Von links: Thomas Seibel, Peter Lopion, Moderator Tobias Federico, Sven Becker, Sandra Trittin und Stefan Richter. Quelle: Katia Meyer-Tien
Welche Rolle spielen Batteriespeicher im Energiesystem der Zukunft? Und wie umgehen mit dem knappen Gut Netzanschluss? Darüber diskutierten Branchenvertreter auf der E-world.
„Batteriespeicher sind tolle Assets“, sagte Peter Lopion, Fachreferent für Regulierung Strommarkt beim Übertragungsnetzbetreiber Amprion, bei einer Podiumsdiskussion zur Zukunft des europäischen Strommarktes auf der diesjährigen E-world „Sie bringen ein Riesenpotenzial mit, sowohl marktdienlich als auch netzdienlich zu sein„
Marktdienlich seien die meisten schon. Der entscheidende Punkt sei jetzt, auch die Netzdienlichkeit zu erreichen, beispielsweise durch den Einsatz von Batteriespeichern im Redispatchprozess, und über die Anreize dafür, dass Batteriespeicher Systemdienstleistungen erbringen. “Dafür gibt es jetzt Märkte und es sind spannende Ansätze da“, sagte Lopion. Diese Anreize gelte es, langfristig zu sichern.
Zunächst aber müssen die Batteriespeicher erst einmal ins Netz. Anschlussanträge für 12.500 Batterieprojekte lagen Ende 2025 allein beim Verteilnetzbetreiber Eon Netz auf dem Tisch, berichtet Stefan Richter, Vice President Regulatory Management bei Eon. Nicht hinter all diesen Anträgen stehen realisierbare Projekte, über den Anschluss entscheiden muss der Netzbetreiber trotzdem. Die Speicherbetreiber, sagt Richter, empfänden sich dabei als ganz besondere Flexibilitätsoption. Das seien sie auch. „Aber andere können viele Dinge auch“.
Auch Wärmepumpen, Elektrofahrzeuge, Heimspeicher oder Solaranlagen böten enormes Flexibilisierungspotenzial, sagte die Mitgründerin und Chief Growth Officer (CGO) des Plattformanbieters Beebop, Sandra Trittin. „Großspeicher sind zentral, sie sind wichtig. Sie sind aber nur der erste große Schritt.“
Schwierige Priorisierung
Umso mehr ist es notwendig, sinnvolle Priorisierungskriterien für die Vergabe von Netzanschlüssen zu entwickeln. Für das Übertragungsnetz haben die Netzbetreiber unlängst ein Papier vorgelegt, das die Anschlussvergabe in Abhängigkeit vom Realisierungsgrad ermöglichen soll, das sogenannte „Reifegradverfahren“.
Was dabei allerdings nur indirekt eine Rolle spielt, ist das Dekarbonisierungspotenzial der anschlussbegehrenden Projekte. „Wir möchten schon auch den Dekarbonisierungsbeitrag bewerten“, sagt Stefan Richter. „Aber das Dekarbonisierungsmerkmal ist, wenn es in einen Streit vor Gericht geht, das schwächste Element.“ Mögliche Priorisierungsoptionen seien Aspekte wie die Frage der Ortsflexibilität eines Projektes, die Bereitschaft, mittels FCA (Flexible Connection Agreement) die Einspeiseleistung begrenzen zu lassen, die Jahreshöchstnutzungsraten und weitere Kriterien.
„Aber die Frage, in welcher Reihenfolge sie anschließen, ist dieselbe Frage wie während der Gasmangellage, wen sie zuerst abschalten. Und Sie wissen, wie die Entscheidung ausgegangen ist: Es hat sie keiner getroffen.“ Nun sei die Frage: Muss die Politik, die Behörde oder der Netzbetreiber die Entscheidung treffen? „Wenn wir das entscheiden sollen, dann brauchen wir Haftungserleichterungen. Wir können nicht 12.500 Gerichtsverfahren führen. Oder jemand anders soll es entscheiden.“
„Wir brauchen jedes Fitzelchen Flexibilität“
Grundsatzentscheidungen, die die richtigen Rahmenbedingungen für die Transformation des Energiesystems in den kommenden Jahren setzen, wünscht sich auch Sven Becker, CEO des Stadtwerkeverbunds Trianel. „Wenn wir dekarbonisieren, also auf 0 GW gesicherte Leistung kommen wollen, und heute bei einer Höchstlast von 75 GW sind, die durch die Elektrifizierung 100 GW hochgeht, dann müssen wir 100 GW Backup vorhalten. Und wir können nicht 100 GW Gaskraftwerke bauen. Da brauchen wir jedes Fitzelchen Flexibilität“.
Aus Investorensicht − Trianel hat vor drei Jahren ein 900-MW-Speicherprojekt gestartet − kämen derzeit aber die falschen Signale, wie beispielsweise die kürzlich bekannt gewordenen Überlegungen der Bundesnetzagentur, die Netzentgeltbefreiung für Batteriespeicherprojekte zu streichen. Projekte für mehrere Milliarden Euro seien derzeit in der Entwicklung. „Und jetzt kommt die Bremsspur der Regulierung. Damit wird eine Unsicherheit geschürt, die für den Standort Deutschland höchstgradig schädlich ist. Das ist Gift für die Energiewende und für einen Industriestandort Deutschland“, sagte Becker unter Applaus des Publikums.
Thomas Seibel, CEO des Investmentberaters „re:cap“, hält Priorisierungskriterien wie im Reifegradverfahren ebenfalls für längst überfällig. Für ihn sei auch wichtig, dass die Projekte auch einen volkswirtschaftlichen Nutzen bringen „Aber mein Eindruck ist: Wir drehen immer nur an kleinen Stellschrauben.“ Noch werde nicht über die großen Gesamtstrategien geredet. „Wir brauchen eine integrale Sichtweise“, sagt auch Trianel-CEO Becker: „Lasst uns nicht Netz gegen Markt oder Erneuerbare gegen Speicher ausspielen.“
Donnerstag, 12.02.2026, 09:30 Uhr
Katia Meyer-Tien
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