Messers neueste Generation von Wasserstoffrailern. Quelle: Messer SE & Co. KGaA
Der Industriegasehersteller Messer will sich an vier Wasserstoffstandorten von Lhyfe in Deutschland und Frankreich beteiligen. Beide Unternehmen planen Lieferungen für über zehn Jahre.
Der Industriegasehersteller Messer will 30 Prozent an einer Gesellschaft übernehmen, die vier Wasserstoffproduktionsstandorte von Lhyfe in Frankreich und Deutschland hält. Drei Anlagen liegen in Frankreich, eine in Deutschland. Wie die Unternehmen am 13. Juli mitteilten, soll Messer außerdem über zehn Jahre Wasserstoff aus diesen Standorten beziehen. Der Abschluss der Beteiligung steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kreditgeber und wird in den kommenden Monaten erwartet.
Lhyfe mit Sitz im französischen Nantes entwickelt und betreibt Anlagen zur Erzeugung von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien. Messer mit Sitz in Bad Soden am Taunus (Hessen) produziert und vertreibt Industrie-, Medizin-, Elektronik- und Spezialgase. Nach Angaben der Partner verbindet die Vereinbarung damit eine langfristige Lieferbeziehung mit einer Minderheitsbeteiligung an den Produktionsanlagen.
Abnahme soll schrittweise steigen
Messer verpflichtet sich laut der gemeinsamen Mitteilung ab diesem Jahr zu einer Mindestabnahme. Diese soll schrittweise wachsen und „mehrere hundert Tonnen Wasserstoff pro Jahr“ erreichen. Darüber hinaus strebt der Gasehersteller an, rund die Hälfte der Produktion der drei französischen Standorte zu übernehmen. Für die deutsche Anlage nennt die Mitteilung kein vergleichbares zusätzliches Abnahmeziel.
Der Vertrag umfasst nach Angaben der Unternehmen auch Wasserstoff, der nach den EU-Kriterien für erneuerbare Kraftstoffe nicht biogenen Ursprungs (Renewable Fuels of Non-Biological Origin, RFNBO) zertifiziert ist. Messer will die Mengen in sein Lieferportfolio aufnehmen und an bestehende sowie neue Industriekunden vermarkten. Das Unternehmen bringt zudem seine Erfahrung bei Sicherheit, Betrieb, Logistik, Gasehandling und Vertrieb in die Standortgesellschaft ein.
Welche vier Standorte genau Teil der Transaktion sind, geht aus der gemeinsamen Mitteilung nicht hervor. Auch Angaben zur gesamten Produktionskapazität, zum Kaufpreis für die Beteiligung und zu den vereinbarten Wasserstoffpreisen machen Lhyfe und Messer nicht. Damit bleibt offen, welchen finanziellen Umfang der Liefervertrag und der Einstieg von Messer haben.
Lhyfe bleibt Betreiber der Anlagen
Trotz des Einstiegs von Messer soll Lhyfe die Mehrheit an der Standortgesellschaft behalten. Der Wasserstoffproduzent will die Gesellschaft weiterhin vollständig in seinen Konzernabschluss einbeziehen und alleiniger Betreiber der vier Anlagen bleiben. Betriebs- und Managementleistungen soll Lhyfe den jeweiligen Projektgesellschaften weiterhin in Rechnung stellen.
Für Lhyfe hat das Geschäft vor allem finanzielle Bedeutung. Die Mindestabnahme soll die Erlöse aus den vier Standorten besser planbar machen. Zugleich fließt dem Unternehmen durch den Verkauf des 30-Prozent-Anteils Kapital zu. Lhyfe bezeichnet die Transaktion als erste Kapitalrotation. Das Unternehmen veräußert damit erstmals einen Minderheitsanteil an seinen Anlagen, ohne die operative Kontrolle abzugeben. Nach eigenen Angaben will es die zusätzlichen Mittel auf fortgeschrittene und kommerziell abgesicherte Projekte konzentrieren.
Messer-Chef Peter Mohnen begründet die Vereinbarung mit dem langfristigen Zugang zu grünem Wasserstoff. Die räumliche Verteilung der Standorte könne nach seiner Einschätzung Transportwege verkürzen. Lhyfe-Gründer Matthieu Guesne sieht in der Beteiligung vor allem eine Stärkung der Finanzierungsmöglichkeiten seines Unternehmens. Konkrete neue Projekte, die aus der Transaktion finanziert werden sollen, gaben die Partner nicht bekannt. (ds)
Dienstag, 14.07.2026, 10:30 Uhr
Davina Spohn
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