle: Bayernwerk
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Nach Brandanschlag: Haushaltskunden haben wieder Strom
Der Stromausfall in Reutlingen (Baden-Württemberg) ist durch Brandstiftung in einem Umspannwerk ausgelöst worden. Zu Einzelheiten äußerte sich jetzt die Geschäftsführung von Netze BW.
Mit einer positiven Meldung eröffnete Jörg Reichert, Vorsitzender der Netze BW, am 9. Juni die Pressekonferenz zum Brandanschlag auf ein Umspannwerk in Reutlingen: Fast alle Haushalte sind wieder an die Stromversorgung angeschlossen. Einige Gewerbe- und Industriekunden müssen allerdings noch warten, vermutlich bis Mittwoch. 

Am Montagmorgen um 01.45 Uhr war es durch einen Brand, der auch die beiden Transformatoren beschädigte, zum Ausfall des 110-kV-Umspannwerks West in Reutlingen gekommen. Es wird gemeinsam von Netze BW und Fair-Netz, einer Tochter der Stadtwerke Reutlingen, betrieben. Dadurch fiel allerdings auch das nachgelagerte Umspannwerk Mitte aus, was die Lage zusätzlich verschärfte: Betroffen waren 7.600 Haushalte und 40.000 Menschen. Zur genauen Schadenshöhe wollte man sich bei Netze BW noch nicht äußern, sie werde aber sicher im Millionenbereich liegen, hieß es. Die weiteren Arbeiten, um die ursprüngliche Konfiguration der Anlage wiederherzustellen, werden nach Angaben von Richard Huber, Leiter Systemübergreifende Infrastruktur des Netzbetreibers, noch Monate. 

Nach Angaben von Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) wurde eine Polizeieinsatzhundertschaft nach Reutlingen verlegt, um Präsenz an kritischer Infrastruktur und in den vom Stromausfall betroffenen Gebieten zu zeigen. Die Ermittlungen konzentrieren sich inzwischen auf den Verdacht der vorsätzlichen Brandlegung sowie der gezielten Störung öffentlicher Betriebe. Hagel sagte, man werde den Fall ergebnisoffen in alle Richtungen untersuchen − also auch, ob ein Brandanschlag oder ein terroristischer Akt dahinterstecken könnte. Auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach von einem Brandanschlag. 

Das LKA teilte mit, bislang gebe es weder Hinweise auf Tatverdächtige noch auf ein Motiv. Der Zaun des Umspannwerks wurde beschädigt und die Brände mit einem Brandbeschleuniger an mehreren Stellen gelegt.

Zügige Wiederversorgung als Ziel

Während man sich bei Netze BW mit Verweis auf die Zuständigkeit der Sicherheitsbehörden zu der Brandursache nicht weiter äußern wollte, ging der Netzbetreiber auf Fragen zur Anlagensicherheit ein. Allerdings ohne – aus Sicherheitsgründen – konkret zu werden. Reichert betonte, an den vorliegenden Konzepten werde permanent gearbeitet, sowohl die physische Resilienz als auch die Cybersicherheit seien ständig Thema.

Die zweite Frage müsse aber immer sein, ob man eine schnelle Instandsetzung hinbekomme, wenn Schäden entstanden sind. Und da sei man gut gerüstet und aufgestellt. In dem Zusammenhang verwies er darauf, dass es bei einem Hochspannungsleitungsnetz mit einer Länge von 4.000 Kilometern und 330 Umspannwerken keine absolute Sicherheit geben könne. „Es ist wichtig, dass wir handlungsfähig sind, wenn es Ausfälle gibt“, sagte auch Richard Huber. 

Der Leiter Systemübergreifende Infrastruktur erklärte, dass die Sicherheitskonzepte seit Jahren an die wachsende Bedrohungslage angepasst werden. Man baue zudem massiv Mitarbeiter und Material auf, um nach Schäden eine zügige Wiederversorgung hinzubekommen. Reichert verwies darüber hinaus auf die Abwägung zwischen Transparenz beim Netzausbau und -betrieb sowie dem Schutzbedarf der Infrastruktur. Auch das müsse vor dem Hintergrund wachsender Bedrohungen neu bewertet werden. 

Erweiterte Schutzmaßnahmen wie massive Zaunanlagen, Videoüberwachung oder gar der Einsatz von Sicherheitspersonal müssten mit der Politik diskutiert werden. Dabei gehe es schließlich um hohe Kosten.

Sabotage auch bei Bayernwerk-Masten

Zuletzt hatten Brandanschläge auf zwei Hochspannungsmasten des Bayernwerks für Aufsehen gesorgt. Die Sabotageakte in Garching bei München haben am frühen Pfingstmontag zu einem allerdings nur 45-minütigen Stromausfall geführt. Durch Schaltmaßnahmen konnten die betroffenen Regionen schnell wieder versorgt werden. 

Weit gravierendere Auswirkungen hatten zuletzt Sabotageakte in Berlin und Umgebung. Bei Tesla in Grünheide gingen im März 2024 die Lichter aus, nachdem ein Mast, an dem die Freileitungen in Erdkabel überführt werden, in Brand gesetzt worden war. In Berlin selbst kam es im September 2025 und zuletzt im Januar 2026 zu Brandanschlägen. Nach dem Brand einer Kabelbrücke waren dieses Jahr bis zu 100.000 Menschen tagelang von der Stromversorgung abgeschnitten. 

Dienstag, 9.06.2026, 16:31 Uhr
Günter Drewnitzky

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