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Energie & Management > Gas - Risiken sind nicht weniger geworden
LNG-Tanker. Quelle: Shutterstock / VladSV
Gas

Risiken sind nicht weniger geworden

Die EU geht mit niedrigen Gasspeichern in den Winter. Zugleich wächst die Abhängigkeit von LNG aus den USA und vom Weltmarkt, so eine Einschätzung des Instituts IEEFA. 
Europa geht nach einer Marktanalyse des Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) mit mehreren Risiken in den Gaswinter 2026/27. Dazu gehören niedrige Speicherstände, mögliche Lieferunterbrechungen, die Konkurrenz mit asiatischen Käufern um Flüssigerdgas (LNG) sowie die Unsicherheit über die Temperaturen im Winter. 

Das Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) ist ein gemeinnütziger Think Tank mit Sitz in den USA, dessen Arbeit durch Stiftungen finanziert wird. Wie das Institut schreibt, seien gerne gezogene Vergleiche mit der Energiekrise 2022 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine aber schief. Denn damals bezog Europa fast die Hälfte seiner Gasimporte aus Russland. Seither wurden die Lieferquellen diversifiziert, der Verbrauch gesenkt und erneuerbare Energien ausgebaut. Zwischen 2021 und 2025 ging die Gasnachfrage in der Europäischen Union (EU) um 17,7 Prozent zurück.

Gleichzeitig sei jedoch eine neue Abhängigkeit entstanden, so das IEEFA. An die Stelle russischen Pipelinegases seien verstärkt LNG-Lieferungen und insbesondere Importe aus den USA getreten. Damit sei Europa stärker von weltweiten Transportwegen und dem internationalen Wettbewerb um LNG-Ladungen abhängig.

Verschärfen könnte sich die Situation zum 1. Januar 2027, wenn das vollständige EU-Verbot für russische LNG-Importe aus bestehenden langfristigen Verträgen greifen soll. Im ersten Halbjahr 2026 entfielen noch rund 19 Prozent der LNG-Importe der EU auf Russland.

Von Januar bis August 2026 importierte die EU insgesamt rund 200 Milliarden Kubikmeter Gas. Die Menge blieb damit gegenüber dem Vorjahreszeitraum nahezu unverändert. Die LNG-Importe gingen allerdings um rund 3,5 Prozent zurück, während die Pipelineimporte um 2,5 Prozent zunahmen.

Eine Ursache für den LNG-Rückgang sind laut IEEFA die Beeinträchtigungen der Schifffahrt durch die Straße von Hormus infolge des Iran-Krieges. Die LNG-Lieferungen aus Katar sanken gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,1 Milliarden Kubikmeter.

Ausgeglichen wurde dies unter anderem durch zusätzliche Lieferungen aus Norwegen von 3,2 Milliarden Kubikmetern und aus den USA von 1,8 Milliarden Kubikmetern. Auch die Importe aus Russland stiegen um 1,5 Milliarden Kubikmeter, aus Algerien um 1,1 Milliarden Kubikmeter und aus Großbritannien um 1,0 Milliarden Kubikmeter.

Beim LNG liegen die USA vorne

Die Bedeutung der USA für die europäische Gasversorgung hat damit weiter zugenommen. Rund 60 Prozent der LNG-Importe der EU kamen 2026 bislang aus den USA. Im August lag der Anteil bei 70 Prozent. Insgesamt kaufte die EU im August 43 Prozent mehr LNG als im Juli, vor allem um die Speicher vor dem Winter aufzufüllen.

Dennoch liegen die Speicherstände deutlich unter dem Vorjahresniveau. Am 12. September 2026 waren die EU-Gasspeicher zu 68,04 Prozent gefüllt. Ein Jahr zuvor waren es zum gleichen Zeitpunkt 80,12 Prozent. Als Grund nennt IEEFA unter anderem die Preisstruktur am Gasmarkt: Höhere Sommerpreise gegenüber den Terminpreisen für den Winter hätten den wirtschaftlichen Anreiz zur Einspeicherung verringert.

IEEFA sieht in der stärkeren LNG-Abhängigkeit ein Preisrisiko. Europäische Käufer müssen mit asiatischen Abnehmern um flexibel verfügbare Ladungen konkurrieren. Bei knapper Versorgung können dadurch sowohl Gas- als auch Strompreise steigen. Neben dem Wetter werden deshalb die Entwicklung der LNG-Lieferungen, mögliche Störungen wichtiger Transportwege und die Verfügbarkeit norwegischen Pipelinegases entscheidend für den kommenden Winter sein. (sag)

Donnerstag, 17.09.2026, 13:05 Uhr
Stefan Sagmeister
Energie & Management > Gas - Risiken sind nicht weniger geworden
LNG-Tanker. Quelle: Shutterstock / VladSV
Gas
Risiken sind nicht weniger geworden
Die EU geht mit niedrigen Gasspeichern in den Winter. Zugleich wächst die Abhängigkeit von LNG aus den USA und vom Weltmarkt, so eine Einschätzung des Instituts IEEFA. 
Europa geht nach einer Marktanalyse des Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) mit mehreren Risiken in den Gaswinter 2026/27. Dazu gehören niedrige Speicherstände, mögliche Lieferunterbrechungen, die Konkurrenz mit asiatischen Käufern um Flüssigerdgas (LNG) sowie die Unsicherheit über die Temperaturen im Winter. 

Das Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) ist ein gemeinnütziger Think Tank mit Sitz in den USA, dessen Arbeit durch Stiftungen finanziert wird. Wie das Institut schreibt, seien gerne gezogene Vergleiche mit der Energiekrise 2022 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine aber schief. Denn damals bezog Europa fast die Hälfte seiner Gasimporte aus Russland. Seither wurden die Lieferquellen diversifiziert, der Verbrauch gesenkt und erneuerbare Energien ausgebaut. Zwischen 2021 und 2025 ging die Gasnachfrage in der Europäischen Union (EU) um 17,7 Prozent zurück.

Gleichzeitig sei jedoch eine neue Abhängigkeit entstanden, so das IEEFA. An die Stelle russischen Pipelinegases seien verstärkt LNG-Lieferungen und insbesondere Importe aus den USA getreten. Damit sei Europa stärker von weltweiten Transportwegen und dem internationalen Wettbewerb um LNG-Ladungen abhängig.

Verschärfen könnte sich die Situation zum 1. Januar 2027, wenn das vollständige EU-Verbot für russische LNG-Importe aus bestehenden langfristigen Verträgen greifen soll. Im ersten Halbjahr 2026 entfielen noch rund 19 Prozent der LNG-Importe der EU auf Russland.

Von Januar bis August 2026 importierte die EU insgesamt rund 200 Milliarden Kubikmeter Gas. Die Menge blieb damit gegenüber dem Vorjahreszeitraum nahezu unverändert. Die LNG-Importe gingen allerdings um rund 3,5 Prozent zurück, während die Pipelineimporte um 2,5 Prozent zunahmen.

Eine Ursache für den LNG-Rückgang sind laut IEEFA die Beeinträchtigungen der Schifffahrt durch die Straße von Hormus infolge des Iran-Krieges. Die LNG-Lieferungen aus Katar sanken gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,1 Milliarden Kubikmeter.

Ausgeglichen wurde dies unter anderem durch zusätzliche Lieferungen aus Norwegen von 3,2 Milliarden Kubikmetern und aus den USA von 1,8 Milliarden Kubikmetern. Auch die Importe aus Russland stiegen um 1,5 Milliarden Kubikmeter, aus Algerien um 1,1 Milliarden Kubikmeter und aus Großbritannien um 1,0 Milliarden Kubikmeter.

Beim LNG liegen die USA vorne

Die Bedeutung der USA für die europäische Gasversorgung hat damit weiter zugenommen. Rund 60 Prozent der LNG-Importe der EU kamen 2026 bislang aus den USA. Im August lag der Anteil bei 70 Prozent. Insgesamt kaufte die EU im August 43 Prozent mehr LNG als im Juli, vor allem um die Speicher vor dem Winter aufzufüllen.

Dennoch liegen die Speicherstände deutlich unter dem Vorjahresniveau. Am 12. September 2026 waren die EU-Gasspeicher zu 68,04 Prozent gefüllt. Ein Jahr zuvor waren es zum gleichen Zeitpunkt 80,12 Prozent. Als Grund nennt IEEFA unter anderem die Preisstruktur am Gasmarkt: Höhere Sommerpreise gegenüber den Terminpreisen für den Winter hätten den wirtschaftlichen Anreiz zur Einspeicherung verringert.

IEEFA sieht in der stärkeren LNG-Abhängigkeit ein Preisrisiko. Europäische Käufer müssen mit asiatischen Abnehmern um flexibel verfügbare Ladungen konkurrieren. Bei knapper Versorgung können dadurch sowohl Gas- als auch Strompreise steigen. Neben dem Wetter werden deshalb die Entwicklung der LNG-Lieferungen, mögliche Störungen wichtiger Transportwege und die Verfügbarkeit norwegischen Pipelinegases entscheidend für den kommenden Winter sein. (sag)

Donnerstag, 17.09.2026, 13:05 Uhr
Stefan Sagmeister

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