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Energie & Management > Gasnetz - Russland puschte Gasexporte über Turkstream
Quelle: Fotolia / zozzzzo
Gasnetz

Russland puschte Gasexporte über Turkstream

Die russischen Gastransporte nach Europa über die Schwarzmeerleitung Turkstream steigen 2025 auf 18 Milliarden Kubikmeter Gas. 
Nach Daten der europäischen Transportnetzbetreiber Entsog legten die Gasexporte von Russland nach Europa über Turkstream im Jahr 2025 um 8,3 Prozent auf 18,1 Milliarden Kubikmeter, berichtete Anfang Januar die russische Nachrichtenagentur Tass. Allein im Dezember seien die russischen Gasexporte nach Europa über diese Route im Vergleich zum Vormonat November um 6,6 Prozent und im Vergleich zum Dezember 2024 um 13,6 Prozent auf 1,73 Milliarden Kubikmeter Gas gestiegen. Dies markiere einen neuen Höchstwert für Lieferungen innerhalb eines Monats seit Inbetriebnahme der Pipeline im Januar 2020. 

Ungarn und Türkei Hauptabnehmer

Im Jahr 2024 waren die Lieferungen über Turkstream nach Europa dem Netzbetreiber Entsog zufolge um 23 Prozent auf 16,7 Milliarden Kubikmeter gestiegen. Davon gingen 8,6 Milliarden Kubikmeter Gas nach Ungarn. Ungarn ist in Europa der Hauptabnehmer von russischem Turkstream-Gas. Die Türkei bezieht ebenfalls über Turkstream Gas aus Russland. Der vertragliche Lieferumfang beträgt 5,75 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr. Insgesamt können die beiden Turkstream-Röhren 31,5 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr von der russischen Schwarzmeerküste an den Bosporus transportieren.

Das meiste Gas importiert die Türkei über die Blue Stream Pipeline im Schwarzen Meer. Im Jahr 2024 stiegen die türkischen Gasimporte laut Tass um 2,6 Prozent auf über 21 Milliarden Kubikmeter Gas. Im Dezember verlängerten das staatliche Energieunternehmen Botas und der russische Gaskonzern Gazprom die Lieferverträge zu Turkstream und Blue Stream, die Ende 2025 ausliefen, nur um ein Jahr. Diversifizierung, eigene Gasförderpläne und die Ausstiegspläne der EU aus russischen Gasimporten bis 2027 scheinen die Türkei davon abzuhalten, sich langfristig festzulegen.

Trotz Wachstum kein Ausgleich 

Zugleich vereinbarte der ungarische Premier Viktor Orban im Dezember mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan eine Transitgarantie von russischem Gas bis an die bulgarische Grenze und stellte sich damit den EU-Ausstiegsbeschlüssen entgegen. Darüber hinaus soll der Turkstream-Betreiber South Stream Transport seinen Stammsitz von den Niederlanden nach Ungarn verlegen, um die Gazprom-Tochter vor der gerichtlich angeordneten Beschlagnahme von Vermögenswerten zur Entschädigung des ukrainischen Energieunternehmen DTEK Krimenergo zu bewahren. DTEK hatte wegen seiner Verluste durch die Besetzung der Krim Klage eingereicht.

Ungarn will den reibungslosen Betrieb der letzten verbliebenen Pipeline-Verbindung nach Europa sichern. Der Transitausfall über die Ukraine ließ sich mit den höheren Turkstream-Lieferungen dennoch nicht ausgleichen, so dass die europäischen Gasimporte per Pipeline aus Russland um weit über 40 Prozent gesunken sind.

Zum Vergleich: Die EU bezog 2024 über die Ukraine und das Schwarze Meer insgesamt 31,6 Milliarden Kubikmeter Gas. Um auf diese Menge zu kommen, müssten beide Stränge von Turkstream Gas von der Türkei nach Europa durchleiten und Teile der Infrastruktur, die für den vertikalen Gaskorridor von Griechenland nach Bulgarien und von dort über die Transbalkan-Pipeline bis in die Ukraine vorgesehen sind, mit genutzt werden. 

China im Fokus

Folglich ist Russland beim Gasexport per Pipeline aus südlicher Richtung nach Europa am Anschlag und fokussiert sich auf China. Gazprom-Chef Alexej Miller erwähnte in seiner Ansprache zum Jahresende Europa mit keinem Wort und stellte hier wachsende Liefermengen im Inland, an zentralasiatische Nachbarn und China in den Vordergrund. 38,8 Milliarden Kubikmeter Gas lieferte Gazprom Miller zufolge im vergangenen Jahr über Kraft Sibiriens 1 nach China und lag damit über dem Vertragsumfang von 38 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr. Sollten alle Pipeline-Pläne realisiert werden, rechnet Russland mit einem Lieferumfang von 106 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr. In dem juristischen Abkommen vom September mit China sieht Miller für Kraft Sibiriens 2 beste Aussichten.

Freitag, 2.01.2026, 14:34 Uhr
Josephine Bollinger-Kanne
Energie & Management > Gasnetz - Russland puschte Gasexporte über Turkstream
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Russland puschte Gasexporte über Turkstream
Die russischen Gastransporte nach Europa über die Schwarzmeerleitung Turkstream steigen 2025 auf 18 Milliarden Kubikmeter Gas. 
Nach Daten der europäischen Transportnetzbetreiber Entsog legten die Gasexporte von Russland nach Europa über Turkstream im Jahr 2025 um 8,3 Prozent auf 18,1 Milliarden Kubikmeter, berichtete Anfang Januar die russische Nachrichtenagentur Tass. Allein im Dezember seien die russischen Gasexporte nach Europa über diese Route im Vergleich zum Vormonat November um 6,6 Prozent und im Vergleich zum Dezember 2024 um 13,6 Prozent auf 1,73 Milliarden Kubikmeter Gas gestiegen. Dies markiere einen neuen Höchstwert für Lieferungen innerhalb eines Monats seit Inbetriebnahme der Pipeline im Januar 2020. 

Ungarn und Türkei Hauptabnehmer

Im Jahr 2024 waren die Lieferungen über Turkstream nach Europa dem Netzbetreiber Entsog zufolge um 23 Prozent auf 16,7 Milliarden Kubikmeter gestiegen. Davon gingen 8,6 Milliarden Kubikmeter Gas nach Ungarn. Ungarn ist in Europa der Hauptabnehmer von russischem Turkstream-Gas. Die Türkei bezieht ebenfalls über Turkstream Gas aus Russland. Der vertragliche Lieferumfang beträgt 5,75 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr. Insgesamt können die beiden Turkstream-Röhren 31,5 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr von der russischen Schwarzmeerküste an den Bosporus transportieren.

Das meiste Gas importiert die Türkei über die Blue Stream Pipeline im Schwarzen Meer. Im Jahr 2024 stiegen die türkischen Gasimporte laut Tass um 2,6 Prozent auf über 21 Milliarden Kubikmeter Gas. Im Dezember verlängerten das staatliche Energieunternehmen Botas und der russische Gaskonzern Gazprom die Lieferverträge zu Turkstream und Blue Stream, die Ende 2025 ausliefen, nur um ein Jahr. Diversifizierung, eigene Gasförderpläne und die Ausstiegspläne der EU aus russischen Gasimporten bis 2027 scheinen die Türkei davon abzuhalten, sich langfristig festzulegen.

Trotz Wachstum kein Ausgleich 

Zugleich vereinbarte der ungarische Premier Viktor Orban im Dezember mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan eine Transitgarantie von russischem Gas bis an die bulgarische Grenze und stellte sich damit den EU-Ausstiegsbeschlüssen entgegen. Darüber hinaus soll der Turkstream-Betreiber South Stream Transport seinen Stammsitz von den Niederlanden nach Ungarn verlegen, um die Gazprom-Tochter vor der gerichtlich angeordneten Beschlagnahme von Vermögenswerten zur Entschädigung des ukrainischen Energieunternehmen DTEK Krimenergo zu bewahren. DTEK hatte wegen seiner Verluste durch die Besetzung der Krim Klage eingereicht.

Ungarn will den reibungslosen Betrieb der letzten verbliebenen Pipeline-Verbindung nach Europa sichern. Der Transitausfall über die Ukraine ließ sich mit den höheren Turkstream-Lieferungen dennoch nicht ausgleichen, so dass die europäischen Gasimporte per Pipeline aus Russland um weit über 40 Prozent gesunken sind.

Zum Vergleich: Die EU bezog 2024 über die Ukraine und das Schwarze Meer insgesamt 31,6 Milliarden Kubikmeter Gas. Um auf diese Menge zu kommen, müssten beide Stränge von Turkstream Gas von der Türkei nach Europa durchleiten und Teile der Infrastruktur, die für den vertikalen Gaskorridor von Griechenland nach Bulgarien und von dort über die Transbalkan-Pipeline bis in die Ukraine vorgesehen sind, mit genutzt werden. 

China im Fokus

Folglich ist Russland beim Gasexport per Pipeline aus südlicher Richtung nach Europa am Anschlag und fokussiert sich auf China. Gazprom-Chef Alexej Miller erwähnte in seiner Ansprache zum Jahresende Europa mit keinem Wort und stellte hier wachsende Liefermengen im Inland, an zentralasiatische Nachbarn und China in den Vordergrund. 38,8 Milliarden Kubikmeter Gas lieferte Gazprom Miller zufolge im vergangenen Jahr über Kraft Sibiriens 1 nach China und lag damit über dem Vertragsumfang von 38 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr. Sollten alle Pipeline-Pläne realisiert werden, rechnet Russland mit einem Lieferumfang von 106 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr. In dem juristischen Abkommen vom September mit China sieht Miller für Kraft Sibiriens 2 beste Aussichten.

Freitag, 2.01.2026, 14:34 Uhr
Josephine Bollinger-Kanne

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