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Energie & Management > Kernkraft - Slowaken und Tschechen setzen intensiv auf Atomenergie
Quelle: Pixabay / minka2507
Kernkraft

Slowaken und Tschechen setzen intensiv auf Atomenergie

Ungeachtet des globalen Abwärtstrends bei der Kernkraft: Unverdrossen setzen die Regierungen der Slowakei und Tschechiens weiter auf den Ausbau dieser Energiequelle.
So hat der linkspopulistische slowakische Ministerpräsident Robert Fico vor kurzem in Washington eine Vereinbarung unterzeichnet, aufgrund derer das mittelosteuropäische Land und die USA im Bereich der zivilen Nutzung von Kernenergie eng zusammenrücken. Die künftige Zusammenarbeit konzentriert sich nach Angaben aus der slowakischen Hauptstadt Bratislava (Pressburg) auf ein breites Spektrum: von Fragen des nuklearen Brennstoff-Kreislaufs über die Entsorgung abgebrannter Brennelemente und radioaktiver Abfälle bis hin zu Anlagensicherheit, Forschung, Entwicklung und technologischer Innovation einschließlich kleiner modularer Reaktoren (SMR).

Damit werde ein umfassender Kooperationsrahmen geschaffen, „der es der Slowakischen Republik ermöglicht, langfristig ein ziviles Kernenergieprogramm zu entwickeln, fachliche und institutionelle Kapazitäten systematisch zu stärken und die Voraussetzungen für die Entwicklung der Kernenergie im Einklang mit den nationalen strategischen Zielen zu schaffen“. Kernenergie werde auch in den kommenden Jahrzehnten ein wesentlicher Bestandteil eines stabilen, sicheren und emissionsfreien Energiemixes bleiben. 

Seitens des Wirtschaftsministeriums in Bratislava wird darauf verwiesen, dass die Slowakei seit langem zu den Ländern mit dem geringsten CO2-Fußabdruck im Stromsektor zähle. Kernenergie und erneuerbare Energien deckten derzeit gut 87 Prozent der Stromerzeugung ohne CO2-Emissionen ab, und dieser Anteil werde sich nach der Inbetriebnahme des vierten Blocks des Kernkraftwerks Mochovce noch weiter erhöhen.

Ist und Soll auf Tschechisch

Unter Schirmherrschaft der Karlsuniversität in Prag wiederum wurde eine Studie mit drei Szenarien für den tschechischen Energiesektor und deren wirtschaftliche Folgen erstellt. Die Ergebnisse der Analyse sollen in die Fortschreibung der tschechischen Klimaziele einfließen, deren Veröffentlichung bald erwartet wird. 

Zunächst gehen die Verfasser nach eigener Darstellung von realen Gegebenheiten und damit vom Bau nur eines Kernreaktors mit einer installierten Leistung von 1.100 MW am Standort Dukovany (EDU5) aus, dessen Inbetriebnahme für 2040 geplant ist. Im kürzlich unterzeichneten Vertrag zwischen Elektrarna Dukovany II und der Korea Hydro and Nuclear Power Company ist jedoch der Bau von zwei Blöcken vereinbart, die 2036 fertiggestellt sein sollen. 

Dem zweiten Szenario zufolge, wodurch sich die Dekarbonisierung der tschechischen Wirtschaft erheblich beschleunigen könnte, ist außer dem Kernkraftwerk EDU5 der Bau zweier weiterer Reaktoren am Standort Temelin (ETE3 und ETE4) vorgesehen. Die Inbetriebnahme dieser drei Blöcke ist zwischen 2036 und 2041 geplant. Außerdem soll ein kleiner modularer Reaktor (SMR) mit einer installierten Leistung von 350 MW errichtet werden. 

Das letzte, als sehr ambitioniert bezeichnete Szenario umfasst den Bau von drei großen Kernkraftwerken und den Einsatz einer ganzen Reihe SMR. Im Vergleich zum vorhergehenden Szenario geht es von einer noch intensiveren Transformation des Energie- und Konsumverhaltens aus. Der entscheidende Unterschied liegt in der rasanten Entwicklung erneuerbarer Energien: Bis 2030 soll die installierte Leistung von Photovoltaikanlagen 12.600 MW und die von Windkraftanlagen 1.700 MW erreichen. 
 
Kritiker der Studien beanstanden methodische Fehler und die Verwendung unvollständiger oder fehlerhafter Daten. Laut ihren Angaben werden beispielsweise Verluste im Übertragungs- und Verteilungsnetz oder der tatsächliche Stromverbrauch, die Importabhängigkeit des Landes sowie andere wichtige Parameter der Ressourcen-Adäquanz vernachlässigt. Auch sei mit unrealistischen Annahmen zur Leistungsfähigkeit und Nutzung einzelner Energiequellen gearbeitet worden, indem die Möglichkeiten erneuerbarer Energien überschätzt und die Flexibilität von Kernkraftwerken nicht berücksichtigt worden seien, die bei einem hohen Anteil an Solar- und Windenergie abzuschalten seien. 

Dienstag, 27.01.2026, 11:26 Uhr
Karin Rogalska
Energie & Management > Kernkraft - Slowaken und Tschechen setzen intensiv auf Atomenergie
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Kernkraft
Slowaken und Tschechen setzen intensiv auf Atomenergie
Ungeachtet des globalen Abwärtstrends bei der Kernkraft: Unverdrossen setzen die Regierungen der Slowakei und Tschechiens weiter auf den Ausbau dieser Energiequelle.
So hat der linkspopulistische slowakische Ministerpräsident Robert Fico vor kurzem in Washington eine Vereinbarung unterzeichnet, aufgrund derer das mittelosteuropäische Land und die USA im Bereich der zivilen Nutzung von Kernenergie eng zusammenrücken. Die künftige Zusammenarbeit konzentriert sich nach Angaben aus der slowakischen Hauptstadt Bratislava (Pressburg) auf ein breites Spektrum: von Fragen des nuklearen Brennstoff-Kreislaufs über die Entsorgung abgebrannter Brennelemente und radioaktiver Abfälle bis hin zu Anlagensicherheit, Forschung, Entwicklung und technologischer Innovation einschließlich kleiner modularer Reaktoren (SMR).

Damit werde ein umfassender Kooperationsrahmen geschaffen, „der es der Slowakischen Republik ermöglicht, langfristig ein ziviles Kernenergieprogramm zu entwickeln, fachliche und institutionelle Kapazitäten systematisch zu stärken und die Voraussetzungen für die Entwicklung der Kernenergie im Einklang mit den nationalen strategischen Zielen zu schaffen“. Kernenergie werde auch in den kommenden Jahrzehnten ein wesentlicher Bestandteil eines stabilen, sicheren und emissionsfreien Energiemixes bleiben. 

Seitens des Wirtschaftsministeriums in Bratislava wird darauf verwiesen, dass die Slowakei seit langem zu den Ländern mit dem geringsten CO2-Fußabdruck im Stromsektor zähle. Kernenergie und erneuerbare Energien deckten derzeit gut 87 Prozent der Stromerzeugung ohne CO2-Emissionen ab, und dieser Anteil werde sich nach der Inbetriebnahme des vierten Blocks des Kernkraftwerks Mochovce noch weiter erhöhen.

Ist und Soll auf Tschechisch

Unter Schirmherrschaft der Karlsuniversität in Prag wiederum wurde eine Studie mit drei Szenarien für den tschechischen Energiesektor und deren wirtschaftliche Folgen erstellt. Die Ergebnisse der Analyse sollen in die Fortschreibung der tschechischen Klimaziele einfließen, deren Veröffentlichung bald erwartet wird. 

Zunächst gehen die Verfasser nach eigener Darstellung von realen Gegebenheiten und damit vom Bau nur eines Kernreaktors mit einer installierten Leistung von 1.100 MW am Standort Dukovany (EDU5) aus, dessen Inbetriebnahme für 2040 geplant ist. Im kürzlich unterzeichneten Vertrag zwischen Elektrarna Dukovany II und der Korea Hydro and Nuclear Power Company ist jedoch der Bau von zwei Blöcken vereinbart, die 2036 fertiggestellt sein sollen. 

Dem zweiten Szenario zufolge, wodurch sich die Dekarbonisierung der tschechischen Wirtschaft erheblich beschleunigen könnte, ist außer dem Kernkraftwerk EDU5 der Bau zweier weiterer Reaktoren am Standort Temelin (ETE3 und ETE4) vorgesehen. Die Inbetriebnahme dieser drei Blöcke ist zwischen 2036 und 2041 geplant. Außerdem soll ein kleiner modularer Reaktor (SMR) mit einer installierten Leistung von 350 MW errichtet werden. 

Das letzte, als sehr ambitioniert bezeichnete Szenario umfasst den Bau von drei großen Kernkraftwerken und den Einsatz einer ganzen Reihe SMR. Im Vergleich zum vorhergehenden Szenario geht es von einer noch intensiveren Transformation des Energie- und Konsumverhaltens aus. Der entscheidende Unterschied liegt in der rasanten Entwicklung erneuerbarer Energien: Bis 2030 soll die installierte Leistung von Photovoltaikanlagen 12.600 MW und die von Windkraftanlagen 1.700 MW erreichen. 
 
Kritiker der Studien beanstanden methodische Fehler und die Verwendung unvollständiger oder fehlerhafter Daten. Laut ihren Angaben werden beispielsweise Verluste im Übertragungs- und Verteilungsnetz oder der tatsächliche Stromverbrauch, die Importabhängigkeit des Landes sowie andere wichtige Parameter der Ressourcen-Adäquanz vernachlässigt. Auch sei mit unrealistischen Annahmen zur Leistungsfähigkeit und Nutzung einzelner Energiequellen gearbeitet worden, indem die Möglichkeiten erneuerbarer Energien überschätzt und die Flexibilität von Kernkraftwerken nicht berücksichtigt worden seien, die bei einem hohen Anteil an Solar- und Windenergie abzuschalten seien. 

Dienstag, 27.01.2026, 11:26 Uhr
Karin Rogalska

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