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Energie & Management > Wärme - Warum viele Wärmepläne wackeln
Quelle: Stefan Sagmeister
Wärme

Warum viele Wärmepläne wackeln

Eine Auswertung von 113 kommunalen Wärmeplänen zeigt große Unterschiede bei Technologien, Biomasseeinsatz und Annahmen zum künftigen Wärmebedarf – und Schwachstellen.
Wie realistisch sind kommunale Wärmepläne? Nach einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) und des Öko-Instituts sind vielerorts strukturelle Fragen offen. Die Experten haben 113 Wärmepläne für 223 Kommunen einem Realitätscheck unterzogen. Schwächen sehen sie im Hinblick auf Annahmen zu Biomasse, Prozesswärme und Sanierungsraten.

Die leitungsgebundene Wärmeversorgung und Wärmepumpen werden der Studie zufolge im Jahr 2045 mehr als drei Viertel der Wärmeversorgung abdecken. Leitungsgebundene Technologien erreichen demnach im Schnitt einen Anteil von rund 40 Prozent, Wärmepumpen kommen auf 38 Prozent.

„Über alle Pläne und Kommunengrößen hinweg zeigt sich, dass die Wärmepumpe die wesentliche Technologie für jene Gebiete ist, die sich nicht für eine zentrale Wärmeversorgung über Wärmenetze eignen“, resümiert Marc Stobbe vom Öko-Institut. Je nach Gemeindegröße liege der geplante Anteil zwischen 35 und 45 Prozent. Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern planen mit Anteilen an leitungsgebundener Wärmeversorgung von 47 bis 82 Prozent.

Was den Erzeugungsmix angeht, beobachten die Wissenschaftler sehr unterschiedliche Dekarbonisierungsstrategien. „Eine Gruppe an Städten setzt dabei stark auf die Versorgung mittels Großwärmepumpen, eine zweite Gruppe auf Geothermie, eine dritte vorrangig auf biogene Energieträger und eine vierte auf ein breit gestreutes Technologieportfolio“, heißt es in der 32-seitigen Studie.

Zu wenig Biomasse

Eine Frage, die Pläne wackelig erscheinen lässt, ist die nach dem künftigen Wärmebedarf. Viele Kommunen kalkulieren mit sinkenden Wärmebedarfen. Laut der Studie bleibt jedoch häufig unklar, ob diese Reduktionen auf energetische Sanierungen oder andere Effizienzmaßnahmen zurückgeführt werden. Die Experten sprechen sich dafür aus, einen standardisierten Korridor für plausible Energieeinsparungen sowie eine einheitliche Definition der Sanierungsrate zu etablieren.

Wackelig erscheinen auch Planungen mit Biomasse. Kommunen verwenden unterschiedliche Definitionen, etwa bei der Einbeziehung von Abfällen oder bei Nachhaltigkeitskriterien für Holz. Zudem übersteige in zahlreichen Plänen der angesetzte Verbrauch biogener Energieträger das lokal verfügbare Potenzial. „In der Zusammenschau der Pläne weckt dies Zweifel an der langfristigen Nachhaltigkeit und Umsetzbarkeit“, schreiben die Autoren.

Nachfrage nach Prozesswärme oft nicht berücksichtigt

Darüber hinaus monieren die Wissenschaftler, dass viele Wärmepläne die Nachfrage nach Raum- und Prozesswärme aus Gewerbe und Industrie nicht berücksichtigen. „Hier ist Abhilfe dringend erforderlich, wenn die kommunale Wärmeplanung als Grundlage der Transformation für Netzbetreiber und Energieversorger dienen soll“, wird Projektleiterin Jessica Thomsen vom Fraunhofer ISE zitiert.

Das Fraunhofer- und das Öko-Institut schlagen vor, das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz mit dem Wärmeplanungsgesetz zu verzahnen. Und es brauche „langfristig verlässliche Fördermaßnahmen“ wie die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) und die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG).

Die Studie „Kommunale Wärmeplanungen in Deutschland – Auswertung abgeschlossener Wärmepläne“ steht als kostenfreier Download bereit.

Mittwoch, 4.03.2026, 15:47 Uhr
Manfred Fischer
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Eine Auswertung von 113 kommunalen Wärmeplänen zeigt große Unterschiede bei Technologien, Biomasseeinsatz und Annahmen zum künftigen Wärmebedarf – und Schwachstellen.
Wie realistisch sind kommunale Wärmepläne? Nach einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) und des Öko-Instituts sind vielerorts strukturelle Fragen offen. Die Experten haben 113 Wärmepläne für 223 Kommunen einem Realitätscheck unterzogen. Schwächen sehen sie im Hinblick auf Annahmen zu Biomasse, Prozesswärme und Sanierungsraten.

Die leitungsgebundene Wärmeversorgung und Wärmepumpen werden der Studie zufolge im Jahr 2045 mehr als drei Viertel der Wärmeversorgung abdecken. Leitungsgebundene Technologien erreichen demnach im Schnitt einen Anteil von rund 40 Prozent, Wärmepumpen kommen auf 38 Prozent.

„Über alle Pläne und Kommunengrößen hinweg zeigt sich, dass die Wärmepumpe die wesentliche Technologie für jene Gebiete ist, die sich nicht für eine zentrale Wärmeversorgung über Wärmenetze eignen“, resümiert Marc Stobbe vom Öko-Institut. Je nach Gemeindegröße liege der geplante Anteil zwischen 35 und 45 Prozent. Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern planen mit Anteilen an leitungsgebundener Wärmeversorgung von 47 bis 82 Prozent.

Was den Erzeugungsmix angeht, beobachten die Wissenschaftler sehr unterschiedliche Dekarbonisierungsstrategien. „Eine Gruppe an Städten setzt dabei stark auf die Versorgung mittels Großwärmepumpen, eine zweite Gruppe auf Geothermie, eine dritte vorrangig auf biogene Energieträger und eine vierte auf ein breit gestreutes Technologieportfolio“, heißt es in der 32-seitigen Studie.

Zu wenig Biomasse

Eine Frage, die Pläne wackelig erscheinen lässt, ist die nach dem künftigen Wärmebedarf. Viele Kommunen kalkulieren mit sinkenden Wärmebedarfen. Laut der Studie bleibt jedoch häufig unklar, ob diese Reduktionen auf energetische Sanierungen oder andere Effizienzmaßnahmen zurückgeführt werden. Die Experten sprechen sich dafür aus, einen standardisierten Korridor für plausible Energieeinsparungen sowie eine einheitliche Definition der Sanierungsrate zu etablieren.

Wackelig erscheinen auch Planungen mit Biomasse. Kommunen verwenden unterschiedliche Definitionen, etwa bei der Einbeziehung von Abfällen oder bei Nachhaltigkeitskriterien für Holz. Zudem übersteige in zahlreichen Plänen der angesetzte Verbrauch biogener Energieträger das lokal verfügbare Potenzial. „In der Zusammenschau der Pläne weckt dies Zweifel an der langfristigen Nachhaltigkeit und Umsetzbarkeit“, schreiben die Autoren.

Nachfrage nach Prozesswärme oft nicht berücksichtigt

Darüber hinaus monieren die Wissenschaftler, dass viele Wärmepläne die Nachfrage nach Raum- und Prozesswärme aus Gewerbe und Industrie nicht berücksichtigen. „Hier ist Abhilfe dringend erforderlich, wenn die kommunale Wärmeplanung als Grundlage der Transformation für Netzbetreiber und Energieversorger dienen soll“, wird Projektleiterin Jessica Thomsen vom Fraunhofer ISE zitiert.

Das Fraunhofer- und das Öko-Institut schlagen vor, das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz mit dem Wärmeplanungsgesetz zu verzahnen. Und es brauche „langfristig verlässliche Fördermaßnahmen“ wie die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) und die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG).

Die Studie „Kommunale Wärmeplanungen in Deutschland – Auswertung abgeschlossener Wärmepläne“ steht als kostenfreier Download bereit.

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