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Die deutsche Gasversorgung ist technisch abgesichert, jedoch anfällig für Preisschocks. Das macht der aktuelle „Energiewendeindex“ der Unternehmensberatung McKinsey deutlich.
An Handlungsspielraum im Fall von Lieferausfällen fehlt es nicht. Deutschland könnte 34 bis 48
Milliarden kWh Gas pro Monat kompensieren. Zu diesem Ergebnis kommt die Beratungsgesellschaft McKinsey in ihrem „Energiewendeindex“ für März. Allerdings: „Auch wenn eine Kompensation grundsätzlich technisch möglich ist – die preislichen und wirtschaftlichen Risiken sind hoch“, kommentiert Fridolin Pflugmann, Co-Autor der Studie, den Befund.
Er und seine Kollegen blicken in der Kompensationsrechnung auf den nächsten Winter. Sie zählen vier Optionen auf: Zusätzliche 2 bis 6
Milliarden kWh pro Monat seien mit Pipeline-Importen realisierbar. Weitere 5 bis 10
Milliarden kWh könnten pro Monat durch zusätzliche LNG-Beschaffung ins Land kommen. Monatlich rund 15
Milliarden kWh ließen sich über einen Zeitraum von bis zu fünf Monaten durch eine über die reguläre Nutzung hinausgehende Speicherentnahme verfügbar machen – entsprechende Speicherbefüllung im Sommer vorausgesetzt. Hinzu kommen könnten Einsparungen auf der Nachfrageseite. Dieses Potenzial beziffern die Studienautoren auf 12 bis 17
Milliarden kWh.
Wirtschaftliche Risiken sehen sie vor allem in möglichen Preissteigerungen. Der Preiseffekt infolge zusätzlicher LNG-Beschaffung würde stark von Umfang, Dauer und Reichweite des Ausfallszenarios abhängen, heißt es in dem Papier. „Bei einem geringfügigen Ausfallszenario – vergleichbar den norwegischen Anlageausfällen für eine Woche im Juni 2024 – stieg der TTF-Monats-Futurepreis kurzfristig um 3
Euro/MWh.“
Für die zusätzliche LNG-Nachfrage von bis zu 10 Milliarden kWh im Monat über einen Zeitraum von bis zu fünf Monaten könnte nach Analyse von McKinsey ein Aufpreis von mehr als 5
Euro/MWh erforderlich sein. „Unter der Annahme eines zu 80 Prozent hub-indexierten deutschen Gasmarktes wäre so mit einem Gaspreisanstieg von rund 4
Euro/MWh zu rechnen.“
Ein Drittel der Industriestrompreis-SubventionDen Effekt auf die Stromkosten der Industrie taxieren die Autoren auf Basis von Eckdaten aus dem Jahr 2024. Erdgas habe damals etwa 13
Prozent der Nettostromerzeugung ausgemacht, sei aber schätzungsweise 50 Prozent der Zeit preissetzend gewesen. „Geht man von einem gleichbleibenden Preissetzungsanteil und einem industriellen Stromverbrauch von 15 bis 20
Milliarden kWh pro Monat aus, würde der bezifferte Gaspreisanstieg über fünf Monate zu Strommehrkosten von 0,3 bis 0,4 Milliarden Euro für die deutsche Industrie führen“, schlussfolgern sie. Dies entspreche etwa einem Drittel der von der Bundesregierung geplanten Industriestrompreis-Subvention von 0,8 bis 1,5
Milliarden Euro pro Jahr.
Und das Ende der Fahnenstange ist damit womöglich nicht erreicht: „Zudem könnten Engpässe – wie wir in der Vergangenheit gesehen haben – auch zu Überreaktionen an den Märkten führen, mit schwer kalkulierbaren und noch höheren Kosten“, wird Pflugmann zitiert.
Die Studie identifiziert drei zentrale Handlungsfelder: einen verlässlichen Planungsrahmen für den künftigen Gasbedarf, eine breitere Diversifizierung der Lieferländer sowie Investitionen in resiliente Infrastruktur. „Ein resilienter Energiemarkt erfordert weit mehr als kurzfristige Ausgleichsmaßnahmen. Deutschland benötigt langfristige Lieferverträge, diversifizierte Bezugsquellen und eine klare, zukunftsgerichtete Infrastrukturplanung“, so Sebastian Overlack, ebenfalls Autor der Analyse.
Der aktuelle
Energiewendeindex von McKinsey steht als kostenfreier Download bereit.
Freitag, 20.03.2026, 15:38 Uhr
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