Webinar der Biomethan Taskforce. Quelle: Susanne Harmsen
Bundesregierung, Branche und Marktakteure diskutieren aktuell die Rolle von Biomethan, vor allem im Gebäudesektor und Verkehr. Regulatorische Hürden und Flächenbedarfe setzen Grenzen.
Die Eckpunkte zum geplanten Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) setzen laut Bundesregierung stärker auf klimaneutrale Gase im Wärmemarkt. Biomethan gilt dabei als eine Option, um fossile Energieträger zu ersetzen. Der Markt für Produktion, Einspeisung und Nutzung könnte enorm wachsen mit verlässlichen Rahmenbedingungen, mahnten Unternehmen und Verbände am 24.
März in einem Webinar der Biomethan-Taskforce.
Nach den vorliegenden Plänen sollen neu installierte Gasheizungen ab 2029 verpflichtend mit einem Anteil von zehn Prozent erneuerbarer Gase betrieben werden. Bis 2045 ist eine vollständige Umstellung vorgesehen. Biomethan wird in diesem Kontext als flexibel einsetzbarer Energieträger beschrieben, der sowohl in der Industrie als auch im Verkehr und in der Stromerzeugung genutzt werden kann. Der Markt ist jedoch stark reguliert, erläuterte Toni Reinholz, Teamleiter Bioenergie, erneuerbare Gase und Nachweisführung der Deutschen Energieagentur (Dena). Für Einspeisung und Transport gelten unter anderem das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) sowie Verordnungen wie GasNZV und GasNEV.
Im Strom- und Wärmesektor greifen Regelwerke wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) oder das Gebäudeenergiegesetz, während im Verkehr unter anderem das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) und die Treibhausgasminderungsquote maßgeblich sind. Gleichzeitig befinden sich zahlreiche Anpassungen auf nationaler und europäischer Ebene in Vorbereitung, etwa zur THG-Berechnungsmethodik oder zur Umsetzung der EU-Erneuerbaren-Richtlinie.
Zukunft nach der EEG-FörderungAktuell wird Biomethan vor allem in Blockheizkraftwerken zur Strom- und Wärmeerzeugung eingesetzt. Viele Anlagen nähern sich jedoch dem Ende ihrer EEG-Förderung. Im Verkehrssektor kommt Biomethan zunehmend als Bio-LNG oder Bio-CNG zum Einsatz. Der Markt ist laut Branchenangaben von schwankenden Quotenpreisen geprägt, die je nach Herkunft und Verwendung zwischen 33 und 100
Euro je MWh liegen.
Parallel zur politischen Debatte analysieren Unternehmen die praktische Umsetzbarkeit. Laut einer Untersuchung der Vermittlungsplattform Aroundhome in Berlin würde bereits ein Biomethan-Anteil von zehn Prozent für die 150 größten Städte einen Flächenbedarf von 209.000 bis 316.000
Hektar für Energiepflanzenanbau erfordern. Das entspräche etwa dem Zwei- bis Dreieinhalbfachen der Fläche Berlins.
Steigt der Anteil auf 50
Prozent, würde sich der Bedarf auf über eine Million Hektar erhöhen. Bei vollständiger Versorgung aller gasbeheizten Wohnungen in Deutschland könnten laut der Analyse bis zu 7,55
Millionen Hektar notwendig sein. Das entspricht rund 21 Prozent der Landesfläche. Aroundhome verweist darauf, dass diese Modellrechnung Unsicherheiten bei Flächenverfügbarkeit und Kosten offenlässt.
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Aktuelle Biomethandeinspeisung in Deutschland (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken) Quelle: Dena |
Zehnfaches Potenzial erschließenAus der Branche kommen unterschiedliche Einschätzungen. Jörg Selbach-Röntgen, Geschäftsführer des Anlagenbetreibers Biogeen mit Sitz in Münster, sieht Deutschland im europäischen Vergleich im Rückstand. Während Frankreich und Italien ihre Produktionsziele deutlich ausbauen, liege die installierte Leistung in Deutschland bei rund 10
TWh mit unklarer Perspektive. Selbach-Röntgen beziffert das heimische Potenzial auf bis zu 300
TWh, von denen derzeit nur ein Bruchteil genutzt werde.
Er fordert verbindliche Ausbauziele, schnellere Genehmigungsverfahren und Förderinstrumente wie Differenzverträge. Biomethan könne bestehende Gasinfrastruktur nutzen und kurzfristig zur Versorgung beitragen, so Selbach-Röntgen. Zudem sieht er Vorteile in regionalen Lieferketten und einer geringeren Abhängigkeit von Importen.
Essenzielle Regulierung fehltGleichzeitig weist die Branche auf regulatorische Unsicherheiten hin. Der Bundesverband Bioenergie und das Hauptstadtbüro Bioenergie fordern die zügige Verabschiedung der Novelle zur Treibhausgasminderungsquote. Laut Verband verzögert sich die gesetzliche Umsetzung europäischer Vorgaben seit Monaten. Das erschwere Investitionsentscheidungen und führe zu Marktverwerfungen, etwa durch problematische Importströme bei Biokraftstoffen.
Dienstag, 24.03.2026, 16:24 Uhr
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