Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundesumweltministerium (2006). Quelle: Bundesumweltministerium
Aktuell wird der Windkraftausbau auf See intensiv debattiert. Vor 20 Jahren war dies nicht anders. Nur, die Vorzeichen waren andere. Und die Zielmarke für 2030 lag bei 25.000 MW.
Im Sommer 2006 - Sigmar Gabriel war Bundesumweltminister - erläuterte seine Staatssekretär Matthias Machnig im Gespräch mit dem damaligen E&M-Chefreporter Ralf Köpke, welche Initiativen die Bundesregierung für den Ausbau der Windkraft auf See plant.
E&M: Herr Staatssekretär, in ersten Ankündigungen hieß es, dass das Offshore-Testfeld vor Borkum in diesem Jahr in Betrieb geht. Dann war von voraussichtlich 2007 die Rede, mittlerweile soll es das Jahr 2008 werden. Wann ist es wirklich soweit?
Machnig: Es hat Verzögerungen gegeben. Mittlerweile hat die Offshore-Stiftung alle Probleme im Griff, weshalb wir davon ausgehen, dass die Offshore-Turbinen im Testfeld im Sommer 2008 in Betrieb gehen. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, aber wir sind sicher, dass von dem Testfeld eine Initialzündung für alle weiteren geplanten Offshore-Windparks in der deutschen Nord- und Ostsee ausgeht. Diesen Impuls brauchen wir, denn die Bundesregierung hält an ihrem Plan fest, dass bis zum Jahr 2030 insgesamt 20 000 bis 25 000 Megawatt Offshore-Kapazität in den deutschen Gewässern installiert sind.
E&M: Wie es aussieht, wird der Offshore-Windpark Baltic I vor dem Darß in der Ostsee wohl als erster Offshore-Windpark in Betrieb gehen. Kann vom Testfeld deshalb wirklich die gewünschte Initialzündung ausgehen?
Machnig: Ob Baltic I oder das Testfeld ein paar Wochen eher ans Netz gehen, ist nicht entscheidend. Wir brauchen endlich laufende Windräder auf See, damit Banken, Versicherungen, die Energiewirtschaft und auch die Politik ein Projekt zum Anfassen haben, das ihnen zeigt, dass Offshore-Windkraft funktioniert.
E&M: Kann von dem Testfeld wirklich eine Initialzündung ausgehen, wenn die Enercon GmbH, Deutschlands mit Abstand wichtigster Windturbinen-Hersteller keine seiner großen Anlagen vor Borkum aufstellen will? Enercon-Chef Wobben hatte Anfang des Jahres erklärt, kein Interesse an dem Offshore-Windgeschäft zu haben.
Machnig: Die Auswahl der Anlagen, die vor Borkum stehen werden, treffen die Offshore-Stiftung und die Betreibergesellschaft. Wir wissen nur, dass es zurzeit positivere Signale aus Aurich gibt und Enercon, gegebenenfalls auch zu einem späteren Zeitpunkt, durchaus mit von der Partie sein könnte.
E&M: Nicht nur beim Offshore-Testfeld gibt es Verzögerungen. Auch bei der im Strategiepapier zur Offshore-Windnutzung gemachten Einschätzung, dass bis zum Jahr 2010 zwischen 2 000 bis 3 000 MW Offshore in deutschen Gewässern in Betrieb sind, liegt die Bundesregierung hinter dem Plan. Wie wollen Sie das ändern?
Machnig: Das Bundesumweltministerium wird am 21. September zu einem Gipfelgespräch über die Offshore-Windkraftnutzung einladen. Bei dieser Veranstaltung wollen wir nicht nur über die bisherigen Erfahrungen mit den deutschen Offshore-Projekten, sondern vor allem über deren Perspektiven reden. Wir wollen schon im Vorfeld einen Entwurf vorlegen, wie es parallel zu der Offshore-Nutzung auch mit dem Repowering weitergeht, sprich dem Austausch älterer, kleinerer Windturbinen gegen moderne, effiziente Anlagen.
E&M: Bei dieser Veranstaltung dürfte es heiße Debatten um die künftige Vergütung des Offshore-Stroms geben. Die Windverbände und die Planungsbüros sagen, dass mit der heutigen Vergütungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) von 9,1 Cent/kWh Offshore in Deutschland nicht möglich sei, und fordern stattdessen 11 bis 13 Cent als Einspeisepreis. Bundesumweltminister Gabriel hat gegenüber E&M ein Ausschreibungsmodell als künftiges Vergütungssystem für Offshore-Strom anklingen lassen, was eine Abkehr vom EEG bedeuten würde. Wohin geht die Reise?
Machnig: Wir stehen am Anfang einer Debatte. Wir müssen schauen, was kurzfristig notwendig ist und was vielleicht langfristig sinnvoll wäre. Bei der Vergütungsfrage soll uns die Veranstaltung am 21. September helfen, die auch wichtig ist, da die EEG-Novellierung ansteht.
E&M: Wie viele Offshore-Windparks werden bis zum Jahr 2010 in deutschen Gewässern in Betrieb gehen?
Machnig: Wir werden keine Ankündigungen machen. Wir werden im Jahr 2008 die ersten Schritte Offshore machen und dann weitere Erfahrungen sammeln. Wichtig ist, dass der Start absehbar ist. Wenn die ersten Projekte laufen, dann werden wir schnell eine Handvoll weiterer Vorhaben erleben. Vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie liegen mittlerweile über ein Dutzend Genehmigungen vor.
Sonntag, 9.08.2026, 21:36 Uhr
Ralf Köpke
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