Michael Stipa bei der Präsentation. Quelle: Stefan Sagmeister
Der Maschinenbauer bringt bei der Umsetzung der Kraftwerksstrategie seine Gasmotoren ins Spiel. Sie hätten einige Vorteile gegenüber Turbinen, so der Tenor eines Pressegesprächs.
Rolls-Royce will in Deutschland mit Gasmotoren-Kraftwerken einen Beitrag zur Kraftwerksstrategie der Bundesregierung leisten. Bekanntermaßen sollen bis 2031 rund 12.000 MW an Kraftwerksleistung in Deutschland neu errichtet werden. In erster Linie sind dabei Großkraftwerke mit Gasturbinen angedacht. Doch sehen die Manager von Rolls-Royce Power Systems mit Sitz in Friedrichshafen auch Chancen für ihre Gasmotorenkraftwerke, wie bei einem Pressetermin in Essen zu hören war.
„Versorgungssicherheit muss nicht zwingend durch große Kombikraftwerke mit mehreren hundert MW gewährleistet werden“, sagte Michael Stipa, Senior Vice President Geschäftsentwicklung & Produktmanagement Stationäre Energielösungen bei Rolls-Royce Power Systems. Die von seinem Unternehmen vorgestellte Lösung habe einige Vorteile gegenüber den Gasturbinen.
Modulare Bauweise sorgt für Flexibilität
Auch modulare Anlagen mit einer Leistung von beispielsweise 30 MW, die aus mehreren Einzelaggregaten bestehen, könnten zur Absicherung beitragen. Die Aggregate lassen sich je nach Bedarf einzeln zuschalten. Wird nur ein Teil der Gesamtleistung benötigt, bleibt ein entsprechender Anteil der Motoren abgeschaltet. Dadurch kann der Betrieb im Teillastbereich effizienter gestaltet werden.
Während große Gas-und-Dampf-Kombikraftwerke im Volllastbetrieb elektrische Wirkungsgrade von bis zu 60 Prozent erreichen, liegt der elektrische Wirkungsgrad moderner Gasmotoren immerhin bei rund 44 Prozent, so Stipa weiter. Modulare Motoranlagen können flexibler betrieben werden und bieten zudem Vorteile hinsichtlich Redundanz und Resilienz.
Die schlüsselfertigen Anlagen von Rolls-Royce decken nach Unternehmensangaben ein Leistungsspektrum von 5 bis zu mehreren hundert MW ab. Sie sind als H2-ready-Lösungen ausgelegt und damit für einen späteren Einsatz von Wasserstoff vorbereitet. Vorkonfigurierte, werksgeprüfte Module mit 10, 20 oder 30 MW sollen eine Inbetriebnahme innerhalb von 12 bis 18 Monaten nach Bestellung ermöglichen.
Serienfertigung schafft schnelle Verfügbarkeit
Ein weiterer Vorteil liegt laut Stipa in der Serienfertigung der Gasmotoren. Das Unternehmen produziert jährlich mehrere Tausend Motoren. Dies sei mit Blick auf das Zieljahr 2031 relevant, da im Kraftwerksbau fünf Jahre Planungs- und Bauzeit als kurzfristig gelten.
Beim Thema Dekarbonisierung betonte Stipa die Wasserstofffähigkeit der Anlagen. Aktuell können die Motoren bis zu 25 Prozent Wasserstoff beimischen. Nachrüstsätze für 100 Prozent Wasserstoff befinden sich in der Entwicklung. Eine Pilotanlage mit 100 Prozent Wasserstoff wurde im Sommer des Vorjahres in Duisburg in Betrieb genommen. Allerdings: Auch Biogas und Biomethan können als Brennstoff für die Gasmotoren eingesetzt werden.
Stipa verwies als positives Beispiel auf den britischen Markt. Dort seien erhebliche Kapazitäten für kurzfristige Reserveleistung aufgebaut worden. Installiert wurden rund 500 Aggregate mit jeweils etwa 2,5 MW, insgesamt also rund 1.250 MW. „Diese Anlagen können innerhalb von 90 bis 120 Sekunden von null auf Volllast hochfahren“, sagte Stipa. Sie seien auf häufige Starts ausgelegt und unterschieden sich damit von klassischen Großturbinen, die nur wenige Starts pro Jahr absolvieren.
Dezentrale Gasmotoren-Kraftwerke könnten die Netzresilienz erhöhen und die Integration erneuerbarer Energien unterstützen. Statt weniger großer, zentraler Einheiten basiere das Konzept auf zahlreichen kleineren Aggregaten, die je nach Bedarf einzeln zu- oder abgeschaltet und im jeweils optimalen Lastbereich betrieben werden.
„Wahre Resilienz entsteht durch Dezentralität, nicht durch Zentralisierung. Ein Energiesystem, das auf vielen verteilten, modularen Erzeugungseinheiten basiert, ist weniger anfällig für großflächige Störungen und Engpässe. Modulare Gasmotorenkraftwerke bieten genau diese Struktur“, so Stipa.
Donnerstag, 19.02.2026, 14:21 Uhr
Stefan Sagmeister
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